Zu Gast (nicht nur) in Euopas Weinregionen

Spannende unbekanntere Ziele entdecken

Auf Weintour entlang der Loire

Die Loire Fluss der Schlösser und der WeineEin F

Blick auf die Loire und Pouilly Fume

(C) Michael Ritter

Ein Fluss der kurzen Wege ist die Loire nicht, sonst hätte sie sich bereits kurz nach der Quelle in der französischen Auvergne einen Weg zur nahen Rhone und damit zum Mittelmeer gebahnt. Stattdessen tut sie das, was jeder ambitionierte Franzose aus der Provinz tut: sie macht sich auf den Weg nach Paris. Doch bevor sie ihr Ziel erreicht, lässt sie sich ablenken von den Schönheiten der Landschaft, die heute mit ihr auf der Liste des Weltkulturerbes steht, wendet sich nach Westen, bricht sich den Weg durch Tuffstein und Schiefer, um sich südlich der Bretagne mit dem Atlantik zu vereinen.

Unberechenbar ist die Wasserführung und wer sie aus erhöhter Position, wie den Weinbergen von Sancerre, betrachtet, sieht, dass sich das Wasser im Flussbett oft seinen Weg suchen muss.

Sancerre

(c) Michael Ritter

Ursprünglich wie die Landschaft an seinen Ufern sind auch die Weine, die ihr entstammen. Die Loire prägt nachhaltig die Lebens- und Arbeitsweise der hier lebenden Menschen und die Loire-Weine sind wie ihre Winzer: charaktervoll, beständig und eine einzigartige Kreation von Fluss, Boden, Klima und Kultur. Oft findet man unberührte Natur, aber auch alte, geschichtsträchtige Städte. Herrschaftliche Schlösser und kleine Adelspalais reihen sich aneinander, wie Perlen an einer Perlenkette.

Auch die kulinarischen Spezialitäten der regionalen Küche, die fast ausnahmslos hervorragend mit dem Wein harmonieren, machen die Loire zu einem Reiseziel, das Entdeckungen für alle Sinne verspricht. Die Weine, die dort entstehen, ergänzen diese Entdeckungen und verkörpern unverwechselbar die Region. Der Fluss beeinflusst das Terroir.

Das Klima

Sancerre und seine Weinberge

(c) Michael Ritter

Das Klima an der Loire, einem der nördlichsten Anbaugebiete Frankreichs, und der Fluss sorgen dafür, dass die Weine eine frische Säure haben, sehr fruchtig sind und über ein sehr zartes Aromenspiel verfügen. Gemeinsam ist ihnen ihre Eleganz, Mineralität und Frische, harmonisch verbunden mit ausgereifter Frucht und großer Ausdruckskraft. Dieses hohe Niveau wird von Weinen eines verblüffend großen Spektrums geteilt.

Die Weinsorten

Obwohl die Loire wegen Sancerre, Pouilly Fumé und Vouvray bei uns weitgehend als Weißweingebiet wahrgenommen wird, sind Rote im Kommen. Ihre wichtigsten Vertreter sind Cabernet Franc und Gamay, die in den Weingütern zu spritzigen Rosés und fruchtig-jungen, aber auch intensiv-komplexen Rotwein mit großem Potenzial vergoren werden. Bei den Weißen dominieren Chenin Blanc in der Touraine und der Sauvignon Blanc im Gebiet rund um Sancerre.

Während der Chenin Blanc gern trocken bis edelsüß in die Flasche kommt, wird Sauvignon Blanc ausschließlich trocken ausgebaut und überrascht mit einem ausgeprägten Alterungspotenzial. Auch für ihre Schaumweine ist die Loire berühmt. Mit dem Crémant ist sie nach der Champagne Frankreichs größter AOC-Schaumweinproduzent.

Referenz für viele

Ob frische, leichte und unkomplizierte Weine oder tiefe, nuancenreiche Gewächse voller Potenzial und Reife, der Fluss bietet ein breites Spektrum. Statt der in Frankreich üblichen Cuvées, werden die Weine an der Loire meist reinsortig gekeltert und können so das Terroir oft viel unmittelbarer präsentieren. Chenin Blanc aus Vouvray dient anderen Weinbauregionen ebenso als Referenz wie der Sauvignon Blanc aus Sancerre oder Pouilly Fumé.

