Ratschläge für Musik & Oper

Galakonzert des FestspielOrchesters Göttingen

George Petrou am Pult

(c) Internationale Händel-Festspiele Göttingen/Frank Stefan Kimmel

Göttingen, 14. Mai 2026

20 Jahre Spielfreude: Ein glanzvolles Jubiläum für das FestspielOrchester Göttingen

Man kann das Zusammenspiel der Musiker kurz so zusammenfassen: „Barockmusik als Berufung, Händel als Leidenschaft“. In diesem Jahr feiert das FestspielOrchester Göttingen sein 20-jähriges Bestehen und wir können damit auf zwei Jahrzehnte voller musikalischer Exzellenz und mitreißender Energie zurückblicken. Was einst als Vision von Nicholas McGegan als Künstlerischen Leiter und Benedikt Poensgen als Intendant begann, hat sich später unter der Leitung der Barockspezialisten Laurence Cummings und George Petrou weiter zu einem Ensemble von Weltrang entwickelt. Von 20 Jahren hatte McGegan ins Programmheft geschrieben „Zum ersten Mal werden die Festspiele ihr eigenes Orchester haben, zu dem sich die allerbesten Musiker aus aller Welt, die auf alten Instrumenten musiziere, zusammengefunden haben.“ Seitdem hat das Orchester international eine herausragende Position erarbeitet und war zu Gast zu bedeutenden Festivals der Alten-Musik-Szene, Noch immer sind einige Musiker der ersten Stunde gerne mit an Bord und mancher schaut wohl mit einer Träne im Auge auf die inzwischen eingeführte Altersbegrenzung.

Zum großen Jubiläum rückte das Orchester gestern selbst ins Rampenlicht – mit einer Gala, die so international und lebendig ist, wie die Musikerinnen und Musiker selbst. Es war ein Programm der europäischen Extraklasse und ein Fest für die Sinne, denn George Petrou hatte ein Programm zusammengestellt, das die Brücken zwischen den großen Musikzentren des Barocks schlägt.

Dabei hat er einige Highlights auf den Programmzettel gesetzt, die selbst denen, die mit Barock oder klassischer Musik im Allgemeinen nicht sehr vertraut sind, einen Déjà-vu -Moment vermitteln, denn einige der Gassenhauer ihrer Zeit sind den meisten zumindest ansatzweise vertraut. Vermutlich hätte Johann Pachelbel nie damit gerechnet, dass sein damals sehr populärer Kanon in D rund 300 Jahre später vom US-Rapper Coolio als C U When U Get There die Weltcharts stürmen würde.

Der Abend begann mit französischem Glanz: Mit Ausschnitten aus Jean-Philippe Rameaus erfolgreicher Ballettoper „Les Indes Galantes“ weht der prachtvolle Geist von Versailles durch den Saal, der die Zuhörer durch Liebesgeschichten in weit entfernten Ländern entführen soll, in denen Rameau die Handlung seines Werks angesiedelt hat. Die Musik, die am französischen Hof geschätzt wurde, entspricht einem anderen Geschmack als die Händels und Bachs. Rameau hatte dort unter Ludwig XV. mit seiner Musik und teilweise bewegten Instrumentalpassagen den Stil Lully modernisiert, der den Hof musikalisch unter dem Sonnenkönig dominierte. George Petrou führte das FestspielOrchester routiniert, teils etwas forciert, durch die Komposition.

Mit Johann Sebastian Bach, den Zeitgenossen Händels aus dem benachbarten Leipzig, zu dem Georg Friedrich Händel übrigens – ebenso wie zu Rameau – nie einen persönlichen Kontakt hatte, sorgte Petrou und das Orchester für Momente konzentrierter Glückseligkeit, als dessen ikonische Air aus der dritten D-Dur-Suite erklang, die vom Aufbau dem französischen Ouvertüren-Typ Lullys folgte, sorgte für Momente konzentrierter Glückseligkeit. Auch Bachs Air wurde später in der Popkultur von verschiedenen Musikern übernommen und sorgte so für einen erweiterten Kreis seiner Anhänger.

Im zweiten Drittel des Konzerts gelangte dann auch der Namensgeber der Festspiele zu Gehör mit einem seiner Londoner Auftragskomposition für König Georg II., die nach dem Ende des Erbfolgekriegs durch den Aachener Frieden von 1748 zu einer Siegesfeier mit spektakulärem Feuerwerk erklingen sollte – ein Mega-Event der damaligen Zeit, die als Freiluftevent geplant durch einen vom Feuerwerk ausgelösten Brand zum Fiasko wurde. Trotz der anschließenden Tumulte wurde Händels legendäre Feuerwerksmusik mit triumphalem Finale mit Pauken und Trompetenschnell zu einem Erfolg und ist heute auch über die Barockliebhaber hinaus, einem breiten Publikum vertraut.

Zum Schluss des Galakonzerts erklang dann mit der Uraufführung des Stücks Parea von Hanneke van Proosdij, Cembalistin im FestspielOrchester Göttingen. Das in Zusammenarbeit mit George Petrou entstandene Stück soll den Zusammenhalt des Orchesters und sein Streben nach Exzellenz erlebbar machen. Ein Mix aus Pianissimo und Fortissimo, das mit einem einen fulminanten musikalischen Tanz des gesamten Orchesters seinen bejubelten Abschluss fand. Hier spürte man, dass für viele Musiker das FestspielOrchester künstlerische Heimat ist, dass ein zufriedenes Miteinander verspricht, wenn seine Spezialisten Jahr für Jahr aus der ganzen Welt anreisen, um gemeinsam an einem authentischen Klangbild zu arbeiten. Dabei sind tiefe Freundschaften entstanden. Die Cellistin Phoebe Carrai bringt es im Programmheft auf den Punkt: „Für mich persönlich ist das FOG zu meiner liebsten und wichtigsten musikalischen Heimat geworden. Wir haben hart an uns gearbeitet – sowohl künstlerisch als auch im sozialen Miteinander.“

Diese künstlerische Heimat begrenzt sich nicht auf die Alte Musik, wie die Musiker nach dem Konzert im Saal mit grenzenloser Spielfreude bei der After-Show-Party im Foyer beweisen. Dort blicken die Barockmusiker weit über den Tellerrand ihres Genres hinaus und zeigen ihre „andere“ Seite mit barocken Tanzrhythmen aus Osteuropa, traditionellen Klängen aus Schottland und Irland sowie jazzigen Streifzügen, die beweisen, dass Spielfreude keine Epochengrenzen kennt.

Die Gala war deshalb weit mehr als ein Rückblick – sie ist ein Versprechen an die Zukunft und eine Einladung an das Publikum, die verbindende Kraft der Musik gemeinsam zu feiern.

© Michael Ritter

After Show Party

(c) IHFG/Frank Stefan Kimmel

(c) Connaisseur & Gourmet 2026