Zu Gast (nicht nur) in Euopas Weinregionen

Spannende unbekanntere Ziele entdecken

Zu Gast in den Weinbergen des Trentino

Weinberge im Tal der Etsch

Trentino Sviluppo Dipartimento Turismo e Promozion; Fotograf Romano Magrone

Auf dem Domplatz von Trento

Trentino Sviluppo Dipartimento Turismo e Promozione Foto Ronny Klaulehn

Die Weine entlang der Etsch

Rund 10.000 Hektar Weinberge und eine Gesamtproduktion von 700 bis 900.000 hl machen das Trentino nicht zu einem der großen Weinbaugebiete Italiens. Allerdings sind davon gut 70 Prozent DOC-Weine. Das Klima, die Böden und harte Arbeit sind die Wurzeln der Qualität. Das Gebiet erstreckt sich von den schneebedeckten Dolomiten bis hin zu den sonnigen Gestaden des Gardasees mit einer beeindruckenden Vielfalt an unterschiedlichen Landschaften, die Weine mit Charakter liefern.

Der überwiegende Teil der Weine stammt aus dem langgestreckten Tal der Adige, wo autochthone Reben, wie Marzemino oder Teroldego auf ihre internationalen Kollegen, wie Chardonnay oder Pinot Grigio treffen. Einige der Weine sind perfekte Alltagsbegleiter, andere haben das Zeug auch den anspruchsvollen Geschmack der Kenner zu überzeugen.

Es ist die gelungene Kombination an wärmender Sonne und dem Schutzschild der Berge, der die Bedingungen für den Weinbau im Trentino so gut gestaltet. Durch das mediterrane Klima, das der Gardasees weit in die Bergregion hinaufführt können selbst Rebsorten, die zu den Spätkommern zählen in den kühlen Bergen noch gut gedeihen. Wie ein großer Kamin zieht das Tal der Etsch die warmen Winde wenn es grünt aus der Poebene nach Norden und sorgt in Trento und auch weiter nördlich im Südtiroler Bozen für ein mediterranes Klima. Der felsige Grund, auf den die Reben in den Hangzonen stehen sorgt zudem für eine ausgesprochen hohe Qualität der Weine dieses Terroirs.

Als einer der Stars konnte sich der Grauburgunder oder Pinot Grigio entwickeln. Er ist die hier am meisten angebaute Rebsorte, doch auch Chardonnay und Müller-Thurgau bilden ein Rückgrat der Weißweine der Region und begeistern Weinfreunde mit unnachahmlicher Frische, saftiger Frucht und einer angenehmen Säure, welche so gut wie alle Weißweine des Trentino teilen.

Doch auch die Rotweine des Trentino können begeistern. Schon der junge Mozart, der auf seinen Reisen dreimal die Region passierte hat den Marzemino in seiner Oper „Don Giovanni“ zusammen mit seinem italienischen Librettisten Lorenzo da Ponte ein Denkmal gesetzt. Aber besonders der Teroldego steht für einen kernigen Rotwein, der in Farbe und Bukett intensiv herüberkommt und mit seinem intensiven Beeren-Aromen beeindruckt. Beide stehen – wie die Weißweine – für fruchtiges Aroma und stehen mit der leichten Bitternote für absolut stimmigen Genuss.

Doch man kann die Aufzählung der Weine des Trentino ohne eines ihrer echten Highlights abschließen: den prickelnden Trento DOC Brut für den Chardonnay und Pinot Noir die Hauptrolle spielen. Es ist jetzt schon mehr als 100 Jahren her, als 1902 der Winzersohn Giulio Ferrari das Herstellungsverfahren der Champagne ins Trentino brachte, anwandte und mit einer kleinen Produktion einen Schaumwein höchster Qualität hervorbrachte, den man in jedem Fall probiert haben sollte. Im Laufe der Jahre kamen weitere Betriebe hinzu und es wurde das Istituto Trento D.O.C. Metodo Classico gegründet. Seit 1993 darf der Trentodoc als erster Schaumwein der Welt nach der Champagne die klassische Methode sein Eigen nennen. Er muss dabei strengen Regeln folgen, qualitativ hochwertige Trauben verwenden, ein langen Kontakt mit den Hefen erlauben und den Wein mindestens 15 Monate lang reifen lassen. Die Farbe ist strohgelb und kann beim Riserva noch etwas intensiver ausfallen. Seine Perlage ist er fein und dauerhaft, der Duft delikat und fruchtig.

