Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

Zu Gast in Wiesbaden und dem Rheingau

Carla Lopes

(c) Nassauer Hof

Neue Leitung im Nassauer Hof

Der Nassauer Hof im Herzen Wiesbadens ist eine der leider selten gewordenen Hotel-Ikonen. 1979 hatte es der Hotelier Karl Nüser von der Stinnes AG übernommen und über die Jahre zu einem dem unaufdringlichen Service verpflichteten Flaggschiff unter den Grandhotels Europas und zum „Wohnzimmer Wiesbadens“ gemacht, wofür er 2014 zum Hotelier des Jahres ausgezeichnet wurde.

Jetzt übernimmt ab August 2018 nach einem kurzen Zwischenspiel von Julia und Constantin von Deines, die das Hotel als eigenständigen Teil der von Dorint für 2019 geplanten Hommage Luxury Collection führten, die Portugiesin Carla Lopes die Regie im exklusiven Traditionshaus.

Humorvoll, luxuserfahren und elegant, mit diesen Attributen wird die neue Hoteldirektorin gerne beschrieben. Zuvor hatte sie seit 2015 im andalusischen Estepona das Kempinski Hotel Bahia geleitet.

Ihr Handwerk erlernte sie in Graubünden, wo sie sich von 2004 bis 2015 im noblen Kempinski Grand Hotel des Bains in St. Moritz zur Hotel Managerin hocharbeitete und schon zuvor im Housekeeping der beiden Grandhotels Kronenhof in Pontresina und Kulm Hotel St. Moritz erste Erfahrungen in der Luxushotellerie sammeln konnte.

Ideale Voraussetzung, um ihren Einsatz im Nassauer Hof mit neuen Impulsen zu bereichern. Carla Lopes spricht fünf Sprachen fließend. Honestis-Geschäftsführer Dirk Iserlohe als Eigentümer der Dorint GmbH hofft in Lopes eine gute Wahl für die vor dem Traditionshaus liegende Grunderneuerung gefunden zu haben. „Wir freuen uns sehr über so viel Frauenpower und können uns glücklich schätzen, mit Carla Lopes eine Bestbesetzung für unser Hotel gefunden zu haben.“

Nassauer Hof

(c) Nassauer Hof

Dorints geplante Hommage Collection

In die neue Hommage Luxury Collection der auf Wachstumskurs liegenden Dorint Hotels, sollen neben dem Nassauer Hof auch das Dorint Hotel Maison Mesmer in Baden-Baden und Häuser in Bremen und auf Sylt Aufnahme finden und man möchte sich damit deutlich von anderen Luxusmarken unterscheiden.

Im Nassauer Hof spürt man in den für moderne Luxushotels unüblich breiten, hohen und üppig ausgestatteten Fluren ebenso die große Wertschätzung und Leidenschaft der Mitarbeiter, wie in den sonstigen Räumlichkeiten dieses vor 215 Jahren erstmals eröffneten Charakterstücks der Hotellerie, das als Pionier in vielen Bereichen der Luxushotellerie Maßstäbe setze, seinen Gästen in der hessischen Landeshauptstadt willkommen heißt und ihnen ein temporäres Zuhause bietet.

Schon bei der Planung hatte man auf kurze Wege geachtet und es in bester Lage, direkt gegenüber dem historischen Kurhaus und dem Staatstheater eröffnet. Seitdem heißt das traditionsreiche Grand Hotel mit seinen 159 Zimmer und Suiten seine Gäste willkommen. Sicher bedauert man es heute, dass man damals nicht mehr Grund rund um das Hotel erworben hat, denn heute ist eine räumliche Ausweitung in die Fläche nicht möglich, bis auf kleine Rasenflächen im Hof rund ums Parkhaus ist fast jeder Quadratzentimeter des Grundstücks bebaut und hinter dem Hotel hat sich die Hessische Staatskanzlei mit der Landeszentrale für politische Bildung angesiedelt.

