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Warum in die Ferne schweifen...

Wein trifft Design in der Südpfalz

Michael Michalsky im Par Terre

(c) Michael Ritter

Par Terre Die Vinothek vom Designer

Eröffnung der Vinothek

(c) Kurt E. Groß, Bildarchiv Südliche Weinstrasse

Nein, mit dem kleinbürgerlichen Göttingen, in dem er die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte, verbinden den Designer Michael Michalsky keine Heimatgefühle. Das Herz schlägt für den bekannten und einflussreichen deutschen Designer eher für seine Wahlheimat Berlin. Aber generell sieht er sich im Gespräch mit den Medien lieber als Kosmopolit und verweist stolz auf die führende Rolle, die er lange Jahre für das weltweite Design von Adidas übernommen hat. Vor einigen Jahren machte sich der Designer dann als Modeschöpfer im High Fashion Bereich selbstständig, betreut und realisiert aber auch zahlreiche Interieur-Designprojekte, produziert Sofas und führt eine sehr erfolgreiche Living-Kollektion. Dieser Tage präsentierte der Lifestyle-Designer sein neuestes Projekt - die Vinothek „Par Terre“ an der Südlichen Weinstraße.

Das von Michalsky designte, ehemalige Militärgebäude bietet ausgezeichnete Weine der Südlichen Weinstraße an und lädt als Zentrum der Weinkultur in der Südpfalz Weinliebhaber zum Verweilen und Genießen ein. Eigentlich sollte es seine Besucher in diesem Jahr inmitten der Landesgartenschau willkommen heißen, doch Bombenfunde führten zu deren Verschiebung ins kommende Jahr. So erwartet Besucher der Landesgartenschau 2015 von Mitte April bis Mitte Oktober eine ausgewogene Mischung an Wein, Genuss, Kunst und Kultur.

Andreas Grimm in seinem französischen Weinberg

(c) Michael Ritter

Junge Winzer und gute Weine

Waren es früher eher die Kollegen aus der nördlich angrenzenden Mittelhardt-Deutsche Weinstraße, die bei Weinfreunden die Herzen höher schlagen ließen, so hat sich durch neue Technik und den Zusammenschluss junger Spitzenwinzer in den letzten Jahren viel getan. Die 'Südliche Weinstraße" gehört zu den innovativsten Weinbauregionen Deutschlands und hat den Anspruch, nicht nur Spitzenweine zu präsentieren, sondern dieses immer auch mit außergewöhnlichen Ideen zu verbinden.

Eine kleine Gruppe davon ist die Südpfalz Connexion. „Nur gemeinsam sind wir stark“ lautete das Credo der fünf jungen Weinbauern, die sich vor 15 Jahren bei den Landauer Weintagen kennenlernten und sich in den Folgejahren einen Namen machten. Ein Vorbild hatten sie bereits durch die „Fünf Freunde“, zu denen sich bereits 1991 mit den VDP-Weingütern Friedrich Becker, Münzberg, Ökonomierat Rebholz, Siegrist und Dr. Wehrheim die Pioniere des Qualitätsweinbaus in der Südpfalz zusammengetan hatten, um die Burgundertradition der Südpfalz zu stärken. Anfangs wurden sie als deren „schmalbrüstige Kopie“ belächelt, gestehen Sven Leiner, Boris Kranz, Peter Siener, Volker Gies und Klaus Scheu gerne ein, denn inzwischen bekommen ihre Weine bei Wettbewerben gute Bewertungen und Boris Kranz ist inzwischen als erster der Jungwinzer in den angesehenen Kreis der VDP-Weingüter aufgestiegen. Möglich war das nur durch einen Paradigmenwechsel. Aus Bekanntschaft wurde Freundschaft, aus Konkurrenten wurden Kollegen – nur so konnte man national und international etwas in der Weinszene bewegen.