Trento DOC

Trentino Sviluppo Dipartimento Turismo e Promozione Foto Carlo Baroni

Giulio Ferrari und der Trento DOC

Giulio Ferrari war damals Schüler der kaiserlichen Agrarschule in San Michele, die auch heute noch wichtigste Ausbildungsstätte der jungen Weinbauern der Region ist. San Michele liegt am Rande der großen Rotaliana Ebene auf der beschützten Südseite der Alpen, wo mediterranes Klima und kühlere Alpenluft aufeinander treffen. Die sich dort ergebenden Schwankungen zwischen warmen Tagen und kühlen Nächten favorisieren mit einem regelmäßigen Wind vom Gardasee die Gesundheit der Trauben und fördern die Entwicklung der Aromastoffe, die für Eleganz und charakteristische Harmonie der Weine stehen. Ein Mikroklima mit Einflüssen des Mittelmeers und der Alpen. Wer das Trentino besucht, sollte sich auf eine önogastronomische Tour einlassen, auf der die berühmten Weinberge eine Hauptrolle spielen. Jedes Tal, jeder Hang, jede Ecke des Trentino bringt einen besonderen Wein hervor.

Besonders interessant sind dabei die autochthonen Weine. Unter den Weißweinen findet man dort beispielsweise den Nosiola, der im Hügelgebiet des Valle dei Laghi und des Val di Cembra gedeiht: Sein einfacher und zarter Geschmack macht ihn zum charakteristischsten Wein dieser Provinz.

Aus der Trocknung seiner Trauben gewinnt man auch den wertvollen Vino Santo Trentino. Unter den Rotweinen hingegen sind die typischsten und die bereits erwähnten Marzemino Gentile und der Teroldego. Der junge, fruchtige Marzemino ist ein leicht säuerlicher Rotwein der am besten auf den Basaltböden des Vallagarina gedeiht. Der bereits seit dem Mittelalter belegte Teroldego, dem 2004 die Forscher von San Michele eine enge Verwandtschaft zum Lagrein und Syrah nachwiesen, kann in der Rotaliana Ebene den für die Rebe charakteristischen Geschmack voll entfalten. Leider reizen viele Winzer das Potenzial nicht aus und produzieren viel Belangloses. Besonders die großen Genossenschaften sehen in ihm eher einen einfachen, gern offen verkauften Wein für die bäuerliche Küche der Region. Eine Mitschuld daran trägt sicher auch die Wissenschaft, die zur Erzielung höherer Erträge seit den 1960ern einen ertragreicheren Klon züchtete, der schnell seine Verwandten ersetzte und für die Beliebigkeit des Teroldegos mitverantwortlich ist.

Schade, denn einige Winzer zeigen, was man aus dem Original machen kann und lohnen den Besuch.

Weinberge im Trentino

Trentino Sviluppo Dipartimento Turismo e Promozione Fotograf Ronny Klaulehn

Besuch bei den Topbetrieben

FERRARI

Was einst klein mit Giulio Ferraris aus der Champagne mitgebrachten Kenntnissen begann, ist inzwischen zu einem beachtlichen Unternehmen herangewachsen und die Schaumweine des Hauses lobt nicht nur der renommierte Weinführer Gambero Rosso als die „edelsten Perlen Italiens“. 1952 wurde die Firma von Bruno Lunelli übernommen, der die Produktion ausbaute und auf über 100.000 Flaschen Sekt jährlich steigerte. Seine Söhne Gino, Franco und Mauro führten das Unternehmen zu seiner heutigen Größe, wo es durch die dritte Generation der Familie von Mattheo, Camilla und Marcello Lunelli geleitet wird. Die Sektherstellung folgt dabei den uralten Methoden. Die reifen Trauben werden gepresst, gekeltert und zweimal fermentiert. Zum Abschluss erhält der Wein den „liqueur de tirage“ und ruht zwei bis zehn Jahre in den dunklen, kühlen Kellern des Hauses neben der Autobahn zum Brenner. Täglich wird jede Flasche etwas gedreht, damit sich keine Sedimente festsetzen können. Alle Jahre wieder feiert er und die anderen italienischen Fachpublikationen den Trentodoc und auch der Wine Spectator lobt den Hersteller für „Jahrgangsschaumweine…, die den Vergleich mit den kostbarsten und teuersten Champagnern nicht zu scheuen brauchen”. Das Topprodukt Giulio Ferrari Riserva del Fondatore 2006 hat sich fast auf ein Abo der 3-Gläser-Auszeichnung eingestellt. Mit dem leichten Surgiva Mineralwasser, das die italiensichen Sommeliers als offizielles Wasser gekürt haben, hat sich Lunelli eine Goldquelle erschlossen. Mit einer Beteiligung an Bisol ist man auch ins Prosecco-Geschäft eingestiegen, mit der Tenuta Podernovo ist man nahe Pisa in der Toskana aktiv, in dem beeindruckenden Bau der Tenuta Castelbuono bei Montefalco produziert man erstklassigen Sagrantino.

