Die besten Biere

Besuch beim chinesischen Bierfestival

Tsingtao Draft Beer

(c) Michael Ritter

Das Denkmal der 4. Mai-Bewegung

(c) Michael Ritter

Mancher nennt es das chinesische Oktoberfest und hat damit nur deshalb Unrecht, weil die Veranstaltung im August stattfindet. In ein paar Tagen ist es dann wieder soweit, wenn in Qingdao das seit 1991 alljährlich veranstaltete Internationale Bierfestival in der „Internationalen Bierstadt“ im östlich der Stadt gelegenen Urlaubsgebiet Shilaoren startet. Eröffnet wird das Festival in diesem Jahr am 12. August 2017 und dauert 16 Tage bis zum Sonntag, den 27. August 2017. Neben Bierproben gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Fest mit Festspielen, Modenschauen, einem Festumzug und einem großen Feuerwerk über dem Meer. Auch Fachleute können dazulernen, denn begleitet wird der Event von einem Symposium über die Brautechnologien.

Schon seit mehr als 100 Jahren ist Qingdao mit dem berühmten Tsingtao-Bier verbunden, denn in der kurzen deutschen Kolonialgeschichte zwischen 1897 bis 1914 braute die Germania-Brauerei ab 1903 das Tsingtao-Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot. Heute ist Tsingtao zwar nicht die größte aber die wohl bekannteste Biermarke Chinas. Weltweit liegt die Brauerei mit ihren Exporten in alle Welt und einem Anteil von knapp vier Prozent der Weltbierproduktion auf Platz 6 unter den Top Ten. Das Etikett ziert der "Pavillon der sich brechenden Wellen" am Ende der Landungsbrücken - noch heute ein Wahrzeichen von Qingdao. Doch beim Bierfestival werden neben Tsingtao-Bier auch 400 weitere Biersorten aus vielen Ländern präsentiert. Mit rund drei Millionen Besuchern ist die Veranstaltung etwa halb so groß wie das Münchener Oktoberfest – aber sie ist ja auch noch vergleichsweise jung.

Der Besuch der 7-Millionen-Metropole lohnt allein schon wegen der schönen Strände und des Villenviertels mit seinen alten europäischen Bauten. Wirkt die Stadt dort recht beschaulich, so boomt das Zentrum und an den Rändern entstehen im rasenden Tempo neue Hochhaussiedlungen - wie vielerorts in China. Damit der Verkehr nicht völlig absäuft, sind derzeit fünf U-Bahnlinien im Bau, was den Straßenverkehr im Zentrum ziemlich zähflüssig macht. Doch Qingdao ist da moderner als viele europäische Metropolen. Ein modernes Leitsystem an den Einfallstraßen informiert Autofahrer rechtzeitig über neuralgische Punkte. Auf der Fahrt vom Flughafen kommt man dann an der Jiaozhou-Bucht-Brücke vorbei, der mit 42 Kilometer Länge kurze Zeit längsten Meeresbrücke der Welt, die Qingdao mit der Halbinsel Huangdao verbindet und Pendlern 30 Kilometer Weg spart.

Ebenfalls am Weg liegt der hochmoderne Bahnhof, der ähnlich wie in Frankreich auf der grünen Wiese errichtet wurde, um die Belastung durch den Trassenbau nicht zusätzlich zu erhöhen. Was für ein Unterschied zu dem noch aus deutschen Zeiten stammenden Hauptbahnhof der Stadt, der nach wie vor in Betrieb ist. Die Hochgeschwindigkeitszüge bewältigen die Fahrt ins 1300 Kilometer entfernte Shanghai in sieben Stunden. Peking ist in knapp fünf Stunden erreicht. Bei Fahrkartenpreisen um die 75 bzw. 45 Euro ist die Weiterreise mit dem Zug absolut überlegenswert.

Neben der Internationalen Bierstadt gibt es in Qingdao natürlich noch das alte denkmalgeschützte Brauhaus, das man zum 100. Jubiläum in das erste chinesische Biermuseum verwandelte. Bei der Führung durch die alten Produktionsanlagen und Laboratorien erfährt der Besucher auf Fotos, in Texten und mit zahlreichen Geräten viel Wissenswertes über die Kultur und Brautechnik und die Geschichte der Brauerei und ihre Entwicklung bis zur Blütezeit. Zum Abschluss gibt es dann in der Bar des Biermuseums ein frisch gezapftes Bier und einen umfangreichen Gift Shop. Wer mag, kann hinterher bei einem Bummel über die Dengzho Li, die ehemalige "Hauptmann-Müller-Straße" oder jetzige "Bier-Straße" vor dem Museum in die eine oder andere der mehr als 60 Kneipen und Bierläden einkehren, die sich dort eng an eng aneinanderreihen und in denen man nicht nur weiteres frisch gebrautes Bier genießen kann, sondern auch jede Menge leckere Meeresfrüchte.

Wer etwas Zeit mitbringt, sollte einen Besuch am Berg Lao Shan, ein paar Kilometer außerhalb von Qingdao planen. Der Berg ist einer der wichtigsten Stätten des Daoismus in China, der neben Konfuzianismus und Buddhismus eine der Drei Lehren ist, die das Land prägen und der seit fast 2.500 Jahren mit Laotses Tao te king eine humanistische Staatslehre predigt, die die Befreiung von Gewalt und Armut und die dauerhafte Etablierung eines harmonischen Zusammenlebens und somit den Weltfrieden zum Ziele hat. Ziele die nicht nur für Chinesen heute wichtiger denn je sind. Eine riesige Statue Laotses thront heute über der zauberhaften Tempelanlage zwischen Berg und der zerklüfteten Küste (c) Michael Ritter

Pavillon der sich brechenden Wellen

(c) Michael Ritter

Kirche in Qingdao (c) Michael Ritter
Kirche in Qingdao (c) Michael Ritter
Tempel am Lao Shan (c) Michael Ritter
Tempel am Lao Shan (c) Michael Ritter
Bummel auf der Promenade (c) Michael Ritter
Bummel auf der Promenade (c) Michael Ritter
Alte Villa im Villenviertel von Qingdao (c) Michael Ritter
Alte Villa im Villenviertel von Qingdao (c) Michael Ritter

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