Sancerre und Pouilly

Weinberge bei Sancerre

(c) Michael Ritter

Wir beginnen unsere Weinreise durch die Weinbauregionen der Loire in Sancerre. Der kleine Ort thront auf einem Hügel über dem Tal. Bevor man nach dem Krieg das Potenzial des Sauvignon Blanc erkannte, der in Pariser Bistros gerne als weißes Gegenstück zum Beaujolais ausgeschenkt wird, dominierte hier Rotwein und Gutedel. Das sehenswerte Maison des Sancerre informiert anschaulich über den Weinbau und die Region. Das Hotel Panoramic macht seinem Namen alle Ehre und bietet seinen Gästen einen weiten Blick über die Weinberge von Sancerre und Umgebung. Pittoresk im Zentrum des Dorfes liegt das kleine Restaurant La Tour in einem Fachwerkhaus aus dem 14.Jahrhundert, in dem das „Savoir-vivre“ der Küche förmlich nach Loire-Weinen und anderen regionalen Produkten, wie den Crottin de Chavignol, einen kleinen Ziegenweichkäse aus dem gleichnamigen Weindorf nahe Sancerre, verlangt. Der kleine Ort mit seinen steilen Weinbergen ist gut zu Fuß auf dem ausgeschilderten Wanderweg „La Boucle de Chavignol“ zu erkunden. Zur Einkehr lädt das Hotel „Les Monts Damnés“ mit einem guten Restaurant ein, in dem Hausherr Jean-Marc Bourgeois aufkocht.

Seine Familie stellt im Weingut Henri Bourgeois in zehnter Generation einige der besten Weißweine der Gegend her. In „Les Celliers de la Pauline“ im benachbarten Tauvenay zeigt uns Winzer Eric Louis die Besonderheit von Sancerre: Die weißen „terres blanches“ aus Ton und Kalkstein auf den Hügeln im Westen, die sich gut für elegante Pinot Noirs eignen, aber bei höherem Tonanteil auch schöne Weißweine hervorbringen, die kieshaltigen „caillottes“ mit ihrem weichen, gelben Kalkstein für feinen Weißwein und den „perruche“, einen mit Feuerstein durchzogene Lehmboden im Osten, der für duftige und langlebige Sauvignon Blancs steht. Wie Louis vinifizieren viele Winzer in ihren Kellern Weine der verschiedenen Bodentypen. Auch am anderen Ufer, rund um das burgundische Pouilly-sur-Loire, setzen Winzer wie der unlängst verstorbene Kultweinmacher Didier Dagueneau mit seinem Asteroide, Alain Cailbourdin mit seinem Tryptyque und Graf Henry d’Estutt d’Assay vom Chateau de Tracy mit seinem Haute Densité auf üppig-komplexe Sauvignon Blanc mit reichen und reifen Fruchtaromen. Den Namen Pouilly Fumé verdankt er dem leicht rauchigen Überzug der Beeren in der Reifeperiode.

Die großen Städte

Das Gebiet von Sancerre

(C) Michael Ritter

Weiter flussabwärts fließt die Loire durch große alte Städte wie Orleans, Blois, Tours und Angers. Das Klima wird wärmer, die Böden reichhaltiger – und damit ändern sich auch die Stilistik der Weine und die angebauten Rebsorten.

Menetou-Salem

Winzer der Loire

(c) Michael Ritter

Wir verlassen aber vorerst den Fluss und besuchen auf der Fahrt nach Bourges, die Hauptstadt des Berry, die Weinbauregion Menetou-Salon, die zu Unrecht im Schatten von Sancerre steht und mit ihr die Terres Blanche teilt. Schon im 11. Jahrhundert bauten Mönche hier Wein an und Winzer wie Philippe Gilbert produzieren ausgezeichneten Sauvignon Blanc.