CAVIT

Ein direkter Nachbar von Ferrari ist Cavit. Man könnte fast annehmen, die guten Beziehungen der Italiener bzw. der Venezianer zur Türkei sind verantwortlich für diesen Namen, der auf Türkisch „ewig“ bedeutet, doch gefehlt – der Name ist eine Abkürzung für Cantina Viticoltori del Trentino.

Die 1950 gegründete Vereinigung der Trentiner Weinbauern vereint zehn Trentiner Winzergenossenschaften mit den angeschlossenen 4.500 Winzern. Dabei sammelt, prüft und selektiert man hochprofessionell deren Grundweine und kontrolliert alle Phasen bis zur Abfüllung und Vermarktung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im unteren Segment ist Cavit für trinkbare Weine zum günstigen Preis zuständig, aber auch für Weinfreunde liefert man durch zahlreiche Auszeichnungen prämierte Qualität. Neben der fast wie eine Fabrik wirkenden Kellerei in Trento residiert das Unternehmen in dem bezaubernden alten, als Bergbauernhof absolut unterbewerteten Maso Toresella am Tobliner See. Inmitten von 6,5 ha Weinbergen hat man dort mit dem Istituto Agrario di San Michele all’Adige ein Versuchszentrum aufgebaut, mit dem man hochwertigste Produkte wie die Linie „I Masi trentini” zu echten Crus entwickeln möchte.

ENDRIZZI

Paolo Endrici und seine deutsche Frau Christine führen den Vorzeigebetrieb in San Michele. Ziel des Weingutes ist es, gesunde Weine auf nachhaltige Weise zu erzeugen. Vom Stil her sind diese Weine einzigartig: im Herzen der Alpen zwischen Brenta und Dolomiten erzeugt sind die Weine erfrischend und mineralisch klar und zeigen eine feine Aromatik. Das Flaggschiff des Weingutes ist der Gran Masetto, der vor kurzem zum besten trockenen Rotwein Europas gekürt wurde. Endrizzi produziert seit 1885 Wein und zählt zu den Top Weingütern im Norden Italiens. Mittlerweile sind neben den Eltern auch die Kinder Lisa Maria und Daniele am Ruder. Neben hochwertigem Teroldego wie dem Gran Masetto stellt man hier auch Trento DOC Schaumwein her. Im Betrieb erlebt man noch viel Handarbeit, Fleiß und dem Glauben ans Terroir des Trentino.

Werintrauben an der Pergola

Trentino Sviluppo Dipartimento Turismo e Promozione Foto Pio Geminiani

Besuch im Val di Cembra

VILLA CORNIOLE

Der Weinbau im Val di Cembra hat schon eine lange Tradition. Einst ist dort der junge Nürnberger Maler Albrecht Dürer auf seiner Reise nach Italien entlangzogen, hat Berge, Wälder, Burgen und Seen gezeichnet. Die Familie Pellegrini bewirtschaftet dort schon seit Generationen ihre Weinberge rund um Giovo und verkaufte dann das Lesegut. Doch inzwischen weiß man, dass man selbst erstklassige Weine aus den Trauben der Weinberge keltern kann und setzte dabei auf Qualität und Einzigartigkeit, was schon bald Früchte zeigte. Neben den Weinbergen im Val di Cembra hat die Familie auch Weinberge in der fruchtbaren Rotaliana-Ebene, wo die roten Sorten kultiviert werden. Auf den schmalen Terrassen im Val di Cembra, in denen roter Porphyr vorherrscht, konzentriert sich die Familie auf Chardonnay, Sauvignon blanc und den Müller-Thurgau. Die klimatischen Unterschiede der Weinberge erlauben es die Rebsorten optimal am Terroir auszurichten. Der Müller-Thurgau ist nach wie vor so etwas wie ein Geheimtipp, denn die auch in Deutschland als einfacher Rivaner beliebte Rebsorte erlaubt auf den kargen Böden des Val di Cembra die Produktion von Weinen hoher Komplexität und Mineralität.

ELISABETTA FORADORI

Seit der Übernahme des elterlichen Weingutes im Mezzolombardo im Jahre 1985 hat Elisabetta Foradori sich mit Ausdauer und Leidenschaft zu einer der großen Winzerinnen der italienischen Weinszene entwickelt. Getreu ihrem Leitspruch „Tradition ist Innovation von gestern!“ setzt die in Frankreich ausgebildete Winzerin des Jahres 2006 (Duemilavini) konsequent auf die nur im kleinen Weinbaugebiet Campo Rotaliano wachsenden Teroldego Rotaliano und hat damit ihren Betrieb zu einem wahren Juwel und einer der ersten Adressen Italiens gemacht. Mit dem "Granato" schuf sie einen Spitzenwein, der eine neue Dimension dieser Rebsorte aufzeigt.

