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Mittwoch, 29. April 2020 - 12:47 Uhr
300 Jahre Riesling - Schloss Johannisberg

Mancher Weinfreund kennt „Karl, der Spätlesereiter“, eine Figur, die sich der Zeichner Michael Apitz zusammen mit den Autoren Eberhard und Patrick Kunkel schon vor mehr als 30 Jahren rund um den Weinbau im Rheingau ausgedacht haben. Im ersten Band aus dem Jahr 1988 wurde der tapfere Karl anno 1775 ausgeschickt, um beim Fuldaer Bischof die Erlaubnis zur Weinlese im Klostergut Johannisberg einzuholen. Doch auf dem Weg lauert ihm sein missgünstiger Konkurrent Ferdinand auf, der Karls Reise verzögert. Als er schließlich wieder auf dem Johannisberg eintrifft, ist die Ernte schon in Fäulnis übergegangen. Mit seinem Freund Oskar und seinem Hund Grandpatte keltert er die Trauben dennoch und entdeckt dabei die Spätlese. Mit dem Comic haben viele Comic- und Weinfreunde erstmals gehört, wie die Spätlese aus edelfaulen Trauben zu erstaunlich guten Ergebnissen führt.
Tatsächlich hat man wohl auf Schloss Johannisberg schon seit den 1730er Jahren mit einer teilweise verzögerten Lese experimentiert und das Verfahren peu a peu systematisch ausgebaut. Der Begriff Spätlese ist übrigens erst vor 111 Jahren eingeführt worden.

Doch Schloss Johannisberg hat in seiner rund 1200-jährigen Geschichte um den Weinbau sich schon früher als Pionier einen Namen gemacht. So ist es das erste Riesling-Weingut der Welt und bietet seit genau 300 Jahren beste Riesling-Tradition. Im Jubiläumsjahr möchte das Weingut mit dem ältesten reinen Riesling-Weinberg diesen mit einem bunten Programm in der zweiten Jahreshälfte feiern, wenn hoffentlich wieder Besucher die beliebte Rebsorte und die zahlreichen herausragenden Riesling-Weine des Weinguts vor Ort genießen können.

Die Domäne Schloss Johannisberg blickt auf eine bewegte Geschichte mit einzigartiger Weinkultur zurück: Als Benediktinerkloster um 1100 gegründet, wird die Abtei schnell zum Mittelpunkt und Pionier des Rheingauer Weinbaus, doch schon im 15. Jahrhundert setzte der allmähliche Niedergang des Klosters ein, dass nach diversen Kriegen 1563 aufgelöst wurde. Ein Segen war der Verkauf des berühmten Weinguts 1716 durch den Mainzer Erzbischof an den Fuldaer Fürstabtei Konstantin von Buttlar, der es von Grund auf neu gestaltete und ein weinbauliches Experiment großen Stils plante: die Neubepflanzung aller Weinberge der Domäne mit der bereits seit dem 15. Jahrhundert bekannten Rebsorte Riesling, der zwar als vornehm anerkannt, aber wegen des geringen Ertrags und der späten Reife zuvor nur sehr zögerlich gepflanzt wurde. Rund 300.000 neue Reben wurden damals gesetzt und bildeten 1720 den ersten geschlossenen Riesling-Weinberg der Welt.
Schloss Johannisberg ist eine wahre Schatzkammer des guten Weins. Noch heute lagert in der Bibliotheca Subterranea, dem 900 Jahre alten unterirdischen Abteikeller, der älteste Schloss Johannisberger Riesling aus dem Jahr 1748 und zahlreiche weitere Riesling-Meisterstücke, die von den Kellermeistern der Domäne in den letzten 300 Jahren gekeltert wurden. Darunter auch ein 1920 Schloss Johannisberg Riesling Goldlack, den ein Liebhaber nach einer Versteigerung im letzten Monat im Kloster Eberbach für 18.000 Euro sein Eigen nennen darf.

