Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

Mit dem Rad durch den Kellerwald

Vesperhalt

(c) Michael Ritter

Radtour

(c) Michael Ritter

Mit dem E-Bike unterwegs im Kellerwald

Anfangs hatte ich Bedenken. In Frankfurt habe ich mein Fahrrad seit Jahren im Keller stehen, doch außer zu ein paar Ausflügen auf dem Radweg entlang des Mains hole ich es nicht heraus. Viel zu hektisch und aggressiv ist mir der Verkehr in der Großstadt, bei dem man auch immer Autofahrer und gedankenlose Fußgänger mit einplanen muss. Doch als ich mir hier im Wald oberhalb des Feriendorfs Frankenau mit den vielen holländischen Autos vor den Bungalows die bereitstehenden E-Bikes anschaue, überkommt mi ch wieder die Lust an der Bewegung.

Rund 15 Kilometer habe man mit uns geplant, alles angenehme Wege durch den dichten Buchenwald und ab und zu würden wir eine Pause machen, um uns etwas anzuschauen, zu essen oder einfach nur den Ausblick zu genießen.

Der Weg, den wir dabei nehmen ist ein breiter Wanderweg, der gut zu befahren ist, keine Gefahr, dass man bei zu tiefen Fahrspuren mit den Pedalen hängenbleibt. Zuvor gibt uns der Vermieter der E-Bikes eine kurze Einführung wie man die Räder bedient und dann kann es auch schon losgehen.

Große Steigungen hat man nicht eingebaut, denn wir starten schon von einem der höheren Punkte im Gelände. Die Fahrt geht schnell mitten in den Buchenwald. Wenn die Bäume erst mal in die Jahre gekommen sind, werden sie auch für die anderen Waldbewohner noch interessanter. Zum Beispiel für den Schwarzspecht, den man ab und zu klopfen hört. Der Vogel benötigt altes und weiches Holz, um im Baumstamm seine Höhle zu bauen. Bei schlanken, jungen Bäumen gelingt das nicht gut. Das ist der Vorteil des Nationalparkt, denn in den bewirtschafteten Wäldern werden die Buchen schon viel früher geschlagen.

Im Buchenwald

(c) by Willow (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Alter Baumbestand

Manche Bäume sind gewaltige Prachtexemplare mit mächtigem Stamm und dichtem Blattwerk, der den Baum hilft, die Feuchtigkeit aufzunehmen. Manche Bäume seien schon 200 Jahre alt und hätten dennoch eine weitere Lebenserwartung von gut 100 Jahren, von der wir nur träumen können, verrät uns unsere Begleiter.

Vor rund 3000 bis 4000 Jahren war ganz Deutschland mit Buchen bedeckt. Damals lebten allerdings nur sehr wenige Menschen dort. Als sie Bevölkerung nach der Zeitenwende fast explodierte brauchte die wachsende Bevölkerung Holz für die Hütten und Platz für Felder, wobei ihm fast die gesamten Buchen zum Opfer fielen.

In wenig konnte man eine ähnliche Entwicklung im 19. Jahrhundert in Nordamerika und im 20. Jahrhundert in den Regenwäldern Südamerikas sehen, wo die viele Jahrhunderte alten Patriarchen des Waldes der Gier der Großgrundbesitzer zum Opfer fielen. Ein Holocaust an den Baumgiganten. Das scheint der Name „Buchenwald“ gerade richtig gewählt. Wie auch immer. Nicht alle Waldbesitzer trieben Raubbau. Den Kellerwald nutzten die Fürsten von Waldeck für die Jagd, was den Buchen das Leben rettete.

Waldweg im Buchenwald

(c) Michael Ritter

Fahrt durch den Buchenwald

Mancherorts radeln wir durch echten Urwald, an den nie ein Mensch Hand angelegt hat. Der Besuch vor Ort begeisterte die strengen UNESCO-Gutachter so sehr, dass sie 2011 den Kellerwald zusammen mit vier anderen alten deutschen Buchenwäldern wie dem Hainich, Jasmund und Müritz sowie die Schorfheide und Wälder in den Karpaten, der Ukraine und der Slowakei zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärten.

Manchen wundert es, dass in Deutschland nicht die Eiche dominiert. Doch eigentlich ist ja auch die Eiche eine Buche. Genau genommen eine ihrer Untergattungen, genau wie die Kastanie. Ihren Siegeszug nahm die Buche in der Evolution, da sie als einziger Laubbaum auch im Schatten wächst und sich so Sprössling für Sprössling im Zusammenspiel mit den erwachsenen Bäumen breit macht und den Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes das Licht abdreht.

Wenn irgendwann mal ein Baum stirbt und stützt, wird er nicht weggeräumt, den das faulende Holz ist wichtiger Lebensraum für Käfer, Würmer und Spinnen, die den toten Baum besiedeln, ihn langsam zersetzen und dabei oft anderen Tieren als Nahrung dienen. Und irgendwann wächst auf dem so entstehenden Humus wieder ein Baum. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber er braucht die Natur, kommt einem da in den Sinn. Er kann die Natur genießen. Manchmal begegnet man übrigens doch Menschen, die im Nationalparkt arbeiten. Schäfer zum Beispiel, deren Herde gezielt einige der Flächen rund um den Edersee abgrast, denn manche der seltenen Pflanzen braucht solche Wiesen und den Service durch die Schafe.

Kapelle im Wald

(c) Michael Ritter

Schöne Ausblicke

Vesper

(c) Michael Ritter

Unsere Radtour führt entspannt am Hang entlang nach unten. In der Ferne sieht man von der Quernst-Kapelle als Begegnungsstätte zwischen Mensch und Natur bis hinüber zum nordrhein-westfälischen Rothaargebirge. An manchen Stellen sieht man in der Ferne den Edersee aufblitzen. Bevor wir unser Ziel erreichen machen wir noch Rast an einer alten Holzhütte, in der wir eine Vesper mit Leckereien aus der Region, wie Ahle Wurscht und Käse, vorgesetzt bekommen.

Ländlich geprägt, verfügt Nordhessen über zahlreiche Bauernhöfe, die als Direktvermarkter ihre selbst produzierten Waren verkaufen, aber auch Betriebe, die aus den heimischen Zutaten köstliche Spezialitäten zubereiten. So kann man ein Stück Heimat genießen

NationalParkZentrum

(c) Michael Ritter

Das NationalParkZentrum

Nahe am Ende des zur Edertalsperre aufgestauten Sees liegt das NationalparkZentrum, zu dem es die letzten Kilometer in flotter Fahrt hinuntergeht. Mit moderner Technik ausgestattet, vermittelt es multimedial außergewöhnliche Einblicke in die Wildnis des Nationalparks, die dem Menschen sonst verborgen bleiben. In den UrSchätzen der Wildnis erlebt der Besucher die unterschiedlichen Lebensräume des Nationalparks aus überraschenden Perspektiven und erfährt im WaldWerk viele kleine Geheimnisse der Buchenwälder und ihrer Bewohner. D

en Abschluss macht dann der Besuch im FilmRaum mit seinem einzigartigen 4D-Sinnefilm, der den Gast auf einem Streifzug mit dem Nationalpark-Ranger Streifzug durch die Wildnis begleitet.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017