Urige Gastlichkeit in Sancerre

(c) Michael Ritter

Doch die Loire ist nicht nur im Weinbau eine Region von großer Strahlkraft. Lange Zeit wurde Frankreich von hier aus regiert und die Schlösser und Kirchen machen noch heute viel von der touristischen Anziehungskraft der Loire aus. Kultur und Genuss finden dabei an der Loire eine ideale Paarung.

Bourges

Fachwerkhäuser Bourges

(c) Michael Ritter

In Bourges versperrte einst das Marais, ein großer Sumpf, den Zugang zur Stadt, über der sich seit dem Mittelalter die eindrucksvolle gotische Kathedrale erhebt, die mit ihren Glasfenstern und Skulpturenschmuck zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Die Kirchen und Adelshäuser der Stadt, wie den Palast von Jacques Coeur, dem reichen Finanzier König Karl VII., kann man an Sommerabenden bei einem musikalischen Rundgang erkunden. Zur Übernachtung laden gemütliche Chambres d’Hotes, wie Le Cedre Bleu ein.

Quincy und Reuilly

Die unterschiedlichen Weintypen

(c) Michael Ritter

Auf dem Weg nach Vierzon im Tal des Loire-Nebenflusses Cher liegen die beiden kleinen Anbaugebiete Quincy und Reuilly am Wegesrand, wo ebenfalls der Sauvignon Blanc dominiert. Quincy hat sich sogar ganz auf die Rebe konzentr, mit seinem Kalksteinboden erhielt schon 1936 als eine der ersten Weinbauregionen den AOC-Status und produziert auf seinen 220 ha ausgezeichnete Wein, der schon bei den französischen Herrschern hoch im Kurs standen. 1993 schlossen sie einige der jungen Winzer zusammen, um als Cave Romanee de Brinay ihre Weine gemeinsam zu vermarkten. Sie repräsentiert rund ein Drittel der Appellation.

Der Les Abesse zeigt schöne reife Fruchtaromen von Mango und Passionsfrucht. auf in Richtung Tours, der Hauptstadt der Touraine. Entlang des Flusses reihen sich die Weinberge und man kann auf dem Rad oder mit dem Wagen der Route des Vignobles folgen, die zu touristischen Weinkellern führt, die sich auf Besucher eingestellt haben. Einer davon ist Caves du Pére Auguste, wo Alain Godeau im schmucken Probenraum auch auf Deutsch willkommen heißt. Neben Chenin und Sauvignon Blanc sind es vor allem Cabernet und Gamay, die er anbaut.

Chenonceaux

Chenonceaux

(c) Michael Ritter

Chenonceaux, eines der malerischsten Schlösser ist nur einen Kilometer von dem Weingut entfernt und man sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen und auch das eindrucksvolle Königsschloss Amboise liegt in Wanderentfernung an parallel fließenden Loire. Der Valois-König Franz I. hatte Leonardo da Vinci als Planer dorthin geholt und schätzte das Urteil des Universalgelehrten, der im nahen Schlösschen Clos Lucé seine letzten Jahre verlebte.

Amboise

Blick von Amboise

(C) Michael Ritter

Von Amboise geht es flussabwärts in Richtung Tours. Der Chenin Blanc, der gerne mit Riesling verglichen wird und in der Region auch Pineau de la Loire genannt wird, findet trocken bis edelsüß oder als Schaumwein ausgebaut, auf den sandigen Tonböden von Montlouis-sur-Loire und den Kieslagen des gegenüberliegenden Vouvray seine schönste und finessenreichste Ausprägung.

Oft ist er in Deutschland noch immer ein Geheimtipp, denn die Topgewächse können durchaus bis zu zehn Jahre lagern und entwickeln in der Jugend schmeichelhafte Akazien- und Rosenaromen, die im Alter komplexen Aprikosen- und Quittennoten weichen. Teils haben die Winzer im Laufe der Jahrhunderte ihre Keller in den Tuffstein am Ufer getrieben, in denen der Wein in Edelstahl oder großen Holzfässern lagert.

