Zu Gast (nicht nur) in Euopas Weinregionen

Spannende unbekanntere Ziele entdecken

Zur Weinlese nach Dänemark?

Weinberge in Dänemark

(c) Dyrehøj Vingaard

Keine Frage - die Dänen mögen Wein. Knapp 35 Liter trinkt der Durchschnittsdäne pro Jahr, ein gutes Drittel seines Bierkonsums, doch der ist inzwischen rückläufig. König Christian IV. musste vor rund 400 Jahren für seine zahlreichen Feste noch fassweise Riesling vom Rhein importieren, dafür gibt es heute eine Alternative: dänischer Wein. Nachdem das kleine Königreich von der EU als Weinbaugebiet anerkannt ist, darf dänischer Wein zu kommerziellen Zwecken angebaut und verkauft werden.

Die Namen der beliebtesten Rebsorten sind vielen Weinfreunden (noch) weitgehend unbekannt, wie die rote „Rondo“, die man während des Kalten Kriegs in der damaligen CSSR aus klimarobusten Sorten mit kurzen Vegetationszeiten gezüchtet wurde oder Ungarn, die mit der Weinweintraube „Reform“ etwas lieferten, was eher Freunde der Tafeltraube begeistert.

Also warum nicht Wein aus Dänemark? Obwohl viele den Weinbau mehr mit Reisen in südliche Länder verbinden, macht der Klimawandel auch im Norden vieles möglich und das Klima in Røsnæs, am westlichsten Punkt der Insel Seeland direkt am Großen Belt gelegen, gehört mit jährlich durchschnittlich 523 Millimetern Niederschlag und 1.830 Sonnenstunden zu den trockensten und sonnenreichsten im Land. Selbst der nicht gerade optimale zurückliegende Sommer war hier trockener als im übrigen Urlaubsland.

In den kommenden Wochen beginnt dort die Weinernte 2017, die im Oktober ihren Höhepunkt erreicht. Besuchs-Weingüter wie Dyrehøj Vingaard in der Ferienregion Westseeland laden Gäste zu Rundgängen im Weinberg und Kostprobe. Der Höhepunkt liegt meist im Oktober in der 42. Kalenderwoche, den dänischen Herbstferien. Seit 2000 offiziell von der EU anerkannt ist Dänemark in die vier Anbaugebiete Jütland, Fünen, Seeland und Bornholm eingeteilt.

Dänemarks größtes Weingut liegt im Nordwesten von Seeland auf der Halbinsel Røsnæs unweit von Kalundborg: Umgeben vom milden Klima der Ostsee wachsen auf dem Dyrehøj Vingaard rund 26.400 Weinstöcke. Weinfreunde und andere Dänemarkurlauber können sich dort in den Herbstwochen selbst ein Bild von den Saisonaktivitäten und den Weinen machen.

Es zählt, wie auch Skærsøgård in Dons bei Kolding, zu den dänischen Weingütern, die sich auf Besucher eingestellt haben. Auf Wunsch werden auch geführte Rundgänge angeboten. Neben ausgedehnten Spaziergängen durch die Weinhänge von Dyrehøj lädt auch die kontrastreiche Natur der Westküste Seelands zu Wanderungen, Radtouren und anderen Erlebnissen ein.

Meist sind es Rotweine, die in Dänemark wachsen und sich durch steigende Qualität und Quantität auszeichnen. Das Dansk VinCenter hat als Impulsgeber in den 1990er Jahren rund 200 Rebsorten darauf untersucht, ob sie mit dem dem nordischen Klima klarkommen. Die Rotweinsorten Rondo, Leon Millot, Castel und Regent haben dabei besonders gut abgeschnitten, nachdem man anfangs daran zweifelte, ob überhaupt etwas wächst. Doch inzwischen folgen die Weine durchaus ihrem eigenen Stil. Das Anbaugebiet Bornholm besteht übrigens aus einem einzigen Winzer, für den aber ein eigener Verwaltungsbeamter zuständig ist – möglicherweise einmalig in Europa.

Als in diesem Jahr die Verkostung „Dansk Vinsue“ stattfand rangen 275 Weine im Wettbewerb um die Gunst der Experten – so viele wie nie zuvor in der kurzen Geschichte des dänischen Weinbaus. Der bereits 1993 gegründete Verein Dänischer Weinbauern (dän. Danske Vinavlere) hat zurzeit schon rund 1.140 Mitglieder, von denen aber nur 64 hauptberuflich Wein erzeugen. Noch sucht man zwar in großen und kleinen Wineguides, wie dem gerade bei Hallwag erschienenen Kleinen Johnson 2018 vergeblich nach skandinavischen Weinen, doch auch Hugh Johnson reagiert - mit Blick auf England - auf den Klimawandel und schreibt in seinem Vorwort "Winzer am warmen Ende der für den Weinbau geeigneten Regionen sind zunehmend alarmiert deswegen. Wer es sich leisten kann, trifft Vorsorge und kauft Land in kühleren Gebieten. Möglicherweise werden bald noch viel mehr Champagnerhäuser Land in England kaufen. Unter dem Strich aber hat sich der Effekt von geringfügig höheren Temperaturen und einer längeren Reifungsperiode bisher günstig ausgewirkt. Die Weine sind besser und vielfältiger als früher. Der Gedanke, wie dick dieses Buch in ein paar Jahren sein könnte, beunruhigt mich jetzt schon."

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