Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

Wandern im Allgäu

Käse im Tragegestell

Käse im Tragegestell

(c) Wolfgang Kleiner/Scheidegg Tourismus

Wandern auf der Sonnenterrasse der Alpen

Scheidegger Kapellenweg

(c) Scheidegg Tourismus

Es ist ein wundervolles Wandergebiet: das Westallgäu mit seinen Gemeinden Scheidegg, Lindenberg, Oberreute und Weiler im Allgäu. Hügel bestimmen die ruhige Landschaft in der Nähe, hohe Berggipfel grüßen in der Ferne und alle laden zu großen und kleinen Wanderungen, bei denen auch die Kultur nicht zu kurz kommen braucht. Immer im Blick hat der Wanderer dabei das markante Bergpanorama der Allgäuer Alpen und der Nagelfluhkette. Das Angebot an Wegen ist breitgestreut. Von der meditativen morgendlichen Wanderung am Waldsee über Wasserwege durch die Hausbachklamm oder zu den Scheidegger Wasserfällen. Sportliche wagen sich zu Gipfeltouren auf den Hohen Ifen oder den Grünten, den Wächter des Allgäus oder auf die andere Seite der nahen Schweizer Grenze zu einer Tagestour auf den Säntis oder aufs Flüela Schwarzhorn.

Aber nicht nur Alpinisten werden hier glücklich, auch wir weniger Geübten können genüssliche Wanderungen durch die von Gletschern und Schmelzwässern der letzten Eiszeit geformte Landschaft der „Wasserreichen“ planen, die Teil der neuen „Allgäuer Wandertrilogie“ sind. Vor ihnen liegt ein wahres Wasserwunderland mit tiefen Schluchten, schroffen Klammen und faszinierenden Wasserfällen. Der Wanderer folgt dabei den Wegen, die sich das Wasser vor Jahrtausenden bahnte, erfährt spannende Geschichten über die Beziehung zum Nachbarn in Österreich, von alten Schmugglerpfaden und sogar von einem Eisbären, der sich in Scheidegg wohlgefühlt haben soll.

Scheidegg ist dabei ein idealer Ausgangsort für Touren an. Eine eher kurze Wanderung beginnt in Lindenberg und verläuft über den dunklen Waldsee über die spektakulären Scheidegger Wasserfälle bis ins Ortszentrum von Scheidegg, während die Etappe von Scheidegg nach Weiler ca. 20 km Länge aufweist. Mit dem Trilogie Rundgang verfügt Scheidegg hingegen wieder über einen attraktiven und kurzen Rundwanderweg mit herrlichen Panoramaausblicken direkt im Ort. Auf historischen Pfaden wandert man von Scheidegg in vier bis fünf Stunden über den „Kapellenweg“ – mit imposantem Weitblick über den Bodensee – oder folgt auf einer kurzen Runde durch Lindenberg den „Spuren der Hutmacher“. Für Genusswanderer bietet in Oberreute die 90minütige Wanderung zum „Allgäuer Kräutergarten Artemisia“ als Ziel eine Teestube oder die 6-stündige Panoramawanderung von Weiler im Allgäu mit einem Sennereibesuch. Das neue Weitwanderwegenetz „Wandertrilogie Allgäu“ erzählt dabei auf rund um Scheidegg auf 377 Wanderkilometern die Geschichte des Allgäus. Darüber hinaus verfügt Scheidegg über ein dichtes Wanderwegenetz mit zauberhaften Touren, wie der Grenzwanderweg zum Pfänder, dem Bregenzer Hausberg, mit einem traumhaften Blick über den Bodensee.

Die Wasserwege

Wandern entlang der Wasserwege

(c) Wolfgang Kleiner/Scheidegg Tourismus

Man kann es ruhig angehen lassen an den Tümpeln und idyllische Weihern, tiefen Brunnen und verborgenen Quellen, historischen Mühlen und alten Sägen, hohen Wehren und verwachsenen Gräben, tiefen Kanälen und kleinen Rinnsalen, rauschenden Bächen und tosenden Wasserfällen. Man kann mit den Kindern in Gumpen baden, aus Ästen Schiffe basteln oder und mit Steinen kleine Dämme bauen. Oder man wandert auf einsamen Wegen, von der Quelle hinab ins steile Tobel, durch dunkle und bunte Wälder ins offene Grün. Oder man sitzt einfach nur am Wasser und findet seine Ruhe.

25 Wanderungen machen die Westallgäuer Wasserwege aus, alle mit engem Bezug zum Wasser und laden den Gast zum Entspannen, Erleben und Entdecken ein. Verloren geht niemand, denn ein bebilderter Wanderführer steht schon im Web als PDF bereit. Die Touren verbinden über 50 einzelne Objekte, die auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Wasser in Berührung stehen. Vor Ort informieren meist Infotafeln über Wissenswertes und Interessantes.

