Zu Gast (nicht nur) in Euopas Weinregionen

Spannende unbekanntere Ziele entdecken

Auf Schlemmer- und KulTOUR in Kastillien und Leon

Gotisches und Romanisches und Blutwurst in Burgos

Im Zentrum von Burgos steht ein weiteres gotisches Meisterwerk: die Kathedrale. Die drittgrößte Kirche Spaniens ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und sollte zu seiner Bauzeit im frühen 13. Jahrhundert die Rolle Kastiliens in Europa unterstreichen. Als Architekten hatte sich der damalige Bischof vom Konzil in Basel einen deutschen Baumeister mitgebracht: Johannes von Köln – oder künftig Juan de Colonia. Hier ruht auch El Cid, der spanische Nationalheld, der zu Zeiten der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens von den Mauren, durch sein Schlachtgeschick berühmt wurde. Ein paar Kilometer südlich liegt das Benediktinerkloster von Santo Domingo de Silos mit seinen faszinierenden bis zur Zeit des heiligen Domingo zurückreichenden Kreuzgang, einem Meisterwerk der Romanik. Die Mönche sind übrigens echte Chartstürmer. Ihre CD Chant hielt sich über ein Jahrlang in den US-Charts, stürmte – sehr zum Erstaunen der Kleriker - bis auf Platz 3 und bekam 3fach Platin für mehr als 3 Millionen verkaufte Tonträger. Respekt! Mit etwas Glück kann man dem Gregorianischen Gesang der Mönche vor Ort lauschen.

Einige Kilometer weiter liegt das kastilische Städtchen Covarrubias mit seinen Fachwerkhäusern, die dem Ort einen mittelalterlichen Charme verleihen. Zum Abendessen lohnt das regionaltypische Lechal, besonders zartes und mildes Lammfleisch, das im Holzofen zubereitet wird. Burgos ist auch bekannt für die Morcilla de Burgos, Blutwurst, die aus Blut, Fett und Reis hergestellt wird. Der Palacio de los Blasones ist ein modernes Hotel in einem alten Palast aus dem 17. Jahrhundert im Zentrum von Burgos. Mit Blick auf die nahe Kathedrale wurde er und einige andere alte Paläste in den letzten Jahren zu schmucken Hotels umgebaut.

Auf dem Weg durch Ribera del Duero

Castel Penafiel

(c) Michael Ritter

Am nächsten Morgen geht weiter nach Südwesten. Es ist mit Ribera del Duero eine von Spaniens führenden Rotweinregionen, die wir auf dem Weg nach Valladolid passieren. Aranda del Dueros Altstadt ist weitgehend mit Bodegas unterkellert, die im Mittelalter von den Bewohnern zur Lagerung des Weins erbaut wurden. Bis zu 10 Meter tief gelegen, bieten sie auch an brütend heißen Sommertagen stets eine konstante Temperatur um die 12 Grad. Viele Weinkeller sind mit einem Tunnelnetz verbunden, doch werden heute nur noch wenige genutzt und dienen mehr zu Feiern.

Das kleine Örtchen Peñafiel ist mit seinem Castillo de Peñafiel besonders für Kultur-Liebhaber zu empfehlen. Die auf einer Anhöhe liegende Burg stammt aus dem 10. Jahrhundert. Besucher können dort auch das Provinzialmuseum für Wein sehen. Zu Füssen der Burg liegt mit Protos einer der großen und angesehenen Produzenten von Ribera del Duero, dessen Weingut eine gelungene Mischung aus alter Bausubstanz und State-of-the-Art-Architektur vereint.

Alte Pracht und neue Tapas in Valladolid

Plaza Mayor in Madrid

(c) Michael Ritter

Valladolid ist der Sitz der Regierung der autonomen Region Kastilien und León, die fast den gesamten Nordwesten Spaniens einnimmt. Im 15. Jahrhundert, als Kolumbus, der hier 1506 starb, die Weltkarte neu definierte, war die Stadt Sitz der Könige, bis Philipp II. ins Escorial bei Madrid umzog. Eine Stadt des Weins – immerhin liegen mit Rueda eine der Top-Weißweinregionen und mit Ribera del Duero eine der Top-Rotweinregionen des Landes vor der Tür, aber auch eine Stadt der Kultur. Der Architekt des Escorial, Juan de Herrera, sollte dort eine Kathedrale errichten, die die anderen Kirchen des Landes in den Schatten stellte. Leider mangelte es an Geld um sie zu vollenden – auch damals schon. Die zentrale Plaza Mayor war Blaupause für alle gleichnamigen Plätze im spanischen Imperium und das Nationalmuseum für Skulpturen beherbergt Spaniens riesige und sehenswerte Sammlung mehrfarbiger Holzskulpturen aus verschiedenen Jahrhunderten.

Gleich nebenan liegt die sehenswerte Kirche San Pablo im plateresken Stil mit einer überaus reichen Fassade aus dem Jahr 1500. Es war die Taufkirche der Könige Philipp II und Philipp IV., die den Besuchern aus Don Carlos und von den Gemälden Velázquez bestens bekannt sind. Im Cervantes-Haus lebte der Autor von Don Quijote zwischen 1603 bis 1606. Sein Wohnhaus ist heute Museum und gibt einen Eindruck vom Leben zu jener Zeit.

Feinschmecker kommen in Valladolid immer auf ihre Kosten. Im November findet in dort der Internationale Tapas-Wettbewerb statt, zu denen Kochschulen aus aller Welt mit ihren begabtesten Jungköchen kommen und für eine strenge Jury Tapas zubereiten. Fast zeitgleich findet dann der Nationale Tapas-Wettbwerb statt. Die besten Köche reichen dafür ihre Vorschläge ein, einige werden ausgewählt und stehen dann für kurze Zeit in Partnerbars oder Restaurants zum kosten und urteilen.

Rückkehr via Madrid

Tintenfisch

(c) Michael Ritter

Von Valladolid sind es mit dem AVE-Schnellzug weniger als eine Stunde ins 180 Kilometer entfernte Madrid. Wer Zeit findet, kann dort vor dem Rückflug nach Deutschland Museen wie den Prado, das Museo Reina Sofia oder das Thyssen-Bornemisza-Museum besichtigen, die alle nah beieinander liegen. Oder er macht sich auf in die Tapas-Kultur von Madrids Altstadt. Schon seit einigen Jahren infiltrieren die spanischen Tapas die Restaurantszene rund um den Globus. Im von der Wirtschaftskrise gebeutelten Spanien erleben sie derzeit als leckere Alternative zum teuren Restaurant einen ungeahnten Aufschwung.

Überall gehen Küchenchefs ans Werk und machen daraus kleine kulinarische Meisterwerke. Als der 35-jährige Santiago Muller nach Lehr- und Wanderjahren in der Luxushotellerie den Sprung in die Selbstständigkeit wagte, ging er gar nicht erst das Risiko eines Restaurants ein, sondern eröffnete 2011 im Herzen Madrids die Tapas- und Wein-Bar La Senda de Xiquena. «Die Leute treffen sich heute lieber mit Freunden den ganzen Abend auf Tapas und eine Flasche guten Wein.» Recht hat er, da kann man sich nur anschließen.

Michael Ritter, praegnant.info

(c) Connaisseur & Gourmet 2017