Unsere Weintipps

Wenn das Gute liegt so Nahe - Weingut Tesch

Martin Tesch im Keller

(c) Weingut Tesch

Besuch an der Nahe

Tesch im Weinberg

(c) Weingut Tesch

Wir haben schon in der Vergangenheit immer wieder gerne die malerischen Hügel der Weinregion Nahe besucht, in denen das Weingut Tesch sein Zuhause hat und sich dort die Familie seit 12 Generationen mit Hingabe und Qualität um den Wein kümmert. Nachdem sich das Weingut in den letzten Jahrzehnten immer stärker einen Namen machte, indem es die traditionelle Kunst der Weinbereitung mit der Innovation unserer Zeit verband.

Es ist immer wieder schön, sich an die Gründungstage des Weinguts zu erinnern, als in der Musik Johann Sebastian Bach gerade seine Stelle als Leipziger Thomaskantor angetreten hatte. Winzer waren damals eher Bauern als gebildete Intellektuelle, als die sie einem in unseren Tagen immer wieder begegnen. Nur wenigen von ihnen gelang es damals sich mit ihren Weinen auch überregional einen Namen zu machen. Die meisten bauten ein breites Spektrum an Weinen an, oft nicht wirklich strikt im Weinberg voneinander getrennt. Von einer optimalen Nutzung des Terroirs konnte noch keine Rede sein. Ich erinnere mich an meine Jugend, als ich bei Reisen in die Weinregionen die Weinkeller besuchte und auch kleine Winzer meist einen breiten Strauß an verschiedenen Rebsorten, Jahrgängen und Qualitätsstufen vorrätig hatten, ungeachtet der Tatsache, dass sie sich dadurch nicht auf erstklassige Qualität bei den für die Region und den Boden optimalen Rebsorten konzentrieren konnten. Auch heute noch scheuen viele Winzer davor zurück, Rebsorten aus dem Portfolio zu werfen, um keine alten Kunden zu verlieren. Das war auch im Hause Tesch nicht andere, bevor vor Jahren Sohn Martin es quasi aus dem Schneewittchenschlaf wachküsste. Eigentlich konnte man nicht davon ausgehen, dass er das Weingut einmal übernehmen würde, denn nach dem Abitur studierte er nicht Weinbau, sondern promovierte als Biologe und reiste gerne mit Ryanair nach London. Obwohl Großbritannien nicht gerade als Weinparadies gilt, sammelte er dort jede Menge Knowhow, denn Englands Weinexperten gehörten schon seit Jahrhunderten zu den erfahrensten der Welt. Martin Tesch nutzte dieses gewonnen Wissen, um das elterliche Weingut zu übernehmen und es so aufzustellen, dass es schnell internationale Anerkennung genoss. Weine von höchster Qualität sollen dabei das Terroir der Weinberge widerspiegeln. Das geht nicht, wenn man dort einen bunten Gemüsegarten unterschiedlichster Rebsorten anbaut. So nutzte er die traditionellen Ansätze überdacht dort, wo es Sinn machte und ergänzte sie peu a peu durch innovative neue Techniken.

Wie ich schon eingangs schrieb bin ich ein Fan das Nahetals, denn es liefert einige Schlüsselfaktoren für Qualität beim Rebbau: vielfältige Böden, kühles Klima und optimale Sonneneinstrahlung. Gelesen werden die Trauben bei Tesch von Hand. Viel Arbeit bei den rund 20 Hektar Rebbergen. Im Keller reduziert er die Eingriffe auf ein Minimum, um die natürlichen Aromen beizubehalten.