In der hügeligen Voralpenlandschaft des Westallgäus finden sich zahlreiche Bäche, Moore, Tümpel, Weiher und kleine Seen. Fast an jedem Bach standen einst Mühlen, die als Sägen, Knochenstampfen oder Getreidemühlen genutzt wurden. Moderne Kläranlagen und Kleinkraftwerke zeugen davon, dass die Gewässer auch in der heutigen Zeit intensiv genutzt werden. Geschiebesperren und Hochwasserrückhaltebecken erinnern daran, dass es sich bei den Westallgäuer Fließgewässern um Gebirgsbäche handelt, die sich jederzeit in rauschende Fluten verwandeln können.

In Scheidegg laden mit dem Hotel Allgäu garni und dem Hotel Birkenmoor zwei zertifizierte Wanderhotels zum Verweilen ein, die sich auf die spezifischen Anforderungen der Wanderer eingestellt haben und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wipfelerleben auf dem Skywalk

Skywalk Allgäu

(c) Scheidegg Tourismus

Ausgesprochen beliebt ist der Skywalk Allgäu. Eine Dreiviertel-Million Besucher wanderte seit seiner Eröffnung vor im Jahr 2011 im Scheidegger Ortsteil Oberschwenden über den Baumwipfelpfad. Seine Beliebtheit hat einen guten Grund. Am höchsten Punkt der Gemeinde gelegen, bietet er seinen Besuchern einen 360-Grad-Rundumblick in Richtung Bodensee, Baden Württemberg, Schweiz, Vorarlberg und der Allgäuer Alpen.

Auf bis zu 40 Meter Höhe hat er das Gefühl, durch den Himmel zu laufen. Als Hauptattraktion dient eine 540 Meter lange Hängebrücke, die von Stahlmasten getragen mitten durch den Wald führt und dem Besucher die Welt aus der Vogelperspektive eröffnet.

Die Scheidegger Käseschule

Käsespätzle

(c) Wolfgang Kleiner/Scheidegg Tourismus

Seit 2015 führt nicht nur die „Allgäuer Käsestraße“ durch das idyllische Scheidegg, sondern man kann jetzt in der Allgäuer Käseschule in wenigen Stunden seinen eigenen „kleinen“ Käse herstellen. Klein deshalb, weil die Sennereien normalerweise große, bis 75 Kilo schwere Käselaibe produziert.

Dabei wird der Käse allein oder zu zweit im großen Kupferkessel zubereitet. Aus drei Litern Milch werden so in kurzer Zeit rund 350 Gramm Weichkäse. Und nicht nur die Rolle als Senner oder Sennerin macht Spaß. Nebenbei erfährt der Gast, wie die frische Milch vom Bauern trockengelegt wird und was einen Käse richtig schmackhaft macht. Eine Käseverkostung rundet das Erlebnis ab. Nach drei Stunden ist der Käse fertig und kann nach weiteren zwei Stunden mitgenommen werden. Dazu gibt es eine Rezeptmappe zum Nachmachen. Knapp 45 Euro kostet der Kurs pro Person, ein Paar zahlt gemeinsam rund 60 Euro

Allgäuer Heumilchkäse

Heumilchkäse aus der Sennerei – das ist Tradition pur im Allgäu. Naturbelassen, würzig und von Hand verarbeitet. Die Sennerei Böserscheidegg am Scheidegger Ortsausgang wurde mehrfach ausgezeichnet. Ihre Mitarbeiter produzieren den Käse noch von Hand: Bergkäse ebenso wie Rotwein-, Berg- oder Bockshornkleekäse, den man auch per Mail bestellen kann. Die Milch ihrer „glücklichen“ Kühe liefern zwölf Genossenschaftsbauern teilweise noch im Handkarren an – immer morgens und abends. Die abgelieferte Menge wird auf Handkarten abgestempelt. Sommers bekommen ihre Rinder frisches Gras auf den Wiesen, im Winter gibt es Heu. Einzigartig ist die Erhitzung der silofreien Milch im traditionellen Kupferkessel. Rund 1000 Kilogramm Milch benötigt ein Senner für einen Laib Allgäuer Emmentaler mit 75 Kilo Gewicht.

Zu Besuch in Wangen

Wangen

(c) Nilgün Burgucu

Malerisch eingebettet in die abwechslungsreiche Voralpenlandschaft des Westallgäus, lädt der Luftkurort Wangen den Reisenden auf der A96, einer der wichtigsten Nord-Süd-Autobahnen Europas, zur Rast ein. Entlang des idyllischen Argenufers präsentiert sich dem Besucher eine sehr reizvolle historische Altstadt mit mittelalterlichen Türmen und Toren, der Marktplatz und die Herren- und Paradiesstraße, die zu den schönsten Straßenbildern Süddeutschlands gehören. Die Herstellung und der Export vor allem von Sensen und Leinwand sorgten für eine ansehnliche Außenhandelsbilanz. Die Stadt erwarb während ihrer Blütezeit ein beachtliches Landgebiet außerhalb der Stadtmauern, das ihr dauerhafte und nachhaltige Einnahmen unabhängig von den Schwankungen des Handels sicherte. Schon im 2. Weltkrieg diente die nicht von Bomben zerstörte Stadt den Filmemachern als Kulisse für Heinz Rühmanns Quax-Film. Auch heute ist die gesamte Altstadt – liebevoll restauriert und gepflegt - als Ensemble auf der Denkmalschutz-Liste. Als ehemals Freie Reichsstadt verbindet Wangen pulsierendes Stadtleben mit hoher Lebensqualität in intakten Strukturen.