Blick von Suite auf Spielbank und Bowling Green

(c) Nassauer Hof

Die alte Dame braucht ein Facelifting

An manchen Stellen braucht das Hotel unbedingt ein kleines Update, damit die Ansprache jüngerer Zielgruppen klappt, die man neben den langjährigen Stammgästen an das Haus binden möchte. Noch gibt es, wie Inhaber Iserlohe anführt, einige Diskussionen mit dem Denkmalschutz, die eine schon für 2017 geplante grundsätzliche Renovierung verzögern, doch hofft er, dass diese im Sinne des Unternehmens entschieden werden. Dann soll es eine Reduktion der Zimmerzahl mit einem Schwerpunkt auf größere Doppelzimmer und Suiten geben, sowie einige exklusive Apartments. Noch stehen die Entscheidungen aus, doch hofft Iserlohe auf eine Lösung, um bis 2019 die notwendigen Umbauten durchführen zu können.



2005 wurde dem Nassauer Hof als erstem Haus in Deutschland der elitäre Status des 5 Sterne Superior Hotels verliehen. Zigarren-Raucher lieben die einzige Zigarren-Bar der Stadt und Gourmets kommen teils schon seit Jahrzehnten immer wieder gerne in das zentrale Hotel, dessen Gourmetrestaurant Ente das einzige Sternerestaurant der Stadt. Seine Auszeichnung mit einem Michelin-Stern trägt das Restaurant – alleinig in Deutschland – schon seit über 38 Jahren in Folge. Der Wellnessbereich Nassauer Hof Therme mit einem aus der hauseigenen Quelle gespeisten Rooftop Pool und ein umfassendes Veranstaltungsangebot runden das facettenreiche Angebot des Hotels ab.

Küchenchef Michael Kammermeier

(c) Nassauer Hof

Reiseziel für Genießer die "Ente"

Signature Dish Ente

(c) Nassauer Hof

Nicht nur für Gäste der gegenüber liegenden Spielbank Wiesbaden ist der Nassauer Hof ein erstklassiges Ziel. Mit seinem Gourmetrestaurant „Ente“, die schon 1979 noch unter ihrem damaligen Küchenchef Hans-Peter Wodarz ihren Michelin-Stern verliehen bekam – damals noch unter dem Namen „Ente vom Lehel“ - ist es schon seit Jahrzehnten ein Ziel von Feinschmeckern. Wodarz war schon damals sehr umtriebig. Ich begegnete ihm erstmals Mitte der 80er Jahre, als er für das Sommerfest des Bundeskanzlers eine ganze Armada deutscher Sterneköche an Kochstationen im Garten des Bundeskanzleramts nach Bonn holte und damit nicht nur seinen Auftraggeber Helmut Kohl begeisterte. In den 90ern machte er solche Kochaktionen unter dem Namen „Pomp Duck and Circumstance“ und Palazzo zur Erlebnisgastronomie für den Mittelstand. In der Küche der Wiesbadener Ente übernahm derweil sein langjähriger Souschef Herbert Langendorf, bis dieser 1998 an Gerd M. Eis übergab, dem nach acht Jahren Michael Kammermeier folgte. Bevor Kammermeier 2002 erstmals die die Enten-Küche betrat, die er vier Jahre Später von Eis übernehmen sollte, sammelte der aus dem Allgäu stammende Koch nach Ausbildung im eher regional geprägten Neubrandt’s Stüble in Bad Wörishofen Erfahrungen bei Spitzenköchen wie Heinz Winkler in Aschau oder Stefan Marquard in Meersburg. Seine Gerichte schlagen souverän den Bogen zwischen regionalen und internationalen Produkten, modernen Trends und der klassisch-französisch inspirierten Haute Cuisine.

