Zu Gast in den USA, Kanada und den Andenstaaten

Trotz Trump & Co einen Besuch wert

Auf dem Beer & Wine-Trail durch North Dakota

Ausser Alaska gibt es es in den USA keinen Staat, der keinen Wein anbaut - und selbst dort wird Wein hergestellt, wenngleich mit Trauben von ausßerhalb. Die Vereinigten Staaten haben sogar in vergleichsweise kurzer Zeit eine führende Position auf dem internationalen Weinmarkt erlangt, nachdem seit den 1970er Jahren ein regelrechter Weinboom einsetzte, der die USA in die Gruppe der bedeutendsten Weinbauländern der Erde katapultierte. Nach Frankreich, Italien und Spanien liegt sie jetzt auf Platz 4 bei der Produktion aus den gut 400.000 Hektar Weinbergen. Meist sind es die internationalen Rebsorten, die auch dort gedeihen. Spitzenreiter im Anbau ist weiterhin Kalifornien mit seinen bekannten Weinbauregionen Napa Valley und Sonoma Valley. Die Weine aus diesen Regionen können sich bei internationalen Vergleichsproben durchaus sehen lassen. Aber auch Oregon und Washington zählen zu den aufstrebenden jungen Weinbauregionen in denen Pinot Noir sich ausgezeichnet entwickelt.

North Dakota kann man da getrost als einen Nachzügler bezeichnen, der von den Produktionsmengen weit hinterherhinkt. Der Grund dafür ist, dass der Staat als letzter US-Staat nach Aufhebung der Prohibition dort erst 2002 das erste kommerzielle Weingut lizenzierte. Heute gibt es bereits eine beträchtliche Anzahl an Weingütern und Kleinbrauereien, sogenannte Microbreweries und der Beer & Wine Trail bietet Gelegenheit, den Bundesstaat an der Grenze zu Kanada auf eine abwechslungsreiche Art und Weise kennenzulernen. Und vielleicht begegnet Ihnen auf dieser Reise ja sogar Ihr neuer Lieblingswein?

Ein Land zum Entdecken

Der Staat liegt hoch im Norden der USA und überrascht seine Besucher mit abwechslungsreicher Natur. Unter endlos weiten, blauen Himmel liegen idyllische Landschaften und kleine Dörfer und Weizenfelder erstrecken sich soweit das Auge reicht nach Osten. Riesige, bis heute unerschlossene Flussgebiete sehen fast noch so aus wie im 19. Jahrhundert. Mit seinen fruchtbaren Böden und den ausgedehnten Weidegebieten war North Dakota schon immer ein Agrarstaat und die Landwirtschaft spielt auch heute noch eine zentrale Rolle. Nicht verwunderlich, dass Trauben und Hopfen gut gedeihen und daraus ein mehr als trinkbarer Wein und leckeres Bier produziert wird. Zurzeit gibt es 24 Weingüter und acht Brauereien im Staat, es werden jedoch stetig mehr. Dabei hat jedes Gut seine eigene Persönlichkeit und Weine. Nicht immer nachvollziehbar für Besucher aus Deutschland ist die Angewohnheit einiger Winzer, ihrem Rebensaft durch Beimischung von Honig oder Obst eine interessante Note zu geben - doch besser ein fruchtiges Original als ein Chemiecocktail. So entstehen Weine, die Sie sicherlich noch nie probiert haben, wie zum Beispiel Löwenzahn-Wein.

Auf dem Beer and Wine Trail kann man North Dakota aus einer neuen Perspektive kennenlernen. Eine Hilfestellung gibt die Landkarte von North Dakota Tourism mit Markierung der einzelnen Standorten, Kontaktdaten und Internetadressen der Weingüter und Brauereien. Viele bieten auch Übernachtungen an und veranstalten Verkostungen, über die man sich am besten vorab telefonisch informiert. Gut beraten ist, wer den Besuch von North Dakota doch mit einem der zahlreichen Festivals kombiniert: Im August steht in der Hauptstadt Bismarck beim Downtowners’ Art and Wine Walk das Thema „Wein“ im Mittelpunkt und in der durch den Film der Coen-Brüder bekannten Fargo dreht sich im September alles ums „kühle Blonde“, zum einen beim Fargo Beer Festival, zum anderen beim Oktoberfest. In Grand Forks schließt die feuchtfröhliche Saison dann mit dem Happy Harry’s Beer and Bacon Festival. Aber auch ohne Festival lohnt der Besuch der drei Städte Fargo, Bismarck und Grand Forks, denn sie bieten ein abwechslungsreiches Kontrastprogramm zur ruhigen Idylle des nur dünn besiedelten Staats, in dem Besucher eine fast unberührte Natur vorfinden. Na dann - gute Reise und Prost!

(c) Connaisseur & Gourmet 2017