Vouvray und Montlouis

Winzer Montlouis

(c) Michael Ritter

Kurz vor Tours schlägt das Herz des Chenin Blanc oder Pineau de Loire, wie er hier genannt wird. Sowohl Montlouis am Südufer wie Vouvray am gegenüberliegenden Ufer haben sich auf die mit dem Riesling verglichenen Rebsorte konzentriert. Der Schaumwein und die trocken bis süßen Stillweine können hier ihre beste Qualität erreichen, wie wir bei Benoit Gaultier in der Domaine de la Chataignneraie in Vouvray und stärker noch bei Francois Childaine in Montlouis mit seinen ausgezeichneten organisch erzeugten Spitzenweinen feststellen können.

Tours

Tours

(c) Michael Ritter

In Tours lohnt der Besuch des Guise-Turm aus dem 13. Jahrhundert und der gotischen Kathedrale aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. St. Martin ruht in der Krypta der nach ihm benannten Basilika. Beim Rundgang durch die belebte Altstadt lohnt ein Stopp an der Place Plumereau mit Fachwerkhäuern aus dem 15. Jahrhundert.

Auch kulinarisch hat Tours einiges zu bieten. Im Vorort Saint Avertin lädt das „L’Evigne“ mit einer vorzüglichen Kombination von Wein und Speisen und im benachbarten Joué les Tours das Chateau de Beaulieu, das neben historischen Zimmern auch einen vorzügliche Küche bietet.

Das Tal der Vienne

Winzer

(c) Michael Ritter

Weiter geht die Fahrt nach Ligre an der Vienne, wo auf der Domaine de la Noblaie der junge Jérôme Billard zeigt, was man aus dem Terror herausholen kann. Vater Francois ist Professor für Önologie und der Filius sammelte weltweit Erfahrungen an ersten Adressen, wie Pétrus in Pomerol und deren Weingut Dominus im Napa Valley.

Neben einem preisgekrönten Chenin Blanc schafft er mit dem Pierre de Tuf einen außergewöhnlichen Wein und zeigt, dass Chinon sich als Benchmark für reinsortigen Cabernet Franc, der dort auch Breton genannt wird, eignet.

Chinon

Chinon an der Vienne

(C) Michael Ritter

Chinon selbst wird von einer wehrhaften Burg aus dem 12. Jahrhundert beherrscht, die einst Residenz der Plantagenes war. Der Ort schrieb Geschichte, als Jeanne d’Arc 1429 dort erstmals auf König Karl VII. traf. Der Chenin Blanc war einst Lieblingswein von Francoise Rabelais und wer sich einen Überblick verschaffen möchte, sollte bei Rainer Schmidt im „La Pause Rabelaisienne“ vorbeischauen.

In seiner Vinothek führt der Deutsche eine große Anzahl von Weinen und liefert kenntnisreich die Grundlage für eigene Erkundungen entlang der Vienne. Ein Tipp fürs Abendessen: das rustikale „Les Années 30“.

Die Winzer von Chinon

Domain de Beausejur

(c) Michael Ritter

Winzer wie Philippe Alliet, Charles Pain, David Chaveau von der Domain de Beauséjour, Benoit Gautier von der Domaine de la Châtaigneraie und Wilfrid Rousse haben wesentlich dazu beigetragen, den Ruf des Cabernet Franc zu stärken. Das Niveau und die Typizität der geradlinigen Roten gelten viel in Übersee. Meist vermarkten die kleinen Weingüter ihre Weine direkt und bieten mit Degustationen, Gästezimmern und Gastroevents Weintouristen ein dankbares Ziel.

Biker können das gut ausgebaute Radwegenetz nutzen, dass an sehenswerten Weingütern vorbeiführt. Das Maison de la France bietet Broschüren, die eine Vorabplanung erleichtern. Eine schöne Erkundung der Loire ist auch von Bord der Amarante möglich, die Gästen vom malerischen Candes St. Martin aus die Loire näher bringt.

Die Links zu den Winzern

Weinberge bei Chinon

(c) Michael Ritter

http://www.montsdamnes.com
www.bourgeois-sancerre.com
http://www.maison-des-sancerre.com
www.la-tour-sancerre.fr
www.panoramicotel.com
www.bourgeois-sancerre.com/

(c) Connaisseur & Gourmet 2017