Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

Wandern rund um die Zugspitze

Wandern um die Zugspitze

(c) Nilgün Burgucu

Wandern ist gesund und einige Wanderungen kann man auch in den Alpen zu einer Rundroute zusammenlegen, die zwar etwas Kondition verlangt, aber von den Steigungen und den Weganforderungen auch für Flachlandtiroler gut zu bewältigen ist. Wir hatten dabei für Deutschlands mit 2.962 Metern höchsten Berg entschieden: die Zugspitze, vor den Toren Garmisch-Partenkirchens.

Sie gehört zu den bekanntesten Bergzielen in den Alpen und kann sehr einfach per Seilbahn erklommen werden. Während einer Wanderwoche umrunden wir die Zugspitze, lernen Sie dabei aus allen Ansichten kennen und steuern nebenbei wunderbare Wanderziele an.

Abenteuerlich und sensationell sind die Durchquerungen der Klammen, die mit Ihren Wassermassen und Höhen sehr beeindruckend sind. Die Romantik der Almlandschaften fordert Geduld und Zeit für eine typisch bayerische Brotzeit. Wegen des Nachtquartiers gibt es keine Probleme, denn auf beiden Seiten des Wettersteingebirges liegen schöne Ortschaften, die für ruhige Übernachtungen besonders geeignet sind. Also „auf geht’s“.

Start und Angebot

Unsere Wanderführerin Christina

(c) Nilgün Burgucu

Garmisch-Partenkirchen hat Anfang des vergangenen Jahrhunderts Künstler wie Richard Strauss, Erich Kästner und Lionel Feuchtwanger angezogen und ist ein guter Ausgangsort für die rund einwöchige Wanderung rund um den Gebirgsstock. Beim kleinen österreichischen Anbieter Eurohike kann man sich dabei entscheiden, ob man individuell oder mit einer geführten Gruppe wandern will. Die Anreise kann im ersten Fall zwischen 14. Juni und 15. September immer von Freitag bis Sonntag erfolgen. Zum Grundpreis von 495 Euro, der sechs Übernachtungen in 3-Sterne-Gasthäusern, den Gepäcktransfer zur jeweils nächsten Herberge, die geplanten Seilbahnfahrten und Transfers beinhaltet, kommen noch Zuschläge für Einzelzimmer und Halbpension hinzu. Die Termine für die Gruppenwanderungen sind im Juli und August und kosten rund 200 Euro zusätzlich.

Dabei sind die Touren so angelegt, dass sie meist auch bei Regenwetter begangen werden können oder die jeweils nächste Station gegebenenfalls auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann. Ein bebildertes Routenbuch mit Kartenmaterial erleichtert an kritischen Punkten die Wahl des richtigen Wegs.

Wir haben uns für eine geführte Wanderung im kleinen Kreis entschieden. Schon am ersten Abend kommt Christina zu uns ins Hotel, stellt sich vor und schildert uns beim Abendessen die geplante Route. Die Konditionen sind durchaus unterschiedlich. Einige Teilnehmer haben schon reichlich Bergerfahrung, andere, wie ich, sind eher Genusswanderer, die nicht permanent in den Bergen unterwegs sind. Da gilt es einen vernünftigen Ausgleich zu finden, damit jeder von der gemeinsamen Tour profitiert.

Auf Schusters Rappen nach Mittenwald

Lüftlmalerie Mittenwald

(c) Nilgün Burgucu

Wildromantisch startet der erste Wandertag durch die Partnachklamm, wo sich die Wassermassen des Wettersteingebirges treffen. Anschließend geht’s hochin Kehren hoch zum Eckbauer. Der Berggasthof bietet sich für eine erste Rast an, denn von der Terrasse hat man einen wundervollen Ausblick auf Alpspitze und Zugspitze. Die ersten sind schon einige Zeit da, als die Nachzügler endlich eintrudeln. Anschließend führt der Weg über sanfte Hügel und Almwiesen vorbei zu einem Wegkreuz mit wunderbaren Panorama zur Elmauer Alm, einer Hütte des auf der Hochebene gelegenen Luxushotels Schloss Elmau, in der man gut einkehren kann. Das tun wir auch, denn gerade am ersten Tag wollen wir es eigentlich etwas gemütlicher angehen lassen. Das ist nicht immer im Sinne Christinas, aber die Gruppe entscheidet. Generell sollte man allerdings die Wanderung nie ohne Verpflegung beginnen.