Natürlich gehört das namensgebende Haustier zum Standardrepertoire des Küchenchefs. Vor einigen Jahren hat er darüber beim Wiesbadener Tre Torri-Verlag ein appetitanregendes Kochbuch veröffentlicht.

Ein Meisterstück ist sicherlich die rosa gebratene, im Nordwesten der Vendée am Rand des bretonischen Marschlandes aufgewachsene Challans-Ente. Saftig, mit feinem Aromen wartet sie unter der karamellisierten, knusprigen Haut darauf am Tisch zerlegt zu werden und - je nach Jahreszeit – mit unterschiedlichen, aber immer fein abgestimmten Beilagen serviert zu werden. Ein wahrhaftes Signature-Gericht. Aber auch Modernes wie „Fried Duck mit Dip“, oder Ungewöhnliches wie „Tempura von der Entenzunge“ kommt neben Klassischem wie „Entengröstl mit Champagnerkraut“ aus der innovativen Enten-Küche. Alle von Kammermeier verwendeten Enten stammen aus Frankreich und haben neben der AOC-Herkunftsbezeichnung das Label Rouge. Beim erstklassigen Fleisch bleibt Kammermeier auch gern in der Region, wenn es möglich ist.

Gerade erst hat der frühere Sternekoch Franz Keller sich jahrelangen Frust in dem beim Frankfurter Westend-Verlag erschienenen Buch „Vom Einfachen das Beste: Essen ist Politik oder Warum ich Bauer werden musste, um den perfekten Genuss zu finden“ von der Seele geschrieben. Darin fordert er Verbraucher und Nahrungsmittelindustrie zum radikalen Umdenken auf und schildert anhand eigener Erfahrungen, wie er zum Bauern werden musste, um endlich den perfekten Genuss zu finden.

Glück für Kammermeier, denn Kellers Falkenhof, auf dem er mit Rücksicht auf die Kreatur, Rinder, Gänse, Hühner und Bunte Bentheimer Schweine in freier Natur großzieht, liegt nur wenige Kilometer entfernt im Wispertal.

Schloss Vollrads

(c) Schloss Vollrads

Ausflugsziel Rheingau Schloss Vollrads

Zusammen mit dem waldreichen Taunus, wo ein Besuch bei einer der Veranstaltungen Franz Kellers lohnt, ist auch der Rheingau mit seinem reichen Programm an kulturellen und gastronomischen Veranstaltungen ein ideales Ausflugsziel.

Zum Beispiel ein Besuch im Schloss Vollrads. Dr. Rowald Hepp leitet das Weingut zusammen mit seiner Stellvertreterin Christine Müller und freut sich auf Besucher, denen er im zur Vinothek umgebauten Kutscherhaus im Schlosshof die erstklassigen Rieslinge des Hauses zur Verkostung anbietet. Alle Weine, Sekte und Brände können direkt vor Ort erworben oder später im hauseigenen Online-Shop bestellt werden. Für größere Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten Weinproben in diversen Räumlichkeiten des Schlosses durchgeführt werden.

Das lohnt sich, denn das durch einen alten Wohnturm weithin sichtbare Weingut, das bis Ende des letzten Jahrtausends den Reichsfreiherren von Greiffenclau, einem alten Adelsgeschlecht aus Lothringen gehörte, ist eines der ältesten Weingüter Deutschlands. Oberhalb von Oestrich-Winkel im Rheingau liegt es inmitten von Weinbergen. Rundum laden Wanderwege ein, die Region zu erkunden. Zum Beispiel der idyllische Flötenweg, der ums gesamte Anwesen herumführt und seinen Namen von der Rheingauflöte bekam, der typischen Weinflasche mit Facettenschliff am Hals. Natürlich wird sie auch auf Schloss Vollrads weiterhin abgefüllt, obwohl es die Produktion verteuert.

