Zu Gast in den USA, Kanada und den Andenstaaten

Trotz Trump & Co einen Besuch wert

Weinland Brasilien

Iguacu Wasserfall

(c) Heibe CC0 via Pixabay

Brasilien Weinbau

(C) Michael Ritter

Mehr als Karneval und Copacabana

Wer an Brasilien denkt, hat meist Rio und die Copacabana, Karneval und Sambarhythmen im Kopf. Mit Weinbau verbinden Weinfreunde eher Argentinien und Chile. Sehr zu Unrecht, denn bereits die portugiesischen Eroberer brachten ihn nach Brasilien, einen ersten qualitativen Schub erhielt er dann vor 100 Jahren durch italienische Siedler und - in der letzten Dekade - durch massive Investitionen.

Waren es anfangs oft amerikanische Hybridreben, die noch immer knapp ein Drittel der Rebfläche ausmachen, sind es bei Neupflanzungen primär europäische Reben. Statt derber Rotweine für den heimischen Markt, reüssiert jetzt durch Qualitätswinzer und ambitionierte Quereinsteiger Wein aus Brasilien auch auf den internationalen Märkten.

Rio Grande do Sul

In der Hauptanbauregion, dem wohlhabenden, an Uruguay und Argentinien grenzenden Bundesstaat Rio Grande do Sul, prägen italienischstämmige Siedler die Produktion der und 700 Weingüter- viele davon Familienbetriebe. Die gebirgige und weintouristisch interessante Serra Gaúcha im Nordosten des Staates, die Besucher an Norditalien erinnert, ist mit dem Vale dos Vinhedos, das wichtigstes AOC-Anbaugebiet.

Seit 2000 ist die Rebfläche um ein Drittel gewachsen. Meist waren Veneter und Trientiner, die dort in den Hochtälern rund um Caxias do Sul in der Höhe des 29. Breitengrades siedelten. Alle zwei Jahre Ort wird dort das nationale Weinfestes Festa da Uva ausgetragen.

Der Aufsteig des brasilianischen Weins

Zu feiern gibt’s genug, denn die Winzer holen im rasanten Tempo auf und haben mit insgesamt 320 Mio. Litern inzwischen Platz 3 auf den Charts der Weinproduzenten Lateinamerikas errungen. Was Argentinien und Chile mit neuen Anbau- und Kellertechniken vorexerziert, findet in Brasilien in atemberaubendem Tempo Beachtung.

Weinberge unter Palmen

Auch im äußersten Süden, an der Grenze zu Uruguay, befindet sich mit der im Sommer sehr trockenen Campanha ein vielversprechendes kleineres Anbaugebiet. Im weiter nördlich gelegenen Sao Joaquim pflanzt man auf der Hochebene in Höhen bis 1400 Metern u.a. Pinot Noir an.

Eine Besonderheit ist das weltweit größte tropische Weinbaugebiet im sonnigen, extrem trockenen Vale do Sao Francisco am 9. Breitengrad. Nahe den Palmen ist dort dank hoher Temperaturen und der künstlichen Bewässerung jährlich zwei Ernten möglich.

Die neuen Weine Brasiliens

Die neuen Weine Brasiliens begeistern Verkoster durch Komplexität und Harmonie. Früher recht derbe Tannine sind feiner balancierten Gerbstoffen gewichen. Zwar sind Spitzenweine noch rar, doch arbeiten die Winzer mit ehrgeizigen Projekten emsig darauf hin.

Oft sind es Rotweine aus den großen internationalen Rebsorten, die internationale Preise abräumen, doch brachten die Siedler aus Italien und Portugal auch regionale Reben ihrer Heimat mit und auch mit seinen Weiß- und Schaumweinen kann sich Brasilien durchaus sehen lassen.

Der Export

Vorteilhaft dürfte die Fruchtigkeit der kraftvoll-süffigen Rotweine sein, die in vielen Zielmärkten gut ankommt. Führende Kellereien des Landes haben sich zusammengetan, um mit der Marketinginitiative Wines from Brazil (WFB) das Exportgeschäft anzukurbeln. Deutschland spielt als Exportmarkt für die „Vinhos Finos“ eine wichtige Rolle.

Daneben sind die USA und Großbritannien Schlüsselmärkte. 2008 konnte der Export um gut 50 Prozent gesteigert werden. Der deutsche Markt nimmt nach den USA und den Niederlanden Platz 3 ein. Bevorzugter Abnehmer sind die brasilianische Gastronomie, Steakhäuser und der Südamerika-Fachhandel.

Die Weingüter

Die Aurora Winery Cooperative ist die größte Genossenschaft und bringt mit dem Cabernet Sauvignon Millesime einen von Brasiliens Spitzenweinen auf den Markt. Viele der 48 Millionen Flaschen sind, wie der Chardonnay Aurora Brut, sehr ordentliche Schaumweine. Das Weingut Boscato, ein moderner, kleiner Betrieb, produziert einen harmonischen Cabernet Sauvignon. Auf das High End setzt Lidio Carraro. Meist sind es Cuvées wie der Quorum aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Tannat, die Weinfreunde aus aller Welt begeistern. Mit 10 Millionen Flaschen zählt Miolo zur quantitativen und qualitativen Spitze des Landes. High-Tech im Keller und die Hilfe von Michel Rolland haben das Unternehmen zu einem Vorreiter gemacht. Mit der Fazenda Ouro Verde ist Miolo auch im tropischen Vale do San Francisco aktiv.

Topwein und Referenz für Brasilien ist der Lote 43, eine elegante Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot aus der ersten zugeteilten Parzelle des Weinguts. Auch mit Weißwein verfolgt Miolo Expansionspläne auf dem deutschen Markt. Hochwertige Weine stehen auch auf dem Programm von Mioranza. Neben Cabernet Sauvignon produziert das Weingut den 50 d’Oro, einen reinsortigen Ancellotta. Mit 17 Millionen Flaschen fast eine Weinfabrik ist die Kellerei Salton. Rund 500 Weinbauern beliefern das Unternehmen, das für süffige Rotweine aus Merlot und Cabernet Sauvignon bekannt ist, aber mit dem Talento auch einen gut lagerfähigen Topwein produziert. Sektfreunde kommen an Casa Valduga, dem größten Schaumweinproduzenten Lateinamerikas nicht vorbei, Der fein moussierende Brut und der cremige Rose brauchen sich hinter Champagner nicht zu verstecken, sind aber wesentlich preisgünstiger.

Die nächsten Jahre versprechen also für Beobachter interessant zu werden.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017