Doch man braucht nicht unbedingt einen Hundertjährigen. Auch die aktuellen rebsortenreinen Weine von Schloss Johannisberg mit ihrem gebietstypischen, authentischen und individuellen Charakter finden rund um die Welt begeisterte Anhänger und stehen auf den Karten der besten gastronomischen Adressen der Welt. Schade, dass sich Deutschland durch zwei Weltkriege selbst aus der Spitzenposition bei den Weinpreisen geschossen hat. Als ich kürzlich den Bitburger-Erben Roman Niewodniczanski auf seinem neugebauten Saar-Weingut besuchte, zeigte er mir alte amerikanische Weinkarten vom Anfang des letzten Jahrhunderts, auf denen neben den Weinen von Mosel und Saar vor allem der Riesling aus dem Rheingau Preise weit über den teuersten französischen Grand Crus erzielte. Auch heute können die Weine bei internationalen Wettbewerben wieder regelmäßig höchste Ergebnisse und Honorierungen erreichen. 2019 gab es dafür unter anderem die Höchstwertung von 100 Punkten durch James Suckling, der als früherer Europachef des „Wine Spectator“ ein anerkannter Kritiker für Wein ist und die 2018er Schloss Johannisberger Riesling Purpurlack Beerenauslese dieser höchsten Auszeichnung würdig empfand. Im selben Jahr konnte der 2018er Schloss Johannisberger Riesling Grünlack Spätlese die Auszeichnung „Best of Show“ beim internationalen Weinpreis Mundus Vini als bester restsüßer deutscher Riesling einstreichen. Chapeau!

Heute ist das VDP-Weingut schon lange nicht mehr in den Händen der Fuldaer Fürstäbte, doch es sind auch andere große Namen mit ihm verbunden. Mal war es das Haus Nassau-Oranien, mal Napoléon, der es seinem General Kellermann gab. 1811 kam es in die Hände des ehemaligen österreichischen Außenministers Metternich. Die Familie ging schon 1865 eine Partnerschaft mit der Wiesbadener Sektkellerei Söhnlein ein und lieferte den Grundwein für deren Spitzensekt, der noch heute als „Fürst von Metternich“ vom Schloss Johannisberg stammt. Inzwischen ist das Weingut vollständig im Besitz der vor Oetker-Gruppe gehörenden Weinsparte Henkell Freixenet. Bild (c) Henkell Freixenet

Samstag, 25. April 2020 - 10:48 Uhr
Online-Live-Weinprobe beim Prinzen zu Salm-Salm

Viele Weinhändler und Winzer sind von der Corona-Pandemie betroffen, denn während Lebensmittelhandel, Apotheken, Discounter und Drogeriemärkte öffneten, um die Grundversorgung sicherzustellen, mussten in einigen Bundesländern Vinotheken zubleiben. Einzig „kontaktlose Lieferung“ oder „kontaktlose Abholung“ ließ der Staat zu. So bekam der Verbraucher zwar deutschlandweit problemlos Fusel vom Discounter oder Massenweine aus dem Supermarkt, die die Hersteller deutscher Qualitätsweine hatten Probleme, ihre Erzeugnisse an den Endkunden zu bekommen, wenn sie nicht eigene Online-Shops aufgebaut oder bei einem Online-Weinhändler untergeschlüpft waren.

Doch auch sonst lassen sich einige Winzer etwas einfallen, wie sie Gäste, die durch die Krise nicht ins Weingut kommen können, ansprechen und ihnen eine gelungene Weinprobe aktueller neuer Weine bieten zu können, nachdem wichtige Messen wie die ProWein und diverse Verkostungen abgesagt werden mussten. Dabei werden die Weine dem Weinfreund über Livestream auf Facebook oder YouTube vorgestellt. Zuvor kann dieser das Probenpaket ordern und den Wein dann rechtzeitig kaltstellen. Wer mag, kann live mit dem Winzer probieren oder schaut sich hinterher das YouTube-Video an.

Einer der Pioniere dieser neuartigen Art der Verkostung ist Prinz Felix zu Salm-Salm aus Wallhausen an der Nahe. In Sachen Wein kennt sich Prinz Felix aus, der das Weingut 2015 von seinem Vater Prinz Michael übernahm und zuvor schon acht Jahre für Weinberge und Keller verantwortlich zeichnete. Prinz Michael war lange Jahre Vorsitzender des Verbands der Prädikatsweingüter VDP, dessen erfolgreichen Weg er maßgeblich mitgestaltete. Auch in Sachen ökologischer Anbau gehörte er zu den Vorreitern, als er das Weingut schon 1988 umstellte, was bei den Winzerkollegen (noch) nicht auf großes Verständnis stieß. Heute ist das VDP-Weingut auch Mitglied im Netzwerk „Fair ‘n Green“, in dem sich nachhaltig arbeitende Winzer aus dem In- und Ausland zum gegenseitigen Austausch zusammengeschlossen haben und mit denen man in den kommenden Jahren das Thema Biodiversität erforschen will.

