Unsere Weintipps

Zufriedene Winzer an der Mosel

Moselwein e.V./Chris Marmann

Höherer Ertrag als im Vorjahr

Das Jahr 2020 war durch Corona alles andere als ein normales Jahr - nicht nur für die deutschen Winzer. Doch während aus anderen Weinländern teilweise beängstigende Nachrichten kamen, ist man in den Weinbergen an Mosel, Saar und Ruwer mit dem aktuellen Weinjahrgang zufrieden, der hinsichtlich Qualität und Menge gut zu den Anforderungen des Marktes passt. Zwar fällt die Erntemenge mit geschätzten 810.000 Hektolitern fast ein Drittel höher aus als im Vorjahr, das mit 624.000 Hektolitern sehr ertragsschwach war, doch warer die Ergebnisse der Traubenlese regional und lokal sehr unterschiedlich, wofür als entscheidender Faktor zum dritten mal in Folge die Wasserversorgung der Weinberge verantwortlich war.

Auch 2020 konnten die Winzer schon sehr früh mit der Traubenlese beginnen, die sich dann über rund zwei Monate und drei Wetterphasen erstreckte. Bereits Ende August und Anfang September konnten beim heißen Sommerwetter erste frühreifenden Trauben wie Frühburgunder oder die Piwi-Sorte Solaris geerntet werden. Mitte September begann dann die Lese des wichtigen Rieslings bei anfangs weiterhin hohen Temperaturen, die sich dann ab Ende September abkühlten und mit nasser Witterung immer wieder für Unterbrechungen sorgten. In einigen Betrieben wird die Lese bei wechselhaftem Wetter voraussichtlich noch bis Ende Oktober andauern.

Mit den 810.000 Hektolitern Erntemenge liegt man im Weinanbaugebiet Mosel gut 10 Prozent über dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre. „Der Ertrag 2020 bewegt sich nun wieder in einem für die Region normalen Bereich“, bilanzierte Moselwein-Chef Rolf Haxel aus Cochem dieses Ergebnis. Im Weinanbaugebiet Mosel werden aktuell rund 8.700 Hektar Rebfläche bewirtschaftet, von denen aktuell 8.498 Hektar Ertrag bringen. Dabei hat sich die Anbaufläche vonRiesling und den Burgundersorten zuungunsten von Müller-Thurgau, Dornfelder und Kerner erhöht.

Qualitätiv ist der Vorstand der Mosel-Weinwerbung zufrieden und stuft den neuen Jahrgang als „gut bis sehr gut“ ein, wobei der Jahrgang an der Mosel nach Einschätzung vieler Winzer eher als Kabinett-Jahrgang als als Auslese-Jahr in die Annalen eingehen wird. Dabei freuen sich die Winzer über kerngesunde Trauben mit sehr gutem Aroma und moderater Fruchtsäure. Fruchtig, aromatisch, sauber und sortentypisch – lauten die ersten Bewertungen bei der Verkostung der Moste und Jungweine.

Moselwein e.V./Chris Marmann

Erneut ein "neidischer Herbst"

Das Mostgewicht liege beim Riesling bei durchschnittlich 80 Grad Oechsle, berichtet der Vorstand der Mosel- Weinwerbung. Teilweise erreichten die Rieslingmoste aber auch deutlich höhere Oechsle-Grade bis hin zu Auslesen und Beerenauslesen. Das Gros der Ernte liege jedoch im Bereich von 70 bis 90 Grad Oechsle.

Mit einem Ertrag von durchschnittlich 95 Hektoliter je Hektar war die Ausbeute beim Riesling als Hauptsorte zufriedenstellend. Müller-Thurgau und Elbling sorgen als zweit- und dritthäufigste Sorten der Region mit durchschnittlich 110 Hektoliter je Hektar für gut gefüllte Keller. Hochzufrieden sind die Erzeuger an der Mosel mit der Qualität des Burgunder. Beim Weiß- und Spätburgunder liegt sie im Schnitt bei 90 Grad, beim Grauburgunder sogar bei 95 Grad Oechsle. Mit 80 bis 85 Hektoliter pro Hektar ist dabei die durchschnittliche Erntemenge geringer als üblich. Mit mehr als 90 Prozent der Gesamterntemenge überwiegen bekanntermassen die Weißweine. Die Erntemenge an Rotwein liegt nach Schätzungen des Weinbauverbands bei 71.240 Hektoliter.