Bereits der "Foradori Teroldego Rotaliano" ist füllig und bietet eine reiche und fruchtige Aromen- und Geschmacksvielfalt mit der typischen Kraft dieser Rebsorte, die zu Recht als die bedeutendste autochthone Rebe im Trentino überhaupt eingestuft wird. Der "Myrto", als einziger Weißwein von Elisabetta, ist ein Gewächs mit dem Körper eines Bodybuilders und der Aromenkraft von Lustgärten schreibt der renommierte „Gambero Rosso“. Ausgebaut wird er erst in Stahl, bevor er in kleinen Fässer aus neuer Eiche wandert.

SAN LEONARDO

Im Krieg, verrät Marchese Carlo, der schon seit über einem halben Jahrhundert im Weingeschäft tätig ist, war sein Schloss von der Obersten Heeresleitung der deutschen Truppen als Zentrum der Spionageabwehr genutzt worden. Ein hübscheres Fleckchen Erde am südlichsten Ende des Trentino hätte man wohl kaum finden können. Das Landgut San Leonardo, ein mit Mauern eingefasster Weiler mit seinen fast dreihundert Hektar hat heute noch denselben Umfang des damaligen Großgrundbesitzes.

In hügeliger Lage wurden ungefähr 20 Hektar auf eher lockerem Erdboden Weingärten in unterschiedlicher Höhenlage zwischen 150 bis 200 Metern mit Richtung Nord-Süd- Richtung angelegt. In den höheren Lagen, auf sandiger Erde liegen Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, in den niedrigeren Lagen auf steinigem Boden, findet der Merlot sein ideales Ambiente. Die Art des Anbaus geht von der traditionellen Trientiner Laube, der Pergola bis hin zum modernen und zweckmäßigen Guyot. Das bedeutet zwar weniger Produktion, ist jedoch für die Erzeugung intensiverer Weine besser geeignet. Die Familie Guerrieri Gonzaga zählt zu den alten Geschlechtern Norditaliens. Die Gonzagas herrschten über Mantua ab dem 14. Jahrhundert und immer wenn bei Verdis Rigoletto die "trügerischen Weiberherzen" besungen werden, verbinden das Opernfans mit einem Ahnen von Marchese Carlo. Doch auch die Ahnen der Realität, wie der Renaissancefürst Vincenco I., der Monteverdi an seinen Hof holte, lassen aufhorchen. Die Nachfahren produzieren seit über zweihundert Jahren eine der ältesten "Bordeaux-Cuvées" Italiens. Die Qualität kommt nicht von ungefähr. Marchese Carlo Guerrieri Gonzaga hat einige Jahrgänge nicht für die Produktion seines San Leonardo freigegeben und deklassiert, weil das von ihm angestrebte Niveau nicht erreicht wurde. Beraten wurde er bei seiner Arbeit lange von dem 2016 verstorbenen Giacomo Tacchis, der weiter im Süden auch für den Sassicaia und Tignanello verantwortlich zeichnete. Mit den Worten des Marchese können wir die Philosophie des Hauses am besten wiedergeben: „Wir legen Wert auf große Sorgfalt bis ins Detail, auf ständiges Streben nach Qualität, auf eine achtsame Pflege der Weingärten, auf Geduld bei der Arbeit im Keller und wir haben den festen Willen, wenige aber höchst charakteristische Weine zu machen, die den Boden auf dem sie gewachsen sind, sowie die Persönlichkeit und auch die Philosophie des Winzers unmittelbar zum Ausdruck bringen“. Wer kann, sollte zur Zeit der Lese einen Besuch abstatten, wenn die Erntehelfer in den Pergolaanlagen vor dem Schloss den Merlot lesen und die Marchesa sich um die Blütenpracht in ihrem Garten kümmert. Im Weingut informiert ein kleines Weinbaumuseum über die früheren Techniken.

Der Merlot Villa Gresti hebt die unverwechselbare Feinheit der Weine des San Leonardo Weingutes hervor. Dieser harmonische Wein ist ausgewogen, samtweich und zart am Gaumen, mit einem energischen Abgang. Der San Leonardo ist das Ergebnis einer Tradition, die weltweit als „taglio bordolese“ bekannt ist. Er stellt eine Symbiose zwischen Traum und Tradition dar, sodass man einen Wein genießen kann, der den Charakter und den Zauber der Identität dieses Territoriums vermittelt.

(c) Michael Ritter

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