Gleich zu Beginn der Probe präsentiert sich die Familie in einem kleinen Video, der Teil eines 45-Minuten-Films des SWR ist, der die Familie Salm-Salm von März bis zum Ende der Lese im Oktober begleitet hat und am 21. Mai 2020 ausgestrahlt wird.

Prinz Felix und seine Frau Victoria bilden inzwischen die 32. Generation durch-gehender Weinbaugeschichte des Weinguts, das nachweislich Deutschlands ältestes Weingut in Familienbesitz ist und im vergangenen Jahr sein 800.Jubiläum feiern konnte. Ein langer Zeitraum, um Wissen und Erfahrung zu sammeln, Einsichten zu gewinnen, sich auf Grundwerte zu besinnen und an die jeweils Nachfolgenden weiterzugeben. Beim Weingut Prinz Salm steht heute mehr denn je, der respektvolle Umgang mit der Natur im Fokus, denn nur gesunde Böden ermöglichen auch zukünftigen Generationen ein erfolgreiches Wirtschaften.

Das Weingut liegt an der alten Römerstraße von Mainz nach Trier und schon früh führten die Römer den Weinbau in der Region ein. Prinz Felix bedauert etwas, dass keine größere Stadt im Umkreis des Weinguts liegt. Heute in Zeiten von Corona kein Thema, aber in früheren Jahrhunderten war dies ein Nachteil gegenüber dem Rheingau mit Mainz, Wiesbaden und Frankfurt im Umkreis, der Mosel mit Koblenz und Trier oder der Ahr mit Köln und Bonn vor der Tür. „Um zu uns an die Nahe zu kommen, mussten alle erst mal durch andere Weinbaugebiete.“ Sicherlich einer der Gründe, warum rund die Hälfte des Weins in den Export und die Gastronomie geht.

Der Enddreißiger betont, dass nicht nur die Familie Salm-Salm eine lange Weinbau-Tradition mitbringt. Seine Mutter Philippa ist eine geborene Gräfin zu Castell-Castell aus Franken, eine Adelsfamilie der mit dem ebenfalls dem VDP angehörigen Fürstlich Castell’schen Domänenamt, ein Weingut angehört, das nur fünf Jahre später erstmals urkundlich für seinen Weinbau erwähnt wurde – insgesamt also schon 1.600 Jahre. Auch Felix‘ Schwester Marie-Anna blieb bei der Wahl ihres Ehemanns dem Wein treu, als sie 2012 Dominik Graf von Neipperg aus Baden-Württemberg ehelichte, ebenfalls Spross aus uraltem Weinadel und – wie konnte es anders sein - auch Mitglied des Verbands der Prädikatsweingüter.

Wir haben uns zur vierten Probe angemeldet, die in der Woche nach Ostern an einem Freitagabend um 20.30 Uhr stattfand. Nachdem wir die Probe in der Vorwoche bei Prinzessin Victoria bestellt hatten, lieferte UPS am Mittwoch die Kiste mit den sechs Weinen, einer kleinen Anleitung zum Einwählen in den YouTube-Kanal des Weinguts und die Probenliste. Das Probepaket mit sechs Flaschen kostet 79 Euro , wobei für die Live-Weinproben die Versandkosten sehr kundenfreundlich bereits im Preis enthalten sind. Für Singles und Studenten hat der Prinz ein kleines Weinpaket mit drei Flaschen zum Preis von 44 Euro zusammengestellt, doch können bis auf den Riesling Sekt und den Schlosswein „Der Salm“ alle Weine nach dem Öffnen auch noch ein paar Tage im Kühlschrank gelagert werden.