Die meisten Gasthäuser haben sich auf Wanderer eingerichtet und bereiten zur Mitnahme am Morgen eine Wanderjause vor. Von der Elmauer Alm geht es dann weiter nach Klais. Auf der rund fünfstündigen Wanderung haben wir rund 750 Höhenmeter erklommen und können jetzt mit der Bahn in wenigen Minuten ins Künstlerdorf Mittenwald fahren.

Im Mittelalter lebte der Ort von seinem namensgebenden Holzreichtum, der vielen Flößern, die das Holz von hier die Isar abwärts nach München brachten, Arbeit gab. Mit rund 5400 Gästebetten lebt der kleine Ort heute vom Tourismus, ist aber auch eines der deutsche Zentren des traditionsreichen Streich- und Zupfinstrumentenbaus. Im Geigenbaumuseum kann man sich selbst einen Eindruck davon verschaffen. Zauberhaft auch die Lüftlmalerei an den Fassaden der Häuser. Die Hotels hat der Veranstalter gut ausgewählt. Meist liegen die Gasthäuser gut erreichbar im Zentrum, so dass man auch noch etwas am Abend unternehmen kann.

Durch die Leutaschklamm nach Österreich

Leutaschklamm

(c) Nilgün Burgucu

Der nächste Wandertag wird angenehmer, denn heute sind in rund vier Stunden nur rund 200 Höhenmeter zu bewältigen. Auch hier beginnt die Wanderung nach rund zwei Kilometern, die wir benötigen, um aus dem Ort herauszukommen, mit einer Klamm: der Leutaschklamm. Viele ältere Wanderer kennen sie noch nicht, denn das auch Geisterklamm genannte Tal der Leutascher Ache fließt durch das deutsch-österreichische Grenzgebiet, ist vergleichsweise steil und wurde erst 2006 touristisch mittels EU-Geldern erschlossen. Stahlsteige und Brücken führen auf knapp einen Kilometer talauf.

Mit insgesamt 1650 Metern Länge ist sie die längste erschlossene Klamm der östlichen Kalkalpen. Die Wege wurden mit größter Präzision direkt in den Fels geschlagen und kühne Stege verlaufen bis zu 40 Meter über dem Wasser. Anschließend geht es ganz entspannt entlang der Leutascher Ache ins Tal hinein. Vorbei an kleinen Ortschaften und Blumenwiesen umrahmt vom Wettersteingebirge kommt man durch das immer breiter werdende Leutaschtal in den gelichnamigen Ort. Einkehren kann man auf dem Weg im Leutascher Klammstübl oder im Gasthof Mühle.

Ausflug ins mondäne Seefeld

Wanderweg im Tal

(c) Nilgün Burgucu

Leutasch ist der Treffpunkt für jeden, der unberührte Natur genießen und echtes Tiroler Brauchtum und ursprüngliche dörfliche Kultur erleben will. Hier wird jetzt Rast eingelegt für zwei Nächte, wobei man den freien Tag zum Ausruhen oder einer gemütlichen knapp 9 Kilometer-Wanderung über 300 Höhenmeter ins benachbarte Seefeld mit seinen Seen verbringen kann. Während einige Teilnehmer den Tag zum Faulenzen oder zu einem Besuch mit der Seilbahn auf einen der umliegenden Gipfel nutzen, mache ich mich auf den Weg nach Seefeld.

Unterwegs lädt die gemütliche Wildmoosalm zur Einkehr ein. Seefeld ist anders als Leutasch ein internationaler Publikumsmagnet. Mit gut einer Million Gästenächten ist der Ort besonders im Winter einer der bestbesuchten Tourismusort Österreichs. Mehrfach sind hier große olympische Wettbewerbe ausgetragen worden. Gut zum Shoppen! Schade, leider habe ich nur das kleine Portemonnaie dabei.

