Ratschläge für Musik & Oper

Die Berliner Philharmoniker und die neue Saison

Nicolas McGegan und Arianna Vemdittelli

(c) Alciro Theodoro da Silva

Die Berliner Philharmoniker haben ihre neue Saison 2025/26 vorgestellt und versprechen den Musikliebhabern eine außergewöhnliche Bandbreite an Programmen. Von der Wiener Klassik bis zur Musik des 21. Jahrhunderts, vom Solokonzert bis zur Ballettsuite, vom deutschen Musikdrama bis zu italienischen Opernarien: Die Bandbreite in Kirill Petrenkos Konzertprogrammen der Saison 2025/26 ist groß.

Arianna Vendittelli

(c) Alciro Theodoro da Silva

Eine Tradition von Weltklasse

Die Berliner Philharmoniker können auf eine über 140-jährige Geschichte zurückblicken, die sie zu einem der renommiertesten Orchester der Welt gemacht hat. Gegründet im Jahr 1882 von 54 Musikern, die sich aus dem Bilse-Orchester lösten, etablierte sich das Ensemble schnell als musikalische Institution von Weltrang.

Die Ära der großen Dirigenten begann bereits früh: Hans von Bülow leitete das Orchester von 1887 bis 1892 und legte den Grundstein für die künstlerische Exzellenz. Besonders prägend war die Zeit unter Arthur Nikisch (1895-1922), der als einer der ersten "Starprinzipal" das Orchester international bekannt machte. Wilhelm Furtwängler folgte von 1922 bis 1954 und prägte mit seiner romantischen Interpretationskunst eine ganze Ära der Berliner Philharmoniker.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit Herbert von Karajan (1954-1989) eine neue Blütezeit. Unter seiner Leitung wurde das Orchester zum Symbol für deutsche musikalische Exzellenz und eroberte durch zahlreiche Aufnahmen und Tourneen die Welt. Die Philharmonie Berlin, 1963 eröffnet, wurde zu ihrer musikalischen Heimat und gilt bis heute als einer der besten Konzertsäle der Welt.
Claudio Abbado (1989-2002) brachte eine neue Leichtigkeit und Transparenz in die Klangkultur des Orchesters, während Simon Rattle (2002-2018) das Repertoire erweiterte und das Orchester für zeitgenössische Musik öffnete. Mit Kirill Petrenko, der 2019 sein Amt als Chefdirigent antrat, begann ein neues Kapitel, das von interpretatorischer Tiefe und musikalischer Präzision geprägt ist.

Ein kraftvoller Saisonauftakt

Den Auftakt der neuen Spielzeit markiert ein besonders eindrucksvolles Konzert am 29. August 2025. Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker eröffnen mit ihr die Saison 2025/26. Den Auftakt macht Robert Schumanns leidenschaftlich-dramatische Manfred-Ouvertüre. Einen klanglichen Kontrapunkt setzt das Oboenkonzert von Bernd Alois Zimmermann, dessen Solopart Albrecht Mayer, Solooboist der Berliner Philharmoniker, interpretiert. Den Höhepunkt des Eröffnungskonzerts bildet Brahms' Erste Symphonie, ein Werk, das als Inbegriff der spätromantischen Symphonie gilt.

Kirill Petrenko: Vielseitigkeit als Programm

Chefdirigent Kirill Petrenko setzt auch in der kommenden Saison auf ein außergewöhnlich vielseitiges Repertoire. Seine Programmauswahl spiegelt seine Fähigkeit wider, verschiedene Epochen und Stilrichtungen mit gleicher Expertise zu dirigieren. Besonders bemerkenswert ist die Spannweite von historischen Meisterwerken bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen.

Mahler und Wagner als Höhepunkte

Zwei besondere Höhepunkte der Saison verdienen gesonderte Aufmerksamkeit. Im Mai 2025 steht Gustav Mahlers Neunte Symphonie auf dem Programm. »Das bedeutet für alle, die dieses musikalische Testament interpretieren, eine besondere Herausforderung bei der Ausdeutung des Notentextes«, so Kirill Petrenko. Die Interpretation dieses letzten vollendeten Werks Mahlers verspricht ein besonders intensives Hörerlebnis zu werden.
Ein weiterer Höhepunkt ist die geplante Aufführung von Richard Wagners "Das Rheingold" im April 2026. Mit einer szenischen Aufführung des Rheingolds eröffnen die Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko die Salzburger Osterfestspiele, anschließend präsentieren sie das Werk konzertant in der Philharmonie Berlin. Diese doppelte Präsentation – sowohl szenisch in Salzburg als auch konzertant in Berlin – zeigt die internationale Strahlkraft des Orchesters.

Abonnements und Ticketverkauf

Das Orchester bietet verschiedene Abonnement-Optionen für die neue Saison an. Bis zu 30 % kann man gegenüber dem Preis der Einzelkarten bei einem der symphonischen Abonnement sparens, die sechs Konzerte umfassen. Die Saisonbroschüre mit dem vollständigen Programm bekommen Interessenten kostenlos in der Philharmonie Berlin oder sie wird ihnen zugeschickt.

Tradition und Innovation

Die Saison 2025/26 der Berliner Philharmoniker steht exemplarisch für das Selbstverständnis eines der weltbesten Orchester: die perfekte Balance zwischen der Pflege des klassischen Repertoires und der Öffnung für zeitgenössische Musik. Diese Tradition reicht zurück bis zu den Anfängen des Orchesters, das schon unter Hans von Bülow und Arthur Nikisch für seine Uraufführungen und Erstaufführungen bekannt war.
Unter Kirill Petrenkos Leitung haben die Berliner Philharmoniker diese historische Mission fortgesetzt und bewiesen, dass sie sowohl in der romantischen Tradition als auch in der musikalischen Moderne zu Hause sind. Die Kontinuität dieser künstlerischen Philosophie – von Furtwänglers Wagner-Interpretationen über Karajans Aufnahmen bis hin zu Rattles Engagement für zeitgenössische Komponisten – zeigt sich auch in der aktuellen Programmgestaltung.

Ein lebendiges Erbe

Die Berliner Philharmoniker sind nicht nur ein Orchester, sondern ein kulturelles Gedächtnis der deutschen und internationalen Musikgeschichte. Ihre Archive umfassen unzählige historische Aufnahmen, die Zeugnis ablegen von der Entwicklung der Interpretationskunst über mehr als ein Jahrhundert. Von den ersten Schellack-Aufnahmen mit Nikisch bis hin zu den heutigen hochauflösenden digitalen Produktionen dokumentieren sie die Evolution der orchestralen Kunst.

Die kommende Saison verspricht somit nicht nur technische Brillanz und interpretatorische Tiefe, sondern auch die emotionale Intensität, die das Orchester seit Jahrzehnten auszeichnet. Für Musikliebhaber wird die Saison 2025/26 eine Gelegenheit bieten, die gesamte Bandbreite der orchestralen Kunst auf höchstem Niveau zu erleben – getragen von einer über 140-jährigen Tradition der Exzellenz.

Nicolas McGegan

(c) Alciro Theodoro da Silva

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