Das Angebot aus den Zeiten seines Vaters wurde ausgedünnt, aber dadurch hat Tesch jetzt ganz andere Möglichkeiten sich auf ein Optimum zu konzentrieren und auch Mengen zu produzieren, die es ihm ermöglichen, nicht nur Weinfachhändler, sondern auch den auf Qualität achtenden Lebensmittelhandel zu bedienen. Dennoch blieb im Angebot eine Auswahl bestehen, die die Vielfalt der Region widerspiegelt. Knackige Rieslinge stehen neben kraftvollen Spätburgundern. Bekannt wurde das Tesch durch seine "Unplugged" Weine, bei denen er vollständig auf Schwefel verzichtet und eine authentische Essenz der Trauben liefert. So entdeckte auch ich erstmals die Weine des Weinguts - beim Besuch im Supermarkt. Während die großen Winzer der Neuen Welt schon seit Jahrzehnten erfolgreich auf Drehverschluss setzten, tat man sich in Deutschland damit schwer. Erst seit Anfang des neuen Jahrtausends kommen immer mehr Sommeliers dahinter, dass es nicht der Verschluss ist, der ihre Bedeutung bestimmt. Tesch setzte den Drehverschluss schon früh ein, obwohl er dadurch anfangs jeden fünften Kunden verlor. Im Laufe der Jahre habe ich weitere Weine aus dem Hause Tesch verkosten dürfen und war immer wieder begeistert. Angetan hat es mir als einen so weit wie möglich nachhaltig lebenden Menschen, dass auch Tesch durch schonenden Einsatz von Ressourcen und umweltfreundlichen Anbau Rücksicht auf Nachhaltigkeit und die Umwelt nimmt, denn sie ist wichtig, um die Natur und die wundervolle Weinbauregion lange zu erhalten. Das Weingut Tesch ist eine wahre Perle in der deutschen Weinlandschaft, das sich mit einer geschickten Verknüpfung von Tradition und Innovation aus der Masse seiner Nachbarn hervorhebt. Wie bei fast allen Topwinzern an der Nahe steht dem Riesling die Führungsposition zu. „Unser Fenster zur Natur“ sagt Tesch, der jeden Quadratmeter seiner Weinberge genau kennt und weiß genau, wodurch sich die Lagen unterscheiden. Riesling ist für ihn die ideale Rebsorte, da sie wie keine andere die Unterschiede des Bodens perfekt im Wein abbilden kann.

Martin Tesch im Weinberg

(c) Weingut Tesch

Spannende Weine

Königsschild

(c) Weingut Tesch

Auch in diesem Jahr haben wir wieder einige der wichtigsten Rieslinge des Weinguts verkostet. Alle mit Drehverschluss, der den Wein bei guter Einstellung der Abfüllanlage perfekt vor Oxydation schützt und eine zuverlässige Reifung des Weines ermöglicht. „Für Riesling ist das perfekt“, sagt Tesch. Mit unterschiedlichen Flaschengrößen vom Piccolo zur Magnum wurde Tesch in Langenlonsheim so zu einem der innovativsten Weingüter Deutschlands.

Tesch baut seinen Riesling in sechs Lagen einzeln aus. von Rothenberg bis zum St. Remigiusberg, die er einzeln ausbaut und die man sich in einer schönen Riesling-Box für 123 Euro zuschicken lassen kann. Beim limitierten Best-of hat Tesch für 199 Euro 12 ausgewählte Flaschen der Jahrgänge 2016 bis 2021 zusammengestellt. Wir haben und auf die 23er Ausgaben von Karthäuser, Königsschild und St. Remigiusberg beschränkt.

Wie schon in den Vorjahren sind auch die Weine des Jahrgangs 2023 frisch, trocken und markant. Hatten sie im vergangenen Jahr einen geringeren Alkoholgehalt als üblich, liegen sie 2023 bis zu 1.5 Prozentpunkte höher. Das Weingut musste sich 2023 immer wieder an stark wechselnde Wetterbedingungen anpassen, was man dem neuen Jahrgang anmerkt. Der Start ins Jahr war mit kühlem und feuchtem Wetter besonders im Mai entspannt und wurde besonders von den jungen Rebstöcken sehr geschätzt, die unter dem extrem trockenen Vorjahr gelitten hatten. Die jungen Weinberge mit einem noch nicht sehr verzweigten Wurzelsystem profitierten vom Regen. Der Austrieb der Reben erfolgte relativ spät und führte zu einer normalen Rebentwicklung. Als es dann im Sommer mehrere Wochen lang sehr heiß und trocken wurde sorgte das reichliche Wasser des Frühjahrs bei der Rebblüte Ende Juni für optimale Bedingungen. Eigentlich hatte man damals mit einer „normalen“ Ernte im Oktober gerechnet. Doch dann war es auch im September noch immer sehr warm und gleichzeitig feucht, was die Trauben sehr viel schneller reifen ließ und das Weingut durch eine vorgezogene Lese an die Grenzen der Leistungsfähigkeit brachte. Doch es gelang die vollreifen Trauben in Rekordzeit einzubringen. Die Weine sind durch den starken Wetterwechsel beeindruckend komplex mit exotischeren Fruchtaromen, was die Weine des Jahrgangs 2023 zu einem der vielschichtigsten Riesling-Jahrgänge des letzten Jahrzehnts machen. Auch die Verkoster um Peter Parker und James Suckling schließen sich dem an und bewerten die verkosteten Weine zwei bis 3 Punkte höher als 2022, wobei der Karthäuser und der St. Remigiusberg mit jeweils 95 Punkten bei Parker und 97 Punkten bei Suckling wahre Spitzenwerte erreichen und damit zwischen hervorragend und außerordentlich bewertet werden.