Heute ist die „Südpfalz Connexion“ nicht mehr wegzudenken und als handfestes Ergebnis ihrer Zusammenarbeit bringen sie im gemeinsam dem Wald am Rande von Gräfenhausen abgerungenen 2000 qm Steilhang und der benachbarten Parzelle in reiner Handarbeit mit dem Gräfenhauser Edelburgunder ein gemeinsames Spitzenprodukt auf den Markt, das zu den teuersten Weinen der Region zählt – puristisch in seiner Art, handwerklich gut gemacht, mit verhaltenem Einsatz von Barrique und feiner, graziler Frucht.

Mit dem Wein hat man eine alte Tradition wiedererweckt, denn in der westlichsten Weinbaugemeinde der Pfalz wurde schon Mitte des 14. Jahrhunderts von den Mönchen Spätburgunder angebaut, der einst zu den begehrtesten Weinen der Pfalz gehörte. Doch auch dort führte der schwer zu bestellende Steilhang zum Übergang auf weniger anspruchsvolle flache Weinberge.

Doch auch andere junge Winzer, wie Andreas Grimm aus Schweigen-Rechtenbach machen gute Weine. Der junge Aufsteiger konnte kürzlich die Juroren beim Wettbewerb „Die junge Südpfalz – da wächst was nach!“ von seinen Weinen überzeugen und noch kurz vor Toresschluss – Höchstalter ist 35 – den Gesamtsieg einfahren. Gleichzeitig wurde die beiden „Spätburgunder“ aus seinen bis nach Frankreich reichenden Weinbergen von der renommierten Jury als die besten der jungen Winzer bewertet. Der Wettbewerb wurde schon zum vierten Mal ausgelobt.

Eröffnung Par-Terre Landau

(c) Michael Ritter

Modernes Design mit traditionellen Elementen

Mit der neuen Vinothek im Design von Michael Michalsky, der gekonnt regionale Elemente in sein hochwertiges Design integrierte, wird die Region dem gestiegenen Anspruch gerecht. Bevor Michalsky den Auftrag übernahm reiste er einige Tage durch die Region, besuchte Winzer, kostete ihre Weine und konnte auch den deftigen Speisen der Pfalz nicht widerstehen. Eingeflossen in die Gestaltung sind dabei die Holzfässer, die ihn zu einem Fußboden inspirierten, in dem er Fassdeckel der 55 beteiligten Weingüter mit ihren eingebrannten Prägungen verwendete.

"Ich habe jeden der Winzer gebeten, einen Stein mitzubringen, der für seinen Weinberg steht", erzählt er im Gespräch und erklärt, wie er diese in seine Architektur integrierte. Auch die Sponsoren aus Wirtschaft und Politik sind begeistert.

"Ich freue mich sehr, dass es immer wieder gelingt, Maßstäbe zu setzen: bei unseren Weinen und bei unseren Präsentationen", sagte Landrätin Theresia Riedmaier zur Eröffnung. Auch Landaus Oberbürgermeister Hans Dieter Schlimmer strahlt: „Die Qualität unserer Weine trifft auf die kongeniale Designqualität Michael Michalskys. Eine unschlagbare Verbindung! Gut für unsere Stadt und die Region.“

Warme Farbtöne in Kombination mit dem Industriecharme des Gebäudes sorgen für einen einmaligen Charakter der Vinothek. Die großzügigen Fenster verleihen dem Raum eine loftartige Atmosphäre und geben den Blick auf die umliegende Landschaft frei. Die edlen Tropfen werden am freistehenden Tresen ausgeschenkt und können direkt an der Theke verkostet werden. Wer es etwas gemütlicher möchte, kann stilecht auf einem MICHALSKY Sofa oder auf einer der anderen exklusiven Sitzmöglichkeiten Platz nehmen.

Eröffnung der Vinothek mit großer Weinauswahl

(c) Michael Ritter

Ein bedeutsamer Name...