Der "Schönste Wochenmarkt der Region" lädt ein, den Charme des Außergewöhnlichen zu genießen. Bodenständige Gastronomie, stilvolle Weinstuben und gemütliche Cafés sorgen an vielen Orten fürs leibliche Wohl der Gäste. Wer es ruhig angehen lassen möchte, ist in Wangen goldrichtig. Brauerei- und Käsereibesichtigungen, geführte Gästewanderungen, Stadt-, Rathaus- und Museumsführungen, Radwanderwege und Nordic Walking-Touren stehen von Frühjahr bis Herbst auf dem Programm und in den Wintermonaten locken kleine Skilifte, Loipen, eine Kunsteisbahn und Winterwanderungen zum weißen Vergnügen. Im Sommer war das malerische Städtchen sogar WM-Quartier der Fußballer aus dem afrikanischen Togo. Mit seiner hervorragenden Verkehrsanbindung ans Fernstraßennetz, ist es für Autofahrer von Wangen nur ein Katzensprung an den nahe gelegenen Bodensee und in die Allgäuer-, Österreicher- und Schweizer Alpen. Bei Tagesausflügen kann man so die Blumeninsel Mainau, den Bregenzer Hausberg Pfänder, Bregenz mit der Seebühne, St. Gallen oder Schloss Neuschwanstein kennen lernen.

Kurtourismus

Es ist noch gar nicht so lange her, da bestimmte der Kurtourismus das Bild der vieler Orte im Allgäu, zumal sie an der Schwäbischen Bäderstrasse lagen. Seit rund einem Jahrzehnt müssen die Bäder neue Wege bestreiten und ihr Angebot auf "Medical Wellness" umstellen. Statt medizinischer Behandlung gibt es so für den Gast entspannende Anwendungen mit medizinischem Nutzen. Moorbäder zum Beispiel , wie sie in Bad Wurzach verabreicht werden. Sie entspannen die Muskeln und lindern unter anderem Rheumabeschwerden. Das flüssige Moor mit seinen 40 bis 42 Grad Celsius gibt seine Wärme langsam an den Körper ab und wirkt sich nach Auskunft der Bademeister positiv auf die Haut aus, weshalb ein nachträgliches Einseifen ungern gesehen wird.

Nach der Behandlung wandert das Moor wieder dahin zurück, wo es herkam: ins Wurzacher Ried. Nach Jahren der Verlandung kommt es dann nach Jahren wieder zum Einsatz in der Moorwanne. Entstanden ist das Moor in der vorletzten Eiszeit, der Riss-Eiszeit vor 230.000 bis 130.000 Jahren. Eine Zunge des Rheingletschers schürfte damals ein breites und ziemlich flaches Tal aus, das von Endmoränen abgeriegelt wurde. In dem Tal bildete sich in der folgenden Warmzeit ein sauerstoffarmer See, der nach und nach verlandete. So kam Bad Wurzach zur größten intakten Hochmoorfläche Deutschlands, die der Gast mit dem "Moorbähnle" auf einer 30-minütigen Rundfahrt erkunden kann.

Moor im Morgennebel

(c) Herbert Stadelmann/Allgäuer Moorallianz

Bad Wurzach

Deckengemälde

(C) Michael Ritter

Der Fläche nach ist Bad Wurzach nach Stuttgart die zweitgrößte Stadt des Baden-Württembergs. Größter Arbeitgeber des Städtchens ist die Glasfabrik Saint-Gobain, der deutsche Sitz des französischen Konzerns. In vielen Familien stehen die Erzeugnisse des Hauses in Form des Nutella-Glases auf dem Frühstückstisch. Ein barockes Schloss aus dem 18. Jahrhundert lockt die Kulturfreunde an.

Geht man hinaus ins Ried, spiegeln sich Bäume in dem trüber schwarzglänzenden Wasser. Seit zehn Jahren ist es mit dem Torfstechen im Moor vorbei, nachdem das Wurzacher Ried mit dem Europadiplom ausgezeichnet wurde und seitdem unter besonderem Schutz steht. Die Touristen freut es, denn heute stehen mehr als 200 Kilometer Rad- und Wanderwege zur Verfügung.

Eine Besonderheit ist der Wackelwald in Bad Buchau. Dort wachsen Nadelbäume und Moorbirke auf dem äußerst beweglichen Moorboden, der aus der Verlandung eines Sees entstanden ist. Man geht dabei fast wie auf einem Gummilaufband und jede Bewegung lässt auch die Bäume mit ihrem Wurzelsystem erbeben, fast als würde ein Riese durch den Wald streifen. Doch die Bäume haben sich angepasst und kommen mit dem nährstoffreichen Boden gut aus. Zahlreich auch die Thermalquellen mit ihrem schwefel- und fluoridhaltigen Wasser, die nicht nur in Bad Wurzach zum Bau großer prestigeträchtiger Thermalbäder geführt haben.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017