Kurz vor der vereinbarten Zeit tat sich etwas auf dem YouTube-Kanal und nach dem bereits erwähnten Video traten Felix und Victoria in ihrem Weinkontor ins Bild. Nichte Carlotta, die älteste Tochter von Felix älteren Bruders Constantin kümmerte sich darum, dass Onkel und Tante immer gut und scharf zu sehen waren. Das Paar hat sich Gedanken gemacht, wie sie die Weinprobe für alte und neue Kunden so gestalten können, dass auch bei mehrmaliger Teilnahme keine Langeweile aufkommt, indem sie die Weinproben unter ein Motto stellen.

Auch in den kommenden Wochen stehen jeweils am Freitagabend ab 20.30 Uhr Grünschiefer-Weine (24.April), Neuheiten (1. Mai), die Premiere Erster Lagen (8. Mai) und Rotschiefer-Weine (15. Mai) auf dem Programm. Ein Special ist nachmittags um 17 Uhr am Muttertag-Sonntag den 10. Mai geplant. Ein bisschen erinnert es an „Hart aber fair“, wenn Prinzessin Victoria immer wieder mit dem rollenden Barriquefass ins Bild fährt, um Felix die Fragen und Anmerkungen der Teilnehmer der Weinprobe mitzuteilen, die über die sozialen Medien eingetroffen sind. So steht einem direkten Kontakt mit den Weinfreunden nichts im Wege. Besonders interessiert das Prinzenpaar natürlich, welcher Wein den Verkostern am besten schmeckt und natürlich haben auch sie ihre persönlichen Lieblingsweine in der Probe, auch wenn Felix bekennt: „Mein Lieblingswein ist meist der, den ich gerade im Glas habe“. Da werden ihm viele zustimmen können.

Manchmal demonstriert Prinz Felix zu Beginn der Probe auch die Kunst des Sabrierens, bei der die Sektflasche mit einem Säbel fachmännisch geköpft wird. Wer den Sekt nicht sofort trinken möchte, sollte allerdings auf diese Technik verzichten, zudem es meist ohnehin am nötigen Säbel fehlen dürfte.

Der Prinz Salm Riesling Sekt trocken (14 €) , mit dem die Gäste willkommen geheißen werden, ist ein reinrassiger traditionell auf der Flasche vergorener Riesling-Sekt. Der lebendige und frische Sekt hat eine leichte Restsüße von 18 g. Riesling-Sekt produziert das Weingut schon lange Zeit, doch war es anfangs ein Randthema. 1000 bis 2000 Flaschen, die man gut und gerne bei den diversen Familienfesten der fruchtbaren Großfamilie brauchen konnte, um nicht auf Erzeugnisse von Mitbewerbern ausweichen zu müssen. Doch mit der aus dem Haus von Trott zu Solz stammenden Prinzessin Victoria, die 2018 ins Weingut einstieg, kam eine Sektexpertin in die Familie und heute gibt es neben dem aus Spätburgundertrauben gewonnenen Wildgraf Sekt mit 4 g Restzucker auch den Rosé La Principessa (9,5 g Restzucker), die noch trockener als Brut nature bzw. Brut ausgebaut wurden. 24 Monate durchlaufen die Sekte bei den Salms ihre zweite Gärung, bevor sie degorgiert und abgefüllt werden. Wie alle anderen Weine des Weinguts werden sie ausschließlich aus Trauben aus eigenem Anbau hergestellt.

Prinz Felix nennt die Nahe wegen der gebotenen Vielfalt die „Probierstube des deutschen Weins“. Traditionell steht der Riesling hoch im Kurs und dominiert heute mit 74 Prozent auch bei Prinz Salm den Anbau.

Als erster Wein kommt aber kein Riesling, sondern einer der Schlossweine des Weinguts zum Einsatz: „Der Salm“ weiß (8,20 €). Die Cuvée aus Weißburgunder, Grauburgunder und Scheurebe vereint gekonnt die Stärken der einzelnen Rebsorten und ist zum attraktiven Preis ein perfekter, unkomplizierter Weiß-wein für jeden Tag. Von frischer Frucht, dennoch trocken beeindruckt er mit seinem einladend blumig frischen Duft und einem leichten Prickeln. Man riecht Zitrusaromen, frische Birne und frisch gemähtes Gras. Ein idealer Begleiter zum Essen, mit schöner Säure. Felix erklärt sich die Beliebtheit des Weins auch damit, dass er zwar trocken ist, aber schon an der Grenze zum halbtrocken liegt. Saftig, blumig und mit schöner Frucht trinkt man davon gerne mehr als nur ein Glas.