Heute ist Schloss Vollrads ein effizientes, modernes Weingut. Vorbei sind die Zeiten, als sein letzter Besitzer Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, der langjährige Vorsitzende des Verbands der Prädikats- und Qualitätsweingüter VDP, wegen dessen Insolvenz Suizid beging.

Heute gehört das Schloss der Nassauer Sparkasse und wurde vor einigen Jahren in die Riege der 100 besten Weingüter der Welt aufgenommen. Besucher und Gäste können an vielen Events teilnehmen. Während im Sommer einige Veranstaltungen des Rheingau Musik Festivals auf dem weitläufigen Gelände stattfinden, lockt im Herbst die Betriebsamkeit der Weinlese, wenn die Pressen, Gärkeller und Füllanlagen brummen.

Auch kulinarisch kommen Gäste auf ihre Kosten, sei es bei Alexander Ehrgotts Haubenküche im Kavaliershaus und der Orangerie oder beim Flammkuchen an den Sommerwochenenden im Hofausschank. Immer dabei: eine spannende Auswahl von Weinen, die sich lohnt. Der 2017er Weingut Schloss Vollrads Riesling trocken war wie schon in den Vorjahren unter den Top 10 der Rheingauer Schoppenweine. Ein hervorragender Riesling für jeden Tag, um entspannt die Seele baumeln zu lassen. Willkommen im Riesling!

Meinen ersten Kontakt zu Schloss Vollrads hatte ich schon in den 80er Jahren, als der tragisch-ehrbewusste Graf Matuschka-Greiffenclau noch die Geschicke lenkte. Seine Familie hatte eine lange Geschichte, die bis ins späte 11. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, als die Familie noch im Grauen Haus in Winkel residierte, Deutschlands ältesten Wohn-Steinhaus. Der Graf machte es später mit Egbert Engelhardt in der Küche zu einem der ersten deutschen Spitzenrestaurants. Leider sind heute nicht nur der Graf, sondern auch das Graue Haus und seine Spitzenküche Geschichte. Engelhardts Kochkunst können hingegen Frankfurter in verschiedenen spannenden Lunch-Restaurants im Zentrum erkunden.

Schloss Johannisberg

(c) Vicampo Weinbilder CC0 via Pixabay

Besuch auf Schloss Johannisberg

Der Rheingau ist reich an Schlössern wie Schloss Vollrads. Nur eine gute halbe Stunde Fußweg durch die Weinberge entfernt liegt Schloss Johannisberg. Hier kann man auf noch längere Weinbaukompetenz zurückblicken als auf Schloss Vollrads, denn die Weinberge des weithin sichtbar über dem Rhein thronenden Schlosses wurden schon 817 durch Ludwig den Frommen erwähnt.

Johannisberg gilt als das erste Riesling-Weingut der Welt und seine einzigartige Weinkultur hat bis heute Bestand. Die ursprüngliche Benediktinerabtei war Mittelpunkt und Pionier des Rheingauer Weinbaus. In der unterirdischen Schatzkammer lagern kostbare Wein-Raritäten aus mehreren Jahrhunderten.

Ab 1716 gehörte der Johannisberg dem Fuldaer Fürstbischof, der die großzügige Schlossanlage errichten ließ. Als sich 1775 der Kurier beim Einholen der Erlaubnis zum offiziellen Lesebeginn um einige Wochen verspätete, waren die Trauben bereits an den Rebstöcken verfault. Zum Glück hatte die Abtei einen mutigen Kellermeister, der sie trotzdem erntete und mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein konnte: die Spätlese war geboren. Eine nette Geschichte, die Michael Apitz und Clemens Kunkel wundervoll in ihrem Comic „Karl der Spätlesereiter“ verarbeiteten, die aber ein wenig geschönt sein könnte, denn schon früher im 18. Jahrhundert - wissen Chronisten - warteten einige Winzer „gern eine kleine Fäulnis ab, um zur größeren Süßigkeit der Trauben zu gelangen“.

