Unsere Weintipps

Le Serre Nuove dell'Ornellaia

Le Serre Nuove

(c) Tenuta dell'Ornellaia

Es gibt Weingüter, die haben einen magischen Klang in den Ohren wahrer Weinliebhaber: Domaine Romanee Conti, Domaine Leflaive, Chateaux Petrus, Chateaux Margaux, Chateaux Lafite in Frankreich - um nur einige zu nennen, Screaming Eagle, Opus One in den USA, Dominio de Pingus, Alvaro Palacios und Vega Sicilia in Spanien, Egon Müller in Deutschland.

Auch Italien hat solche Ikonen, die als Vorbild für den Weinbau dienen und einen Vergleich mit den größten Weinhäusern der Welt nicht fürchten müssen. Eine davon ist zweifelsohne Ornellaia. Das malerisch in Bolgheri gelegene Ausnahmeweingut wurde 1981 von Lodovico Antinori aus Florenz gegründet, der es dann erweiterte und 1999 Robert Mondavi daran beteiligte, der es drei Jahre später für insgesamt wohl 35 Mio. US-Dollar vollständig übernahm und kurz darauf die Hälfte an die andere große Florentiner Weinfamilie Frescobaldi übergab, die weitere drei Jahre später alleiniger Besitzer des Weinguts wurde. Auf seinen 91 Hektar Rebfläche produziert es im vergangenen Jahrzehnt Weine in die Weinfreunde gut investieren können, denn hinsichtlich der Qualität hat sich spätestens seit der Übernahme noch einmal einiges getan, wenn man die neuen Weine betrachtet, die seitdem auf den Markt kommen. Zum einen liegt das sicherlich an den älter werdenden Reben und der eingeführten rigoroseren Beschränkung der Menge, zum anderen aber auch daran, dass man - wie oft im Bordeaux - mit Le Serre Nuove einen Zweitwein eingeführt hat.

Die Weine von Ornellaia, allen voran der namensgleiche Hauptwein Ornellaia, werden heute in 60 Ländern der Erde getrunken, doch gut zwei Drittel finden immer noch ihre Liebhaber in Italien. Der Preis ist hoch für einen italienischen Wein, doch das kann man sich erlauben, denn die Nachfrage übersteigt - auch dank des vorzüglichen Marketings - das Angebot deutlich. Die Weinberge des Familienbetriebs liegen - wie viele der Toplagen des kleinen Weinbaugebiets an der toskanischen Küste - etwa zur Hälfte entlang der Via Bolgherese und der Rest im später zugekauften nordwestlich am Ortsausgang von Bolgheri gelegenen Weinberg Bellaria. Bei den Rebsorten setzt die Kellerei auf klassische Bordeaux-Sorten wie Cabernet Sauvignon (43 ha), Merlot (33 ha), Cabernet Franc (7 ha) und Petit Verdot (8 ha). Bolgheri hat sich als ideales Anbaugebiet dafür erwiesen, denn die Böden sind je nach Unterregion vulkanischen, marinen oder alluvialen Ursprungs. Die Nähe zum Mittelmeer und der abschirmende Schutz der dahinter liegenden Hügel schaffen ein für die Trauben optimales Mikroklima, wenn auch in der Hitze des Sommers stets ein sanftes Lüftchen entlang der Küste bläst.

Ein großer Vorteil ist das Knowhow einiger der größten Weinbauern der Welt, dass seit der Gründung vor 36 Jahren in den Betrieb fließt. Dazu hat man sich mit dem Franzosen Michel Rolland, der weit über 100 Weingüter weltweit als Önologe betreut, die meisten aber in Bordeaux, einen Kenner für hochkonzentrierte Rotweine an Bord geholt. Fast immer setzt Rolland bei den von ihm betreuten Weinen auf hochreifes Lesegut das durch reichlichen Einsatz neuen Holzes seinen Charakter schärft.

Oft sind es die vom Merlot geprägten vollmundigen, geschmeidigen und harmonischen Weine des Gebiets um Saint-Émilion und Pomerol, die ihm dabei als Maßsschnur gelten Als Winemaker ist seit 2005 der Deutsche Axel Heinz für die Weine verantwortlich. Heinz freut sich darüber, dass sein Weingut, verglichen mit anderen Weingütern in Italien mit ausreichend Personal ausgestattet ist, um im Weinberg, in dem generell per Hand gelesen wird, schnell einschreiten zu können, wenn Not am Mann ist. Heinz vergärt das Lesegut der einzelnen Parzellen jeweils getrennt voneinander, da sie die unterschiedlichen Facetten wie Boden, Sonneneinstrahlung und Rebsorte ausdrücken sollen. Erst nachdem sie ein Jahr lang im Barrique gereift sind, bringt er sie zusammen und erreicht auch in eher problematischen Jahren oft bessere Ergebnisse als seine Kollegen.

Der große Hugh Johnson urteilt sehr positiv über das Weingut: "Der Ornellaia ist ein immens üppiger Wein mit herrlicher Geschmackstiefe. Wuchtiger und kraftvoller gibt sich gewöhnlich der Masseto. Beide zählen zu den besten (und teuersten) Roten Italiens. Selbst die zweite Garnitur, Le Serre Nuove und Le Volte, sind köstlich."

Mit einen Preis von rund 160 Euro pro Flasche liegt der Ornellaia, der jedes Jahr wie selbstverständlich die begehrten 3 Gläser des Gambero Rosso einstreicht, preislich zwar noch unter den meisten Spitzenweinen des Bordeaux, doch ist der elegante, finessenreiche Wein aus je einem Drittel Cabernet Franc und Merlot, 14% Cabernet Sauvignon und 20% Petit Verdot mit seinem rassigen Duft nach Kirschen und schwarzen Beeren für viele Weinfreunde unerschwinglich. Von dem Merlot Masseto ganz zu schweigen, der zu Flaschenpreisen ab 700 Euro zu erwerben ist und schon im Vorverkauf zu rund 500 Euro gehandelt wird.

Deshalb konzentrieren sie sich lieber auf den Le Serre Nouve, der längst mehr ist als ein einfacher Zweitwein. Ausdrucksstark präsentiert der 2015er, der zu zwei Drittel aus Merlot und 17% Cabernet Sauvignon, 9% Petit Verdot und 10% Cabernet Franc aus den jüngeren Weinbergen des Weinguts komponiert wurde, große Klasse. Die alkoholische Gärung erfolgte zwei Wochen lang in Edelstahl bei 26° bis 30°C, gefolgt von rund zwei Wochen Maischestandzeit, Die malolaktische Gärung begann in Edelstahl und wurde dann in ein Viertel neuen und drei Viertel alten Barriques abgeschlossen. Der Wein verblieb 12 Monate in den Barriques, wurde dann zusammengestellt und weitere 3 Monate in den Fässern gelagert. Nach der Flaschenabfüllung kam er nach sechs Monate Reifelager auf den Markt. Axel Heinz ist stolz auf ihn, denn er "steht für einen außergewöhnlichen Jahrgang, der Reife, Substanz und ein sehr angenehmes Aroma in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis vereint." Ein Wein von kräftiger aber junger Farbe, einem intensiven, reifen Fruchtgeschmack, dem die leicht würzigen Röstaromen nicht abgehen und der einen runden, samtigen Geschmack entfaltet und ein gutes Gleichgewicht zwischen Konzentration, Frucht und Eleganz erzielt. Für knapp 45 Euro sicherlich kein Wein für alle Tage, doch ein guter Wein für besondere Gelegenheiten.

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