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Trotz Trump & Co einen Besuch wert

Calgary Stampede

Calgary Stampede

(c) Michael Ritter

Ab dem 7. Juli 2017 herrscht in Calgary für zehn Tage der Ausnahmezustand in Albertas bevölkerungsreichster Stadt. Der Grund ist einfach. Die stark frequentierte Calgary Stampede. Die Rückkehr des Mythos "Wilder Westen" ist populär und Calgary wird dann wieder zum Schauplatz der „Greatest Outdoor Show on Earth“. Eine ideale Celebration der Cowtown-Vergangenheit der Calgarians.

Während des Western-Spektakels sollte man sich nicht ohne Cowboy-Hut und Stiefel aus dem Hotel wagen. Die als Wohlfahrtsorganisation organisierte Non-Profit-Veranstalter haben sich einiges einfallen lassen: Das Spektakel beginnt mit der großen Parade, die in zwei Stunden durch die Innenstadt führt. Angeführt von der Calgary Stampede Showband ziehen Bands, Reiter und bunt geschmückte Wagen durch die Straßen.

Doch das wahre Spektakel steigt auf dem Stampede-Gelände am Rande der Stadt, wo jeden Tag Rodeos, Planwagen-Rennen, Bullenreiten und weitere Cowboy-Events stattfinden. Der Eintritt zum Gelände kostet 18 Dollar. Lassen Sie sich ruhig mitreißen! Visuelle Reize im Überfluss, die Rufe der Cowboys und der Geruch der Pferde und Rinder sorgen für ein aufregendes Erlebnis und spektakuläre Erinnerungen. Wenn dann der Boden bebt und die Hufe donnern läßt sich der Stadionsprecher mitreißen und überschlägt sich fast stimmlich, wenn er über die Ereignisse berichtet. Da ist es schwer, sich nicht begeistern zu lassen.

Großes Finale jeden Tages ist die große Grandstand Show mit Comedy, Showeinlagen und einem riesigem Feuerwerk zum Abschluss, für die der Eintrtt zwischen 50 und 120 Dollar kostet. Doch damit ist moch lange nicht Schluss, denn nur wenige Meter weiter findet Kanadas größtes Musikfestival mit über 300 Künstlern auf fünf Bühnen statt. Darunter Musikgrößen aus aller Welt.

Nebenbei findet sich auf dem Festivalgelände auch ein Bereich mit Karussells, Schießbuden, Achterbahnen und vielen anderen Events. Das Indian Village mit seinen 26 Tipis stellt die Geschichte der First Nations heraus und man kann die Kultur der Ureinwohner hautnah bei Tänzen, Spielen, Tipi-Aufbau und traditionellem Kochen erleben. Einen guten Eindruck von den Ausmaßen des Mega-Events bekommt man auch, wenn man mit der Seilbahn über den Stampede-Park fährt.

Doch auch Kulinarisch gibt es einiges zu erleben. Inoffiziell gilt die Calgary Stampede als Albertas größte "Food Party", wenn an unzähligen Ständen internationale und lokale Spezialitäten angeboten werden. Beim Einkaufsbummel im Stampede Store und auf dem Stampede Market lassen sich schöne Western-Souvenirs und -Mitbringsel finden

Die Besucher werden immer wieder mit spontanen Geburtstagsfeiern überrascht. Und morgens wird an jeder Straßenecke ein kostenloses Pancake-Frühstück serviert. Ganz Mutige können auch Prairie Oysters probieren. Doch Achtung: mit Austern haben diese Büffelhoden außer dem Namen wenig gemeinsam.

Bild Chuckwagon

Chuckwagon races at Calgary Stampede.jpg
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Die erste Calgary Stampede wurde vom amerikanischen Rodeo-Cowboy Guy Weadick im Jahr 1912 organisiert. 40.000 Zuschauer besuchten die Veranstaltung, was ein großer Erfolg war, denn Calgary zählte damals nur 60.000 Einwohner. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Rodeo ausgesetzt, aber 1923 wieder aufgenommen und mit der großen jährlichen Landwirtschaftsausstellung zur Calgary Exhibition and Stampede zusammengelegt.

Heute ist die Calgary Stampede ist die größte Outdoor-Show der Welt. Als eines der mit 2 Millionen Dollar höchstdotierten Rodeos überhaupt lockt die Veranstaltung jedes Jahr weit mehr als eine Million Zuschauer aus aller Welt an. Auch die atemberaubenden Planwagen-Rennen mit einem Preisgeld von 1,15 Millionen Dollar ist für Cowboys aus aller Welt interessant. Zum 100. Jubiläum 2012 kamen sogar mehr als 1,4 Millionen Gäste. Die kühnsten Rodeoreiter messen sich in verschiedenen Disziplinen, um sich für das Finale zu qualifizieren. Die besten vier erreichen den „Showdown Sunday“ an dem der Sieger mit einem Hauptgewinn von 100.000 Kanadischen Dollar belohnt wird. Rodeo umfasst diverse Wettbewerbe. Eine klassische Disziplin ist das Bareback Bronc Riding, bei dem sich der Cowboy auf einem wild bockenden, ungesattelten Pferd halten muss. Beim Saddle Bronc Riding hingegen soll der Cowboy auf dem mit Sattel und Steigbügeln ausgerüsteten Pferd die Balance bewahren, ohne dabei aus den Steigbügeln herauszurutschen. Bull Riding gilt als die spektakulärste Rodeodarbietung, bei der sich der Reiter nur mit einer Hand am vorderen „Bullrope“ hält.

Beim Calf Roping hat der Cowboy die Aufgabe, das mit einem Vorsprung losrennende Kalb mit dem Lasso einzufangen. Ist Steer Wrestling angesagt, starten Stier und Cowboy kurz nacheinander von einer Linie aus. Aus vollem Galopp stürzt sich der Reiter dann auf das Jungtier, um es umzuwerfen und zu fesseln. Die einzige Damendisziplin auf der Stampede ist das Ladies Barrel Racing, bei dem es mit schnellen, wendigen Pferden auf einen mit bunten Tonnen markierten Kleeblatt-Parcours geht. Ziel ist es, die Hindernisse bei diesem Zeitrennen nicht umzuwerfen.

Spannend aber auch hundsgefährlich für die Pferde sind auch die Chuckwagon Races (Planwagenrennen). Jedes Jahr bleiben dabei Pferde auf der Strecke, die den Stress oder die Belastung nicht aushalten. Sie entwickelten sich aus den Postkutschenrennen und fanden zum ersten Mal im Jahr 1923 statt. Jedes Team besteht aus einem Fahrer, vier Pferden und vier Begleitern. Vor dem Start wird der Wagen mit Zeltstangen und einem Kübel beladen, die während des Wettbewerbs gut verstaut bleiben müssen. Der Wagen wird dann um einen in Achterform gelegten und mit Tonnen markierten Kurs gesteuert, bevor er über die Hauptstrecke jagt, die eine halbe Meile lange ist. Die Proteste dagegen sind so alt wie die Wettbewerbe. Beenden konnten sie sie nicht. Die Calgary Humane Society setzt sich deshalb innerhalb der Organisation für einen möglichst respektvollen Umgang mit den Tieren ein.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017