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Frescobaldis neues Chianti Classico

Frescobaldis Tenuta Perano

Tenuta Perano

(c) Frescobaldi

Frescobaldis neues Chianti Classico-Weingut

Die Marchesi Frescobaldi zählen zu den bekanntesten und angesehensten Weindynastien Italiens. Mitte November stellte jetzt in München Marchese Lamberto Frescobaldi als Chef des Unternehmens zwei neue Weine seines neusten Weinguts „Tenuta Perano“ vor. Die Voraussetzungen für exzellente Weine sind gut, denn das neue Weingut liegt unweit bei Gaiole in Chianti im Herzen des hervorragend für die Produktion von Sangiovese geeignet ist, der die Basis des Chianti Classico liefert.

Zusammen mit MW Romana Echensperger präsenierte der Marquis, dessen Familienunternehmen auf eine 700-jährige Weinbaugeschichte zurückblicken kann, das rund 250 Hektar große Weingut, dessen Weinberge optimal nach Süd-West ausgerichtet sind. Schon 2014 hatte Frescobaldi das Weingut gepachtet und als sich im vergangenen Jahr die Gelegenheit zum Kauf bot, schlug er zu, um damit sein Weinangebot weiter abzurunden.

Mit dem Jahrgang 2014 war Lamberto Frescobaldi noch nicht zufrieden und wartete lieber ein weiteres Jahr, um seinen Kunden einen äußerst hochwertigen Jahrgang bieten zu können, der die für das Terroir übliche Komplexität mitbringt. Der Jahrgang 2015 war es dann und so brachte das Unternehmen ihn in diesem Frühjahr als ersten eigenen Jahrgang auf den Markt. Jetzt ist er auch in Deutschland erhältlich. Wir konnten ihn verkosten und waren angetan von dem durch und durch gelungenen Jahrgang, der in den Qualitätsstufen Chianti Classico Annata und Chianti Classico Riserva auf den Markt kam.

Sicherlich hat auch der außergewöhnlich heiße Sommer dazu beigetragen, der nach einem milden und durch die Schneeschmelze wasserreichen Frühjahr und folgende optimalen Klimabedingungen mit guter Tag-Nacht-Schwankung zu einer trockenen Lese im letzten Septemberdrittel führte.

Der Annata ist ein Wein voll intensiver Fruchtaromen und mit gelungener Tanninstruktur. Neben Sangiovese, der mit mindestens 85 Prozent die Hauptsorte des Chianti Classico darstellt, hat Frescobaldi auch „ergänzende Rebsorten“ verwendet, wie er auf dem Datenblatt ausführt. Zumindest beim 2015er Jahrgang versteckt sich dahinter wohl Merlot. Das Bukett des Frescobaldi Tenuta Perano Chianti Classico DOCG verströmt florale Noten und einen schönen Duft von reifen Himbeeren und Brombeeren. Der Merlot macht sich mit schönen Kirscharomen bemerkbar. Neben dem Ausbau in Edelstahl wurde ein Teil des Weines für zwei Jahre in Barrique ausgebaut, was für balsamische Thymian und Eukalyptus-Noten sorgt und das Geschmackserlebnis abrundet.

Noch eine Spur eleganter und geeignet für eine längere Lagerzeit ist der Riserva 2015 mit schönen Aromen von Veilchen und Moschus, Rosen und fruchtigen Noten von schwarzen Johannisbeere mit einem Hauch Pfeffer und Muskat. Auch hier ist Merlot ein geeigneter Partner des Sangiovese. Rubinrot von der Farbe spürt man den Duft von Brombeere und Kirsche. Der Merlot macht ihn ausgewogener und harmonischer. Der noch recht junge Chianti verfügt über eine gute Tanninstruktur, sollte aber ein paar Jahre lagern, um sein Potenzial voll aussielen zu können.

Die Tenuta Perano ist nicht das einzige Chianti-Weingut des Hauses Frescobaldi. Mit der Tenuta Castiglione und Remole ist das Unternehmen mit Sitz in Pontassieve in den Colli Fiorentini vertreten, mit dem Castello Nipozzano verfügt Frescobaldi vor den Toren der toskanischen Hauptstadt Florenz über ein renommiertes Weingüter im Chianti Rufina, das Dank der Arbeit Frescobaldis über das höchste Ansehen der Chianti-Untergebiete verfügt, aber international weniger gut bekannt ist. Noch unbekannter ist das einst ebenfalls zu Chianti Rufina gehörende Castello di Pomino, jetzt eine eigene Appellation, in dessen bis auf 900 Metern hinaufreichen Weinlagen herrlich finessenreicher Chardonnay und Spätburgunder gedeiht.

Es spricht für Frescobaldi, das man sich Zeit beim Kauf eines Chianti-Classico-Weinguts gelassen hat. Man sucht danach schon seit zwei Generationen und hat kritisch Terroir, Lage und Höhe über dem Meer betrachtet, bevor man mit dem Vorbesitzer handelseinig wurde. Anders als im Rufina-Gebiet, das zu den Hängen des Apennin hinaufreicht, sind die Hügel des Chianti Classico niedriger. Doch in einer Höhe von rund 500 Metern kann man auch dort die für die Entwicklung des Weins wichtigen Temperaturschwankungen zwischen der Hitze des Tages und der Kühle der Nacht nutzen. Ideal ist auch die muschelförmige Ausrichtung der Weinberge, die an ein Amphitheater erinnert. Im Zusammenspiel mit der Höhe und dem Gefälle der Weinberge gedeiht dort ein außergewöhnlicher Sangiovese von hoher Qualität.

Um einen optimalen Wein machen zu können, musste Frescobaldi allerdings zuvor in einen grundlegenden Update des Weinkellers investieren, damit das Weingut in der schönen von Weinbergen umgebenden Lage, seine Weine auch gemäß den hohen Standards des Unternehmens vinifizierten und reifen lassen konnte. Zwar hatte Frescobaldi das Unternehmen schon 2014 gepachtet, doch war Lamberto Frescobaldi mit dem damaligen Ergebnis noch nicht zufrieden und wartete lieber ein weiteres Jahr, um seinen Kunden einen äußerst hochwertigen Jahrgang bieten zu können, der die für das Terroir übliche Komplexität mitbringt.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017