Als zweiter Wein kam der 2018er Weißburgunder (9,80 €) auf den Tisch. Ein blassgelber Wein mit goldenen Leuchten. Angenehm die schöne Zitrusnote mit Apfelaromen. Die Frucht ist saftig mit einem duftenden Hauch Vanille. Ein cremiger Wein, leicht mit feiner Säure, der sicherlich exzellent zum Spargel passt. „Weißburgunder passt eigentlich immer“, sagt Felix und die Familie hat davon stets einige Flaschen im Kühlschrank.

Burgunder gedeiht neben Frankreich auch im Klima Deutschlands vorzüglich. Einige Spätburgunder können bei internationalen Verkostungen gut mit den Stars aus dem namensgebenden Burgund mithalten und inzwischen hat sich Deutschland den zweiten Rang als Burgunderproduzent erworben. In diesem und im nächsten Jahr pflanzt Felix in Bingen auch Chardonnay an.

Der Name des Hauses stammt übrigens vom Lachs, wie man unschwer am Familienwappen, zwei in ihrer Anordnung an den preußischen Doppeladler erinnernde Lachse, erkennen kann. „Wild und rau“ seien seine Vorfahren gewesen, rechte Raubritter, über die man nicht nur Nettes berichtet habe. Die streng gläubige Familie hielt sich an Gottes Segen aus der Genesis „Seid fruchtbar und mehrt euch“. Vier Schwestern und einen älteren Bruder hat Prinz Felix. Prinz Constantin und Vater Michael verwalten nicht nur das Vermögen der Familie, sondern haben sich mit ihrem Unternehmen als unabhängige Asset-Manager und Spezialisten für nachhaltige Aktien einen Namen gemacht.

Bevor Prinz Felix die nächste Flasche Wein öffnet, die übrigens wie alle Flaschen der Probe mit Schraubverschluss ausgestattet ist, entführt uns ein kurzes Video ins Felseneck, der mit 300 Metern höchsten Lage des Weinguts neben dem Schloss. 11 der 18 Hektar Weinberge der Familie liegen an der Nahe. Im Regenschatten des Hunsrücks haben im Tal zwischen Wallhausen und Dalberg gewaltige Erdverschiebungen für eine Vielfalt unterschiedlicher Böden gesorgt. Eine rare Besonderheit ist dabei der Grüne Schiefer, der in dem Gebiet offenliegt, der völlig unterschiedliche Weine hervorbringt als Ton, Löß, Quarzit von Wallhausen und das begehrte Rotliegende. Eine gute Chance, das verschiedene Terroir zu probieren bieten die Verkostungen am 24. April und 15. Mai. Neben dem Felseneck, das bereits vor über 800 Jahren als erster Weinberg der Familie urkundlich erwähnt wurde, ist dort auch der neben dem Renaissance-schloss liegende Johannisberg als Große Lagen des VDP klassifiziert. Die nach Süden ausgerichteten Steillagen haben ein exzellentes Mikroklima. Die mineralischen Böden zählen zu den Filetstücken der Salms. Während im "Felseneck" Grüner Schiefer dominiert, ist es am "Johannisberg" der Rote Schiefer, die – jeder für sich - ideale Voraussetzungen für markante Weine liefert.

Der 2018er Grünschiefer Riesling trocken (14,20 €) hat das Zeug, mein Lieblingswein aus der Probe zu werden. Die Trauben wuchsen auf diesem seltenen grünen Schiefer. Ein klarer, frischer, animierender Wein mit recht komplexen Aromen. Brioche, Apfel sind dabei dominierend, aber auch eine leicht säuerliche Rhabarbernote schwingt mit. Am Gaumen zeigt der tiefgründige Wein eine schöne Mineralität und rassige Säure. Ein toller Begleiter zu leichten Speisen.

