Zu Gast (nicht nur) in Euopas Weinregionen

Spannende unbekanntere Ziele entdecken

Die Weine und Küche der Marken

Blick über die Weinberge

(c) Michael Ritter

Vorspeise Hostaria dietro le Mure

Schon seit viele Jahren haben Italiens exzellente Rotweine, seien es Amarone, Barolo und Barbaresco oder Brunello und Chianti Classico, um nur einige davon zu nennen, einen Platz in den Weinregalen der Weinfreunde rund um den Globus gefunden.

Ist es Hybris, die uns Deutschen bei Weißweinen davon abhält, öfter zu einem Weißwein aus Italien zu greifen? Sicher, der deutsche Riesling gehört nach Meinung internationaler Experten zum Besten, was man aus weißen Trauben keltern kann, doch auch in Italien hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges beim Weißwein getan.

Egal, ob Friulano und Pinot Grigio aus dem Collio, Vitovska und Malvasia vom Karst, Garganega, Trebbiano aus dem Gebiet rund um Verona, Fiano, Grechetto und Falanghina aus Kalabrien, Vermentino von Sardinien – das ganze Land von Südtirol m Norden bis hinunter nach Sizilien bietet großartige Weiße, die nicht nur Aufnahme in die elitäre Riege der 3-Gläser-Weine des Gambero Rosso gefunden haben, sondern auch in die Weinkarten experimentierfreudiger Sommeliers.

Amphorenweine bei Garifoli

DIE RÜCKKEHR DES VERDICCHIO

Weinberge von Bucci

(c) Michael Ritter

Die Marken bilden die Mitte Italiens, quasi die Wade des „Stiefels“. Ein guter Ort, denn hier vereint sich das wilde Temperament des Südens mit der Eleganz des Nordens. Der größte Schatz der Region – abgesehen von Trüffeln, die hier in ausgezeichneter Qualität gedeihen – ist der weiße Verdicchio, der inzwischen zu den wichtigsten Weißweinen Italiens zählt.

Früher konnte man ihn mit Leichtigkeit in den Regalen der Weinhändler erkennen, denn der Großteil der industriellen Winzer und Genossenschaften füllte ihn in den typischen Anfora-Flaschen ab. Nicht immer zu seinem Guten, denn viele italienische und internationale Weintrinker hatten keine besonders gute Meinung von dem billigen Industriewein aus dem Hinterland der feinkörnigen Sandstrände der Adria. Doch inzwischen haben sich auch einige Anfora-Weine zu knackig-stoffligen Weinen entwickelt, die als Classico und Riserva perfekt zu Meeresfrüchten und Fisch passen.

Die einfacheren Weine der beiden DOCs sind meist unkomplizierte Weine, die durch eine leicht salzige ans nahe Meer erinnernde Mineralität und feine Bitternote gut munden und als Basisqualitäten schon ab 6 Euro zu bekommen sind.

Oft werden sie reinsortig ausgebaut, je nach Typ im Stahltank, im großen Holzfass oder (seltener) im Barrique. Mit einem charakteristischen Duft nach Aprikosen, Fenchel und Salbei ist ihnen eine feine Würzigkeit eigen, die unsere genießerischen Hemmungen schnell schwinden lassen. Mit den Topweinen etablieren sich die Marken hingegen Jahr für Jahr stärker als eine von Italiens Top-Weißwein-Regionen. Die alte Übermacht der Rotweine droht zu kippen – und das ist gut so.

Grotte di Frasassi

(c) Michael Ritter

UNTERSCHÄTZTE MARKEN

Frittierte Meeresfrüchte

(c) Michael Ritter

Zugegeben, die Toskana mit Florenz und Pisa oder Latium mit Rom sind von Deutschland leichter zu erreichen, aber auch nach Ascona fliegt Lufthansa dreimal täglich via München. Und von Ascona aus ist man in wenigen Minuten inmitten der Weinberge. Dazu sind die Marken Im Schatten der benachbarten Toskana und Umbriens sind sie für Entdecker ein mehr als empfehlenswertes Reiseziel, an die auch diese Region mit ihrem Mix aus Oliven, Weizen, Wein, den befestigten Örtchen auf den Hügeln, bewaldeten Bergen und den zur Küste strömenden Flüsschen ein wenig erinnert.

Im Rest Italiens würden die Bewohner der Marken als etwas zurückgeblieben gelten, behauptete einmal Umberto Eco, der dort ein Ferienhaus besaß. Kaum eine andere Region Italiens ist stärker vom Tourismus geprägt als die nahe Adriaküste, an der sich allsommerlich Touristenmassen am Strand räkeln. Dennoch bleibt das Landesinnere mit seinen geschichtsträchtigen und hübschen Städtchen erstaunlich unentdeckt. Die Menschen sind oft einfach, aber ungewöhnlich herzlich und liebenswert. Wegen der lange Zeit deutlich günstigeren Preise für Käufer von Ferienhäusern wurden die Marken gern als Toskana für Arme verspottet. Völlig zu Unrecht, denn die Region hat viel zu bieten. Erst in den 1970er Jahren entdeckte man die Grotten von Frasassi, in deren riesigen Höhlen sogar noch der Kölner Dom hineinpassen würde. Musikliebhaber können auf den Musikfestivals in Pesaro Rossini in Topqualität lauschen oder im immer noch weitgehend unbekannten Macerata mit seinem imposanten Teatro Sferisterio, nur einem von rund siebzig historischen Theatern der Marken.