Der Weinberg des Langenlonsheimer Königschilds ist ein von Muschelkalk durchsetzter lockerer Lösslehm, der es durch seine lockere Struktur den alten Wurzeln ermöglicht dem tief absickernden Wasser zu folgen und sich bis zu 15 Meter Tiefe zu graben.

Der junge Riesling wirkt sehr verspielt und floral, aber am Gaumen geben sich die Weine weich und elegant. Der Name dürfte auf die einstigen Besitzverhältnisse zur Ingelheimer Kurpfalz zurückgehen, wo Kaiser Karl der Große gerne seine Winter verbrachte. Der fein-mineralische und knochentrockene Wein passt durch seine Eleganz und die schönen Zitrusnote gut zu Fischgerichten und Meeresfrüchten. Seine 13 % Alkohol merkt man dem stimulierenden Wein nicht an und es dürfte Teschs bisher bester Wein des Weinbergs sein.

Der Laubenheimer Karthäuser ist als herausragende Weinlage oberhalb von Laubenheim in einem nach Südwesten offenen Talkessel. Die Szenerie erinnert an ein Amphitheater und ermöglicht es der Sonner ihre Wärme gut an den verwitterten roten Sandsteinboden abzugeben, der ihn speichert. Das sorgt für einen Reifevorsprung und die ruhigen, kraftvoll würzigen Rieslinge zeigen eine schöne Frucht und eine straffe Struktur bei dezenter Säure. Einst bewirtschaften die schweigsamen Karthäuser-Mönche den Weinberg und gaben ihm seinen Namen. Der Wein zeigt hervorragende Frische, ist intensiv und von schöner samtiger Aromatik mit gut ausbalancierten reifen Fruchtaromen bei nur 3 bis 4 Prozent Restzucker ist auch er knochentrocken.

Wie schon 2022 ist auch der benachbarte Laubenheimer St. Remigiusberg 2023 ein Wein voller Tiefgang, Komplexität und Eleganz, der auf Vulkanverwitterungsgestein wächst. Es ist einer der kleinsten Einzellagen der Nahe. Verwittertes Vulkangestein und von Eisenerz durchzogener Lehm prägen den Boden. Hoch ist der Ertrag nicht, weshalb er auch preislich 10 Prozent teurer ist, als seine Brüder. Doch der exzellente Extrakt rechtfertigt die geringe Menge. Die üppige Frucht verändert sich im Verlauf der Reifung und erinnert dann an Mandarinen erinnert. Auch hier ist der 2023er Jahrgang 1 Volumenprozent kräftiger als im Vorjahr. Dicht, elegant von der Struktur und mit Aromen von reifer Aprikose ist er einer der spannendsten Weine des Weinguts. Es ist nicht nur nach Auffassung von Parker "der reinste, leichteste, hellste und blumigste Wein des Jahrgangs und vielleicht auch der tiefste. Filigran und fein-saftig am Gaumen, ... ein straffer, reiner, trockener und leicht herber Riesling, der einen intensiven und saftigen Kern und die Konzentration hat, die ihn zu einem Langstreckenläufer macht." Den können wir uns anschließen. Seinen Namen verdankt er den dort aktiven Benediktinern und ihren heiliggesprochenen Fürstabt.

Wenn Sie die Region besuchen und Weine mit Charakter suchen sollten sie einmal bei Tesch vorbeischauen, die Weine verkosten und die ein oder andere Flasche mit nach Hause nehmen.

(c) Michael Ritter

(c) Connaisseur & Gourmet 2026