Zwar sind die Moselaner zufrieden mit dem Gesamtergebnis, sprechen aber wie im letzten Jahr erneut von einem „neidischen Herbst“, da Erträge und Qualität lokal sehr unterschiedlich ausfielen. Der Grund dafür ist die sehr unterschiedliche Verteilung der Niederschläge. Der seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 zweitwärmste und trockenen Winter brachte keinen Schnee, aber ausgiebige Niederschläge im Februar. Auch das Frühjahr war, vor allem im April und Mai, wieder zu trocken. Die Spätfröste Mitte Mai verursachten im Anbaugebiet keine nennenswerten Schäden, doch als während der Rebblüte Anfang Juni die Witterung umschlug, war es nass und kühl. Ende Juni brachten Gewitter örtlich ausgiebige Niederschläge bis hin zu Starkregen, doch viele andere Orte hatten keinen Regen. Der Juli war wieder extrem trocken und eine Hitzewelle Anfang August sorgte mit Temperaturen von mehr als 35 Grad für Sonnenbrand an den Trauben. Die Dürre machte sich optisch besonders in den Wäldern bemerkbar, in denen sich das Laub der Bäume schon ab Anfang August golden färbte.

Auswirkung des Wetters

Ausgiebiger Regen setzten Mitte August lokal vor allem an der Mittelmosel ein. An einigen Orten im Raum Traben-Trarbach und in Zell sorgte Gewitter für Erosion und Hagelschäden. Dies war aber örtlich begrenz und viele Weinberge des Gebietes sahen weiterhin bis weit in den September keinen Niederschalg. Dort blieb es sehr trocken. In den ersten drei September-Wochen erfolgte eine rasante Entwicklung der Trauben, was angesichts der schnell steigenden Mostgewichte und fallenden Säurewerte auch beim Riesling schon Mitte September zum Lesebeginn führte. Aufgrund der heterogenen Situation waren eine individuelle Ernteplanung und eine selektive Lese angesagt. Sogar innerhalb einzelner Weinberge gab es große Schwankungen der Reife. Positiv wirkte sich die Trockenheit in Hinblick auf Schädlinge und Pilzbefall aus. Die Trauben blieben gesund und auch der ab der letzten Septemberwoche einsetzende Regen änderte daran dank der kühlen Temperaturen nichts. Junge Rebanlagen, die unter der Trockenheit besonders zu leiden hatten, erholten sich aufgrund der Niederschläge sichtlich und die bessere Wasserversorgung machte sich auch bei den Erträgen bemerkbar.

Die anhaltend feuchte und kühle Witterung bis in die zweite Oktoberwoche bremste zwar die vorherige rasante Entwicklung der Mostgewichte, die aber schon Mitte September Werte von über 80 Grad bei Riesling und über 90 Grad bei den Burgundersorten erreicht hatte. Solche Werte sind heute fast selbstverständlich, wurden in früheren Jahrzehnten aber bei weitem nicht in jedem Jahr erreicht. Viele Betriebe setzten die Lese während der Regentage aus und konnten dankdes ab dem 10. Oktober teils sonnigen Wetters auch noch Rieslingtrauben für hochwertige trockene und fruchtsüße Weine einbringen. Insgesamt fällt die Erntebilanz an Mosel, Saar und Ruwer daher erfreulich aus, wenn auch nicht die Spitzenwerte von 2019 erreicht wurden. „Die bessere Erntemenge bei gleichzeitig gesundem Lesegut macht dies aber mehr als wett“, so die Einschätzung von Ansgar Schmitz, Geschäftsführer der Weinwerbung.

Besondere Anforderungen durch Epidemie

Auf die besonderen Anforderungen durch die Corona-Epidemie meisterten die Weinbaubetriebe der Region auch während der Ernte. Die Umsetzung strikter Hygienekonzepte sorgte allerdings für hohen Aufwand und verursachte höhere Kosten bei der Unterbringung und dem Einsatz der osteuropäischenSaisonarbeiter. Teilweise mussten die Weingüter wegen der Pandemie auf bewährten Helfer aus Osteuropa verzichten.

Beim Weinabsatz führte die Corona-Epidemie zu sehr unterschiedlichen Einflüssen. Während des Lockdowns im Frühjahr kam es zu Einbußen beim Weinverkauf über die Gastronomie und teils auch im Export. Dagegen stieg der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel. Davon konnten vor allem die großen Kellereien und die Winzergenossenschaften profitieren. Die Keller der Fassweinerzeuger waren schon vor dem Herbst gut geräumt. Für den 2020er Riesling im Fass werden aktuell 100 Euro je Hektoliter gezahlt, für viele andere Sorten liegt der Preis bei 70 Euro je Hektoliter. Beim Burgunder liegt der Preis aufgrund der niedrigen Erntemenge und hohen Nachfrage auch bei direktvermarktenden Weingütern bei 130 bis 140 Euro je Hektoliter.