Der Prinz und seine Frau leben nicht in Wallhausen, sondern im 25 Kilometer entfernten Bingen, wo die Familie bei der Mündung der Nahe in den Rhein sieben Hektar rheinhessische Weinberge unterhält. Der markante Bergrücken am Rhein ist Heimat zweier der besten Lagen der Region und Deutschlands: der Großen VDP-Lagen Kirchberg und Scharlachberg. Der Boden besteht aus dem auch im Rheingau vorkommenden Quarzit und dem roten Verwitterungsschiefer, der dem Scharlachberg seinen Namen gab.

Auf die Frage aus der Runde zum Thema Klimawandel kann Felix für die Zukunft keine Prognose stellen, doch in den vergangenen 20 Jahren waren die Weinlesen sehr gut. Früher, sagte der 1981 geborene, wären in einem Jahrzehnt immer ein paar gute, aber auch einige schlechte Jahrgänge dabei gewesen. Das sei in den letzten Jahren nicht mehr der Fall. Jedoch hat sich in den Jahren der Lesezeitraum um zwei bis drei Wochen verschoben. Endete die Lese früher meist im November, so konzentriere sie sich heute auf September und Oktober.

Zumindest Victoria bekennt sich zu ihm als ihren Lieblingswein. Leider ausverkauft, doch einige Flaschen findet man vielleicht noch bei anderen Online-Händlern. Felix erzählt, wie er vor Jahren mit einigen Flaschen davon zur ProWein fuhr, um den Wein dort zu präsentieren. Ein Besuch in einem der tollen Sushibars Düsseldorfs machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er passte so perfekt dazu, dass keine der Flaschen den Abend überlebte. Für Felix ist der Grünschiefer-Riesling einer der wichtigsten Weine des Weinguts. Auch der Keller des Weingutes, der ins Rotliegende gegraben wurde, ist aus dem Grünschiefer erbaut, den es in dieser Form nur hier gibt.

Einige Verkoster zeigten angesichts der animierenden Weine Lust bei der Lese selbst Hand anzulegen und sorgten für etwas Verlegenheit des Winzers. Natürlich freut der sich über Kunden, aber denen ist oft nicht klar, dass sich viele der Spitzenlagen in Steilhängen befinden. So ein Tag kann hart sein und Felix hat sicherlich schon bei der lesewilligen riesigen Familie Schwierigkeiten, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn viele überschätzen ihre Leistungsfähigkeit bei Einsätzen in der freien Natur. Mit den fünft Festangestellten und den helfenden Saisonkräften sei man in der Regel gut auf die Lese eingestellt. Doch wer Interesse habe, solle sich ruhig melden.

Ein Jahr älter als die anderen Weine der Probe ist der vierte Wein, der aus dem Kirchberg in Bingen stammt: der 2017er Quarzit Riesling trocken (ca 16 €), den man am besten ein paar Stunden zuvor dekantiert und in einem größeren Glas probiert. Und schon fängt der innere Kampf an. Ist er mein Favorit oder sein Vorgänger vom Grünschiefer? Schwer auszumachen, da halte ich mich doch besser an Prinz Felix und bin glücklich mit dem Wein, den ich gerade im Glas habe. Der Wein ist von heller Farbe und bietet ein überzeugendes Bukett von frischem Obst: Pfirsich, Apfel, Zitrus und Birne und auch etwas Mirabelle, Kräuter und florale Noten. Straff, wunderbar mineralisch, sehr guter Abgang.

Zum Abschluss der Probe kommt nach knapp zweistündiger Verkostung der 2018er Felseneck Riesling Kabinett (15 €) auf den Tisch, eine VDP Große Lage. Ein schöner süffig-spritziger Wein mit angenehmen kräuterigen und Grapefruit-Aromen, bei dem man den grünen Schiefer vom Felseneck herausschmecken kann. Feine Säure und gute Balance. Ein schöner Begleiter auch zum reiferen Käse.

Gegen 22.30 Uhr ist die gelungene Weinprobe dann vorüber, Felix und Victoria präsentieren die sichtlich stolze Nichte Carlotta von der Kamera und mit etwas Musik klingt der Abend aus. Das Urteil der Teilnehmer waren durchweg positiv und einige davon werden sicherlich auch an weiteren Live-Weinproben teilnehmen, denn wie lange wir mit Corona leben müssen, ist noch nicht absehbar.

Informationen zu den Online-Weinproben finden Sie hier:
https://www.prinzsalm.de/wein-kaufen.html


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