Zu Gast (nicht nur) in Euopas Weinregionen

Spannende unbekanntere Ziele entdecken

Zu alten Herrenhäusern in Lettland

Schloss Mežotne

In Lettland zählen zahlreiche alte Herrenhäuser und Schlösser zum Kulturerbe der Baltenrepublik. Rund 1.000 dieser alten architektonischen Schätze liegen über das Land in zauberhafte Naturlandschaften verteilt. Doch leider fehlen oft die Mittel, um sie zu sanieren und so verfallen sie weiterhin, wenn sich keine Liebhaber, die sie vor dem Untergang bewahren, denn noch ist eine umfassende Sammlung an Daten über diese Kulturgüter, mit denen man eventuell ausländische Investoren gewinnen könnte, Fehlanzeige.

Nur in wenigen Fällen, wie beim klassizistischen Schloss Mežotne, das der russische Hofarchitekt Giacomo Quarenghi für Charlotte von Lieven, die Gouvernante der Zarenkinder erbaut hat und das von der baltischen Adelsfamilie bis 1921 bewohnt wurde, als man es im Zuge der Agrarreform enteignete, hat der Staat Geld in die Hand genommen. 1996 wurde es letztmalig restauriert und dient heute dem Staat als Repräsentationsgebäude, das auch zu Besichtigungen offen steht. In einigen Bereichen hat man ein Hotel eingerichtet. Sonst hat man nicht immer das Glück, eine gelungene Restaurierung zu finden.

Das Herrenhaus von Kuksa

Für eine davon ist Daniel Jahn verantwortlich, den wir im Herrenhaus von Kuksa treffen. Einst war es Sitz deutsch-baltischer Barone wie Otto Wilhelm von Tiedewitz. Stolz zeigt uns Jahn die prunkvollen Räume, die sorgfältig restauriert wurden. Russische Empire-Stühlen, Gemälden der Maler der Region und bei der Restaurierung wiederentdeckte Wandgemälde schmücken, teils überreich, die Timmer. Auch eine kostbare Sammlung Kurland-Tafelgeschirr zählt zu den Highlights. Hergestellt hat das bildschöne klassizistische Service die königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin für die Herzöge von Kurland und ihr Schloss Rundale.

Jahn ist sichtlich stolz auf die Rosinen aus dem 19. Jahrhundert, die er kurz vor der Jahrtausendwende ausgegraben hatte, als er in Riga ein kleines Hotel leitete und die den Gutshof fast zum Museum machen.

Heute dient das alte deutschbaltische Herrenhaus fern ab der Hauptstraßen Ruhe suchenden Kulturtouristen als Nobelherberge offensteht. Als er das Haus einst entdeckte entpuppte sich das Märchenschloss als eine Ruine mit eingefallenen Wänden und defektem Dach. Der Kauf war ein Schnäppchen, doch inzwischen hat Jahn Millionen in die Restaurierung des "Herrenhaus Kuksas" investiert und man kann förmlich die Scheine verschwinden sehen, wenn er davon erzählt, wie aufwändig er Zimmer für Zimmer in sieben Jahren restaurieren ließ und dabei größten Wert darauf legte, den Originalzustand wiederherzustellen.

Ein gemütliches Bouitiquehotel

Viele Zimmer kann Jahn seinen Gästen nicht bieten, doch alle sind liebevoll eingerichtet und erzählen die Geschichte des Landes von den Kreuzrittern bis zur feudalen Herrschaft deutscher Kaufleute und Barone, die das Land unterdrückten und ihm ihren Stempel aufdrückten. Doch auch positive Erinnerungen an diese Deutschbalten und ihr kulturelles Erbe existieren noch. Einige Jahre boomte der Verkauf von alten Gebäuden, da viele glaubten, damit schnell gutes Geld verdienen zu können.

Doch ohne passendes Konzept waren viele Ideen zum Scheitern verurteilt. Oft lockte nur der günstige Kaufpreis, wie die 30.000 Euro, die Jahn zahlen musste, seitdem schlafen viele weiterhin ihren Dornröschenschlaf und hoffen - vielleicht vergebens - noch einmal wachgeküsst zu werden.

Immobilienkauf wegen Schengen-Pass

Jahn spielt wohl immer noch mit der Hoffnung das Anwesen eines Tages zu verkaufen und wer Interesse hat, wird bei der Sotheby’s-Niederlassung in Riga fündig Doch eigentlich macht er sich keine Illusionen über einen riesigen Gewinn und führt das Haus weiterhin wie ein Privathaus, belastet von den Folgekosten und dem Unterhalt.

Nur bei wenigen ehemaligen Landhäuser hat der Umbau zum Luxushotels geklappt, da die Nachfrage gering und die Konkurrenz groß ist. Oft, bemängeln Einheimische, seien es Russen, die die Gebäude nur deshalb kaufen, um so einfach und schnell an einen Schengen-Pass zu kommen, den die Letten Investoren gäben.

Die Herzöge von Kurland

(c) Connaisseur & Gourmet 2017