„Der Name der Vinothek „Par Terre“ ist eine Hommage an die hervorragenden Böden der Gegend. Ohne guten Boden gibt es keinen guten Wein. Aber ohne exzellente Kenntnisse des Weinanbaus, der Reben und der Natur auch nicht. Deshalb inszeniere ich den Wein in der Vinothek wie Kunst in einer Gallery.“ erklärt Michael Michalsky. Der Name wurde sehr bedacht gewählt. Übersetzt aus dem Französischen bedeutet es „auf dem Boden“ und ist ein Tribut an die Natur. Denn die besonders fruchtbaren Böden der Region sind es, die einen erfolgreichen Weinanbau ermöglichen.

Sie bilden das Bindeglied zwischen den angeschlossenen Winzern und sind die wesentliche Grundlage, um Spitzenweine zu entwickeln. Handwerkskunst, überliefertes Wissen und zahlreiche Sonnenstunden kommen hinzu. Das auf dem Gelände der Landesgartenschau 2015 liegende Gebäude wird von April bis Oktober 2015 aktiv in das Treiben dieser Großveranstaltung einbezogen. Neben einem Treffpunkt für Weinliebhaber wird die Vinothek dann auch mit einer Tourist-Information Anlaufstelle für das Publikum sein. Am 11. Juni 2014 öffnet die Vinothek ihre Tore für das Publikum.

das fertige Grillgut

(c) Michael Ritter

Zum Insekten-Kochkurs im Reptilium

Wer das Besondere sucht, sollte vielleicht mal im Landauer Reptilium vorbeischauen. Wenn bei den Prüfungen im Dschungelcamp Insekten aufgetischt wurden, hat das bei vielen Zuschauern einen leichten Ekel verursacht. Doch der lässt sich legen und die fehlenden Kenntnis über Insekten man bei einen Besuch im Landauer Reptilium nachholen.

Der erste und größte deutsche Reptilienzoo bietet interessierten Gästen mehrmals jährlich mit „Insekten sind das neue Schnitzel“ einen „etwas anderen Insektenkochkurs“ an.

Im Park des Herrenhaus Barthelemy

(c) Michael Ritter

Übernachtungstipp

Am besten kann man die Weine der Südpfalz genießen, wenn man ein normales oder verlängertes Wochenende dort verlebt. Der Sonnenhof Siebeldingen liegt im Herzen der Südlichen Weinstraße, am Ortsrand des kleinen Winzerdörfchens. Ein schönes freistehendes Landgutshaus im Jugendstil. In der “Toskana Deutschlands” wachsen im milden Klima Mandel-, Feigen- und Zitronenbäume. Mit seinen 9 Doppel- oder 5 Einzelzimmerbietet das 3-Sterne-Hotel eine gemütliche Unterkunft, am Morgen erwarten den Gast in der Villa ein reichhaltiges Frühstücks-Büffet mit hausgemachter Marmelade und regionalen Spezialitäten. Der ideale Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung oder Radtour durch die Weinberge. Räder kann man über einen Partner auch ausleihen.

In der Nähe warten die alte Reichsburg Trifels, die Madenburg, die Burgruine Landeck, die Villa Ludwigshöhe und das geschichtsträchtige Hambacher Schloss auf die Gäste. Wer es ein bisschen nobler (und teurer) sucht, wird sich in Gleisweiler bei Rosemarie Eifler-Bollen und Clemens Bollen im kleinen feinen Landhotel Herrenhaus Barthélemy mit seinen individuellen Zimmern und Suiten und dem kleinen Park mit seiner wundervollen Aussicht auf die Weinberge wohl fühlen. Der Unternehmensberater und die Apothekerin haben das alte Herrenhaus mit Freimaurer-Vergangenheit hochwertig restauriert. Die Marmelade, die im Frühstücksraum am großen Klostertisch serviert wird, stammt von den Früchten im eigenen Paradiesgarten. Wir finden - schöner kann man in der Pfalz kaum wohnen.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017