Nach der Säkularisierung unter Napoleon und anschließender gemeinsamer Verwaltung durch Preußen, Russland und Österreich, wird das Schloss 1816 dem aus Koblenz stammenden österreichischen Staatskanzler Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich für seine Verdienste im Wiener Kongress zugesprochen. Der einflussreiche Politiker genießt hier nach den Anstrengungen des neunmonatigen Kongresses, auf dem ihm mit viel Verhandlungsgeschick nicht weniger als die Neuordnung Europas gelang, die „Ruhe …, welche ich als Wohltat zu fühlen weiß“.

Der Zehnt der Weinernte ging damals ans Habsburger Kaiserhaus. Der Fürst galt als bestinformierter Mann seiner Zeit. Der Dichter Heinrich Heine war von seiner repressiven Politik zwar weniger begeistert und musste deshalb ins Exil. Doch auf gewisse Weise schätzten sie sich gegenseitig. Über den Johannisberg äußerte der Dichter: “Wenn ich […] Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe” und auch Metternich wird ein passendes Zitat über Heine in den Mund gelegt: "Vortrefflich, ganz vortrefflich, muss man sofort verbieten."

Bis in dieses Jahrtausend lebte die Familie von Metternichs Urenkel Paul Alfons auf dem Schloss und erwarb große Verdienste um den Wiederaufbau des von Fliegerbomben getroffenen und ausgebrannten Schosses. Fürstin Tatiana und ihr Mann ließen die beeindruckende Schlossanlage in neuem Glanz erstrahlen.

Wer beim Namen Metternich an Riesling-Sekt der Premiumklasse denkt, liegt richtig, denn schon der erste Fürst riet seinem Kellermeister, die Produktion von Mousseux im Auge zu behalten. Kurz nach seinem Tod fragte dann ein Wiesbadener an, ob er einen Teil der Ernte für seine neue Schaumweinproduktion verwenden könne: Johann Jacob Soehnlein. Die Bitte wurde erhört und es wurde eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Schon drei Jahre später gewann der Riesling Sekt bei der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille. Heute gehört der Sekt, das Schloss und einiges mehr zu Henkell und damit zur Oetker-Gruppe.

RMF Geschäftsführer Marsilius Graf von Ingelheim

(c) Michael Ritter

Das Rheingau Musik Festival

Zurück zu den letzten Metternichs: Die russische Prinzessin Tatiana war lange DIE „große alte Dame“ der Rheingauer Kultur, bis sie 2006 hochbetagt auf Schloss Johannisberg starb. Als Mitbegründerin des Rheingau Musik Festivals, das Michael Hermann 1987 zusammen mit zwei Wiesbadener Unternehmern ins Leben rief, hatte sie einen immensen Anteil am Musikleben im Rheingau. In diesem Jahr kann das Festival auf 30 Jahre zurückblicken. Nach 19 Veranstaltungen an sieben Spielstätten im Jahr 1988, die mit einem Eröffnungskonzert im Kloster Eberbach starteten und finanziell zum Fiasko wurden, konnte das Rheingau Musik Festival dank seiner Förderer den Verlust vortragen, im zweiten Jahr das Programm auf 25 Konzerte aufstocken und um das glamouröse Schloss Johannisberg als neuer Spielstätte bereichern. Diesmal war es auch finanziell ein Erfolg.

Bis heute ist es mit einem bunten Reigen von Veranstaltungen auf Schoss Johannisberg, wie dem Sommerfest mit Feuerwerk, das mit dem Programm „Happy Birthday Lenny!“ dem vor 100 Jahren geborenen Leonard Bernstein gedachte, eine feste Größe im Festivalkalender vieler Musikfreunde.

Inzwischen machten jährlich 150 Veranstaltungen an mehr als 40 Spielstätten den einstigen Ein-Mann-Betrieb zum mittelständischen Unternehmen. Mit Marsilius Graf von Ingelheim hat jetzt ein studierte Betriebswirt die Leitung übernommen. Der 33-jährige Sohn der Gattin von Michael Herrmann möchte als Vater eines kleinen Sohnes die Familienangebote des Festivals weiter ausbauen.

