Unsere Weintipps

Darf man Wein weiterhin trinken?

Rotwein

Schon beim Verkosten von Wein gelangt – wie auch bei anderen alkoholhaltigen Getränken - Alkohol über die Mundschleimhaut ins Blut. Wenn wir ihn trinken, geht‘s dann weiter in den Magen, wo ebenfalls ein Teil aufgenommen wird. Die stärkste Aufnahme von Alkohol erfolgt aber im Dünndarm, dessen Schleimhäute ihn ins Blut geleiten, wo er durch den ganzen Körper wandert und nach einer halben bis ganzen Stunde die höchste Konzentration im Blut erreicht. Danach baut sich der Alkohol langsam wieder ab – wenn wir nicht weiter trinken oder verkosten.

Welche Gefahren gehen wir damit ein? Ein gefährlicher Rausch entsteht letztendlich im Gehirn, wo der Alkohol übers Blut schon nach wenige Minuten ankommt – und dort diverse Prozesse beeinflusst: Er bringt das Gleichgewicht von Botenstoffen durcheinander, die Reize weiterleiten sollen und letztlich diese Reize hemmt. Er wirkt dämpfend auf Prozesse im Gehirn. Durch seine Förderung der Ausschüttung gewisser Hormone macht er dabei auch entspannter, ausgelassener und redseliger.

Zwar kann unser Körper einen Teil abatmen, ausschwitzen, über den Urin ausscheiden oder durch die Schleimhäute abbauen, doch die meiste Arbeit hat die Leber, die tagtäglich 350 bis 500 Mal unser Blut vollständig filtert. Der Rausch kann Nervenzellen töten. Oft setzt die Sprache, Motorik und das Denkvermögen durch mangelhafte Kommunikation zwischen den Nervenzellen aus. Erst wenn der Rausch verklungen ist, kann das Gehirn wieder voll arbeiten. Ein Rausch ist also noch kein Todesurteil für das Gehirn. Doch wenn es auf Dauer geschieht, wirkt der Alkohol als Zellgift, das auch die Nervenzellen angreift. Junge Menschen sind dabei gefährdeter als Ältere, denn ihr Gehirn steckt bis etwa zum 20. Lebensjahr noch in der Entwicklung. So kann Alkohol bei Jugendlichen bestimmte Gehirnbereiche dauerhaft beeinträchtigen.

Doch nicht nur der Alkohol birgt dauerhafte Gefahren für die Gesundheit. Erst kürzlich hat die größte österreichische Umweltorganisation Global 2000 die Belastung von Wein mit der Ewigkeitschemikalie TFA (Trifluoracetat) anhand von zehn alten Weinen der Jahrgänge 1974–2015 und 39 Weinen der Jahrgänge 2021–2025 aus zehn EU-Ländern unter die Lupe genommen. Die jüngeren Weine untersuchte man auch auf Pestizidrückstände

Die Ergebnisse sind erschreckend und offenbaren ein Jahrzehnte lang unbeachtetes und rasant wachsendes Umweltproblem: die Anreicherung mit TFA, einem Abbauprodukt von F-Gasen aus der Kältetechnik und PFAS Pestizide aus der Landwirtschaft. Was lange als toxikologisch unbedenklich galt, erregt inzwischen die Sorge der Wissenschaftler und Mediziner: TFA könne die Fortpflanzung schädigen und Krebs verursachen, da die Ewigkeits-Chemikalie nicht mehr abgebaut wird und sich nicht nur in Wasser, Böden und Pflanzen anreichert, sondern auch im Blut. Flüsse, Seen, Grund- und Leitungswasser sowie Regen sind schon kontaminier, doich die neue Studie zeigt erstmals, dass auch landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Wein betroffen sind.

PFAS-Pestizide werden lokal auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt, die nur 3 % der Erdoberfläche ausmachen. Diese setzen aber 100 % der TFA-Emissionen frei. Diese sind dann im Grundwasser nachweisbar - mit Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung.

Der Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden von Global 2000 betrachtet die überraschenden Ergebnisse als einen „Weckruf, der lauter nicht sein könnte“. Verwundert hatte die Experten vor allem die extrem hohe Konzentration von TFA in vielen Weinen, die bis 1000-fach höher ausfiel als in Regen und Gewässern. Auch der Gang durch die Jahrgänge der Weine zeigte eine deutlich zunehmende Belastung im Verlauf der Zeitachse. Waren Weine vor 1988 noch frei von TFA, steigt die Konzentration danach immer schneller an. Besonders die jüngsten Weinen zeigten sehr hohe TFA-Konzentrationen, die zu irreversiblen Schaden führen dürften, befürchtet auch Burtscher-Schaden.

Laut einer deutschen Studie ist Biowein im geringeren Ausmaß betroffen, da deren Anbauflächen seit Jahrzehnten frei von chemischen Einträgen sind. Beunruhigend ist auch, dass in allen 39 getesteten Weinen Rückstände von bis zu acht Pestiziden gefunden wurden und Pestizidmetaboliten in 94 % der konventionell erzeugten Weine. Von den Insgesamt 18 nachweisbaren Pestiziden waren zwei PFAS-Fungizide, Fluopyram und Fluopicolid. In 80 Prozent der untersuchten Bioweine fanden die Forscher keine nachweisbaren Rückstände von Pestiziden - doch auch sie enthielten alle TFA.

Vertreter des Österreichischen Weinbauverbands zweifeln wegen der geringen Zahl an gezogenen Proben an der Aussagekraft der Studie und Extremwerte für statistische Ausreißer und beklagen, dass sie dafür an den Pranger gestellt werden, da es für TFA ihres Wissens keine problematische toxikologische Beurteilung der zuständigen europäischen Behörde (EFSA), gäbe. Doch auch deutsche Weine sind betroffen. Bei Rheinhessen Riesling des Jahrgangs 2024 aus Rheinhessen lag der Messwert bei 110 Mikrogramm pro Liter. Das ist rund 30mal so hoch wie die Belastung auf Gewässern. Auch dort fanden sich Mengen von Pestiziden. Die Werte waren seit 2010 stark angestiegen.

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