In der Exportstatistik machen sich die US-Strafzölle und die Corona-Pandemie bislang vor allem beim Wert der ausgeführten Weine bemerkbar. Die neusten Zahlen des Verbandes der Weinexporteure (VDW) für die 12-Monats-Bilanz von August 2019 bis Juli 2020 weisen mengenmäsisig sogar ein leichtes Plus von 1,2 Prozent in der Ausfuhr von Moselweinen auf. Der Wert ging allerdings um 7,2 Prozent zurück. Der Grund für das Mengenplus sind die stärkeren Exporten innerhalb der Europäischen Union, vor allem nach Skandinavien und Osteuropa. Beim Export in die USA – dem wichtigsten Auslandsmarkt für Moselwein – müssen die Winzer ein Minus von 2,2 Prozent bei der Menge und 13 Prozent beim Wert verkraften, da aktuell vermehrt preisgünstigere Weine in die USA exportiert werden. Auch dafür ist teilweise die Corona-Pandemie verantwortlich, da die günstigeren Weine im Supermarkt verkauft werden, während die teureren Weine oft in Restaurants und Weinbars konsumiert werden, die in der Pandemie seit März weniger Gäste hatten. Zudem tendieren in Krisenzeiten viele Käufer zum „downtrading“, also zum Kauf günstigerer Produkte. Strafzölle und die Corona-Lage treffen im Export tendenziell eher höherpreisige Weine.

Export und Verkauf in Deutschland

Beonders in den skaninavischen Ländern spürt Moselwein seit Jahren Aufwind. Der Export nach Finnland legte zwischen Juli 2019 und August 2020 um rund 25 Prozent zu. Auch Norwegen, Schweden und Dänemark zeigten in dieser Zeit Zuwächse. Im Plus ist auch der Exportmarkt China, wo sich die Winzer über zwölf Prozent Steigerung freuen können. Doch es ist nach wie vor ein kleinerer Markt, denn allein nach Norwegen, dem drittwichtigsten Exportmarkt für die Mosel, fließt fast doppelt so viel Wein wie ins Reich der Mitte. Bei den kleineren Exportmärkten gab es hohe prozentuale Zuwächse für Moselweine in Estland, Polen, Litauen, der Ukraine, Tschechien und Slowakei und sogar in Italien. Dafür mussten die Mosel-Exporteure Einbussen in den Niederlanden, Belgien und Japan verkraften.

Behaupten konnten sich die Mosel-Betriebe in der Direktvermarktung ab Hof. Zwar standen die Vinotheken, Weinstuben, Gästezimmer und Ferienwohnungen auf den Winzerhöfen während des Lockdowns leer, doch konnten viele Selbstvermarkter in dieser Zeit dank Online-Weinproben und Paketversand sehr gute Absätze bei Privatkunden erzielen. Nach Ende des Lockdowns Mitte Mai konnte sich das Moselland wieder über einen starken Anstieg von Gästen und Touristen freuen,darunter auffällig viele Weinliebhaber, die die Mosel mit ihrem breiten Angebot an hochwertigen Weinen, Kulinarik, moderner Weinarchitektur und Aktiverlebnissen von Wandern bis Wassersport neu für sich entdeckt haben. So konnte der Absatzeinbruch durch den Wegfall von Weinfesten, Weinmessen und anderen Veranstaltungen zumindest teilweise kompensiert werden.

Einbrüche beim Weintourismus

Der Einbruch im Tourismus war massiv. Im ersten Halbjahr 2020 kamen laut Mosellandtouristik rund 50 Prozent weniger Gäste an die Mosel und sorgten bei den Übernachtungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 für dramatsiche Einbrüche. Das konnte auch die Rückkehr der Besucher nicht ausgleichen, obwohl im Juli 2020 die Zahl der Gäste um sechs und die der Übernachtungenum 8,4 Prozent höher lag als im Juli 2019. Damit war die Mosel die erste Tourismusregion in Rheinland-Pfalz, die seit den Corona-bedingten Einschnitten eine positive Monatsbilanz ziehen konnte. In den Sommerferien verzeichnete die Region eine deutliche höhere Nachfrage und Buchungen seitens Familien mit Kindern. Viele Weinbaubetriebe, die auch touristische Anbieter sind, berichten von einer sehr guten Buchungslage bis Ende Oktober.

Aktuell bewirbt die Mosellandtouristik die Region mit speziellen Angeboten für den Spätherbst und Winter, von Wandern in den Steillagenweinbergen über geführte Touren mit Winzern und Kultur- und Weinbotschaftern bis zu weinkulinarischen Arrangements. Die Mosel-Weinwerbung hat seit dem Lockdown im März die Werbemaßnahmen für Moselweine vor allem in den sozialen Netzwerken massiv verstärkt und auch mit Anzeigenwerbung und PR-Seiten in bundesweiten Medien für die Entdeckung des Weinanbaugebiets und seiner Weine geworben.

(c) Michael Ritter

(c) Connaisseur & Gourmet 2020