Die besten Spirituosen

Whiskey aus dem Spessart

Die kleine Feinbrennerei im Kahlgrund bei Alzenau hat Tradition. Seit 1879 stellen die Vorfahren von Severin Simon in dem Familienunternehmen auf dem Dörsthof schon Obstbrände her. Den einstigen landwirtschaftlichen Mischbetrieb mit Kühen, Schweinen und Hühnern hat er schon vor Jahren aufgegeben und betreibt im ehemaligen Stall seine Destille. Dazu kommt noch etwas Weinbau und der eigene Gasthof.

Nur regionales Obst verwendet er in seinem Betrieb. „Ein begrenzter Rohstoff, bei dem eine Expansion kaum noch möglich war", bekennt Simon. Um dennoch kostendeckend arbeiten zu können, nahm er die Destillation von Whisky, Gin und später Rum hinzu. Mit den Zutaten der ersten beiden - Getreide und Wacholder – gab es keine Probleme bei der Beschaffung, beim Rum misslang der Versuch die Melasse aus Zuckerrohr durch heimischen Zuckerrübensirup auszutauschen. So bleibt ihm nur der Import mit einem Frachtsegelschiff aus der Karibik, um ein geschmacklich einwandfreies und dennoch nachhaltiges Produkt zu erzeugen.

Der Großteil des verwendeten Obsts kommt direkt von eigenen Streuobstwiesen. Was in der Brennerei aussieht wie ein Alchemistenlabor, entpuppt sich rasch als ein State-of-the-Art-Betrieb.

Seiner bayrischen, 46 Prozent starken Version des Wacholdergeistes, die er vor drei Jahren mit dem Bau der neuen Brennanlage als „Next Level“ herausbrachte, hat er auf dem Etikett ein Portrait seines Ururopas Johann Simon mit auf den Weg gegeben, der damit angefangen hatte, das Obst in flüssiger Form zu bewahren. „Nicht beliebig“ sollte er sein und unverwechselbar mit seiner Handschrift. Neben Wachholder hat er Koriander und Kardamom zugefügt und frische Zitruskomponenten.

Wie einige andere kleine Manufakturen, die sich in den letzten Jahren aufgemacht haben, den Markt der hochwertigen Spirituosen neu aufzumischen, kommen seine Erzeugnisse bei den internationalen Wettbewerben gut an. Geholfen hat dabei sicherlich auch die neue Lust an der Mixology, wo neue Cocktail-Kreationen ihre persönliche Note durch die Auswahl nicht ubiquitär dargebotener Spezialitäten erhalten, die auch Klassikern völlig neue Impulse zu geben vermögen.

Beim Whiskey lässt er durch den „swan neck“ seiner Brennblase spannende Geister aufsteigen. Inzwischen reifen in seinen Fässern die ersten Single Malt Whiskeys. Dabei legt er wieder viel Wert aufs Regionale, hat unterschiedliche Fässer aus regionalen Hölzern herstellen lassen und prüft diese auf Tauglichkeit für die Nachreifung. Interessenten können zu einer der lokalen Verköstigungen kommen und sich die kleine Whiskeymanufaktur mit all Ihren Details vor Ort zeigen lassen.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017