Auf Ganghofers Pfaden nach Ehrwald

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Ehrwald. Um das uninteressanteste Wegstück zu vermeiden, nehmen wir zuerst einen Transfer ins Gaistal, von dem es knapp 14 Kilometer über 500 Höhenmeter bergauf zur Ehrwalder Alm geht. Der Ganghoferweg erinnert an den 1855 geborenen Literaten Ludwig Ganghofer, dem zu seiner Zeit meistgelesenen und meistverfilmten deutschsprachigen Schriftsteller, der fast 20 Jahre seines Lebens in seinem Jagdhaus "Hubertus" im Gaistal verbrachte und dort viele seiner Werke, darunter "Das Schweigen im Walde" verfasste. Das Jagdhaus wurde bald zu einem beliebten Treffpunkt der Künstlerprominenz um 1900. Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss, der weltberühmte Sänger Leo Slezak, mitunter das ganze Wiener Burgtheaterensemble waren hier zu Gast. Zu seinen Freunden zählten auch Johannes Brahms, Johann Strauß Sohn, Rainer Maria Rilke, Gerhard Hauptmann, Thomas Mann und - Kaiser Wilhelm II. Es war eine Ehre von Ludwig Ganghofer ins Gaistal bei Leutasch eingeladen zu werden und es wurde dort so manches rauschende Fest gefeiert. Leider ist das Ganghoferhaus öffentlich nicht zugänglich. Trotzdem stellen der Ganghoferweg und die dabei erreichbaren Almen im Gaistal ein beliebtes Ausflugsziel dar. Der Almsommer im Gaistal ist vor allem für die Haflinger, das Braun- und Grauvieh und die schottischen Galloway Rinder ein Traum.

Der Weg führt hinein zu den Almlandschaften und hinauf zum Übergang zur Ehrwalder Alm. Eine Kulisse, wie für einen Heimatfilm bestellt. In der Gaisalm, der Tillfusalm oder am Ende an der Ehrwalder Alm kann man einkehren und das herrliche Alpenpanorama genießen. Das Wetter ist großartig und immer wieder tun sich herrliche Ausblicke auf die Zugspitze und die Gipfel Österreichs auf. Von der Alm geht es dann mit der Seilbahn hinab ins Tal und weiter zu Fuß nach Ehrwald.

Wer zu den frühen Wanderern gehört, kann am Wochenende um die Sommersonnenwende, den Johannistag am 21. Juni die imposante Bergkulisse rund um den Talkessel im Rahmen der traditionellen Sonnwendfeuer erleben. Durch Auslegen von großen Figuren aus tausenden Brandsätzen ist dies ein spektakuläres Erlebnis, das in seiner Art einzigartig ist. Die Figuren reichen von der christlichen Symbolik, Motiven aus der Pflanzen- und Tierwelt bis hin zur Darstellung von komplexen Bildern. Durch das zusätzliche Auslegen von Feuerketten entlang der Bergkämme wird die gesamte Dynamik weiter gesteigert. Seit 2010 gehört das Bergfeuer Ehrwald zum Immateriellen Welterbe der UNESCO. Von Ehrwald fährt auch die Tiroler Zugspitzbahn hinauf auf den Gipfel des Berges, der jetzt direkt über uns liegt.

Zurück nach Garmisch über den Eibsee

Eibsee von oben

(c) Nilgün Burgucu

Am nächsten Morgen geht es entlang der Zugspitze zurück nach Garmisch-Partenkirchen. Dabei wandern wir 12 Kilometer bis zum romantischen Eibsee. Nach rund acht Kilometern passiert man erneut die Staatsgrenze und ist zurück in Bayern. Wer noch Zeit hat bis zur Abfahrt der Bahn nach Garmisch, kann am Eibsee einkehren.

Zeit uns von Christina zu verabschieden, die schon wieder die nächste Wandertour übernehmen muss. Wir spannen noch etwas aus, nehmen dann die Zugspitzbahn hinunter in die Stadt in unser Hotel am Bahnhof, dass wir noch von der Anreise kennen.

Ausflug zum Gipfel

Wettersteingebirge

(c) Nilgün Burgucu

Belohnen kann man sich nach der Rückkehr von der Wanderwoche noch mit einem Ausflug auf den Gipfel. Direkt von Garmisch-Partenkirche geht es mit der Zugspitzbahn, die wir vom Vortag kennen, in rund einer Stunde hinauf auf die Spitze.

Wo früher nur das Schneefernerhaus war, das ab 1930 als Bahnhof der Bayerischen Zugspitzbahn und später auch als Hotel diente, ist inzwischen ein buntes Vielerlei an Aktivitäten mit einer eigenen Erlebniswelt verfügbar.

Pläne für eine technische Erschließung der Zugspitze gab es schon im 19. Jahrhundert. Die zusätzliche Seilbahn wurde zu einer Großkabinenbahn ausgebaut . Vom Bahnhof führt die Zugspitz-Gletscherbahn auf den Gipfel. Bei Wanderungen im Gipfelbereich kann man eine einzigartige Flora und Fauna beobachten oder sich einfach nur die Sonne auf der herrlichen Panoramaterrasse auf den Pelz scheinen lassen. Mit der Kabinenbahn kann man dann sehr schnell zurückkehren zum Eibsee und von dort wieder nach Garmisch fahren und die Heimreise antreten.

(c) Nilgün Burgucu

Bilder Zugspitzwanderung

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