Verbraucherfreundlich sind zum Beispiel auch die von der Festivalleitung vorgegebenen Höchstpreise der angebotenen Speisen beim ausverkauften Sommerfest. Auch der Nassauer Hof war dort als Sponsor mit einer kleinen Mannschaft vertreten und trug den Gästen köstlichen Tunfischtatar auf Mango für 11 Euro, geräucherten arktischen Saibling mit Pfifferlingen für 14 Euro und Sous vide gegarten Schweinebauch für 9 Euro auf – ein echtes Schnäppchen für Genießer.

Tunfischtatar mit Mango

(c) Michael Ritter

Die Weine von Schloss Johannisberg

Dazu passte hervorragend der Wein vom Schloss mit seinen typischen, etwas antiquierten Etiketten, der geprägt ist von Mineralität und Fülle. Wie Schloss Vollrads ist auch Schloss Johannisberg Mitglied im feinen VDP. Kellermeister Gerd Ritter ist sich der Verantwortung aus der Tradition des Weinguts stets bewusst und beweist bei der Weinbereitung ein besonderes Fingerspitzengefühl, wenn er aus jedem neuen Jahrgang - und das ist angesichts des Klimawandels nicht immer leicht - die einzigartige Riesling-Kultur der Domäne fortführt und bewahrt. Natürlich serviert auch der Nassauer Hof die Weine des gastgebenden Weinguts.

Wer außerhalb der Veranstaltungen kommt, den lädt Schloss Johannisberg in seiner Vinothek zur Verkostung der aktuellen Weine ein. Je nach Geschmack und Spendierfreudigkeit bietet der Weinkeller ein interessantes Spektrum. Wer nicht auf den Euro achten muss, ist mit dem beliebten Schloss Johannisberg Silberlack Riesling Großes Gewächs trocken gut beraten, für den Weinfreunde rund 40 Euro pro Flasche hinlegen. Mit 15 Euro deutlich günstiger ist der Gelblack Riesling trocken, den man als DIE Marke für Rheingau-Riesling bezeichnen darf: ein saftig-eleganter Wein mit animierender, voller Frucht, feiner Mineralität, anregender Säure und einem harmonischem Abgang.

Für visuelle Weinfreunde ist das Erkennen leicht: Gelblack steht für „Schloss-Wein“, Rotlack für Kabinettswein, Grünlack für Spätlese, Silberlack für die Großes Gewächs, Rosalack für Auslese, Rosa-Goldlack für Beeren- und Goldlack für edle Trockenbeerenauslese, für die Liebhaber edelsüßer Weine tief in die Geldtasche greifen müssen – 630 Euro.

Zu seinen Weinen hat Schloss Johannisberg auch kulinarisch einiges zu bieten. Schon allein wegen des unvergleichlichen Blicks können wir die Schlossschenke sehr empfehlen. Doch kocht seit 2017 Dirk Schroer, der nach diversen Stationen in der 3-Sterne-Küche ab 2006 einen eigenen Stern im feinem Caroussel der Dresdener Bülow Residenz erkochte und diesen auch auf der nur wenige Meter von Johannisberg entfernte Burg Schwarzenstein hielt.

Sterneküche soll er in der Schlossschenke mit bis zu 450 Gästen im Restaurant und auf der wundervollen Terrasse nicht mehr kochen, doch auf eine erstklassige Küche darf sich der Gast dennoch freuen, da der gebürtige Stuttgarter zu Beginn seiner Karriere eine ebensolche Lehrstelle hatte: den Nassauer Hof.

© Michael Ritter



Gelblack Riesling trocken

(c) Schloss Johannisberg

(c) Connaisseur & Gourmet 2017