Eines davon steht auch im von beeindruckenden Stadtmauern umgebenen Jesi, der Heimat des Verdicchios, der meist nur Italienkennern wirklich bekannt ist. Schon seit Zeiten der Etrusker isst die Rebsorte bekannt und wird hier seit dem 14. Jahrhundert angebaut. Als „Verdicchio dei Castelli di Jesi” hat sie den Status eines “Classico Superiore”.

Ampelographisch stammt die Traube von der mittelitalienischen Trebbiano- oder der süditalienischen Greco-Familie ab. Ihr Name wird verständlich, wenn man sich die grüne Farbe der reifen Trauben anschaut, den „verde“ ist das italienische Wort für „grün“. Der spät reifende Wein ist zwar wuchsstark aber ertragsschwach. Dicht gepackt ist die Traube fäulnisempfindlich, braucht viel Pflege und liebt die gute Durchlüftung des Weinbergs. In seiner einfachsten Form ist der junge knackig-frische Wein mit seinen grünen Noten, der markanten Säure und der leichten Bitternote ein preiswerter Durstlöscher, den man – im großen Stahltank großer Weinkeller abgefüllt - auf den Getränkekarten vieler einfacher Lokale findet.

Seine Ursprünge in der Region führen manche Legenden bis zum Westgotenkönig Alarich zurück, der im frühen 5. Jahrhundert sein Heer vor der Eroberung Roms mit Verdicchio in die richtige Stimmung gebracht haben soll.

Was lange als billiger Industriewein bei italienischen Weinliebhabern verschrien war, hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert zu einem knackigen aber stoffligen Wein entwickelt, der als Classico und Riserva mit einer großartigen Struktur perfekt zu Meeresfrüchten und Fisch passt. Die einfacheren Weine der beiden DOCs sind fast alle unkompliziert, beeindrucken durch ihre schöne salzige und ans nahe Meer erinnernde Mineralität und die feine Bitternote und sind in der Basisqualität schon zu Preisen um die 6 Euro zu bekommen.

Jesi Piazza Federico II.

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BUMMEL DURCH JESI

Stuckgallerie im Palaazzo Pianetti

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Die Marken sind keine arme Region, davon kann man sich beim Bummel durch Jesi gut überzeugen. Das historische Zentrum ist voll Kultur und sehr lebendig und vom Autoverkehr weitgehend befreit. Als wir in die Stadt fahren, um in einer Hauptstraße der Unterstadt einen Parkplatz zu finden, beeindrucken die auf römischen Fundamenten errichteten gewaltigen Stadtmauern aus dem 14. Jahrhundert. Riesige Stützpfeiler und mächtige Wehrtürme sichern sie ab und umschließen seit rund 600 Jahren die engen Gassen der Altstadt, die zu Entdeckungsreisen verlocken.

Der frühere Stadtstaat mit seinen 40.000 Einwohnern geht auf Umbrer und Etrusker zurück. Von den Römern ging er an Byzanz, dann an die Kirche und die Grafschaft Marche. Friedrich II., der große Stauferkaiser, erblickte hier 1194 in einem Zeltlager auf dem alten römischen Forum das Licht der Welt. Später verlieh er Jesi den Rang einer Reichsstadt. Nach den Staufern rangelten Adelsfamilien um die Macht bis sie 1447 an den Kirchenstaat verkauft wurde und ihr Niedergang begann.

Einst war Jesi eine Stadt der Künste. Der Renaissancekünstler Lorenzo Lotto schuf berühmte Werke für die Kirchen der Stadt und die Komponisten Giovanni Battista Pergolesi und Gaspare Spontini wuchsen in Jesi auf. An Pergolesi erinnert das 1798 eröffnete Theater an der Piazza della Repubblica, das man nach ihm benannte und das im Herbst ein anspruchsvolles Opernprogramm bietet.

An der nahen Piazza Colocci zeugt der Renaissancepalast della Signoria mit dem zum Sprung ansetzenden Löwe über dem Eingang von der einstigen Macht. Im Inneren schuf Andrea Sansovino einen sehenswerten Innenhof mit drei Rängen.

Abends schlendern Einwohner und Besucher gerne bei der „passeggiata“ über den pfeilgeraden Corso Matteotti, der sich durchs historische Zentrum zieht, kehren ein in die Bars und Cafés ein und plaudern miteinander. Einen Besuch lohnt auch der pompöse Palazzo Pianetti. Atemberaubend ist die Rokokopracht in seinem Inneren mit üppigen Stuckaturen entlang der 76 Meter langen Galerie.

Im Palast ist die Pinoteca Comunale untergebracht, die neben Werken regionaler Künstler Werke Lorenzo Lottos beherbergt. Wunderschön der kleine Park, von dem man weit in die Landschaft blickt.

Auch die neben dem Theater liegende Hostaria dietro le Quinte bietet auf seiner großen Terrasse einen weiten Blick und ihr Chef Mirko heißt seine Gäste in dem wahrscheinlich besten Restaurant der Stadt herzlich willkommen und bietet ihnen eine erstklassige Küche mit Fisch und Meeresfrüchten. Kaum jemand erwartet beim Eintreten die herrliche Terrasse mit dem kleinen Garten. Schon Mirkos ausgefallenen Vorspeisen lohnen den Besuch, ausgezeichnet der gebratene Oktopus mit halbtrockener Zwiebel, Erbsen und Fenchel. Exzellenter Begleiter zum Dessert wäre ein leider nur selten produzierter edelsüßer Verdicchio di Jesi Passito, wie der Brumato der Fattoria Garofoli.

Blick übder die Weinberge der Marken

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DIE BEIDEN VERDICCHIO DOC ANBAUGEBITE

Das Tal um Matelica

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Zurück von der Kultur zum Wein. Die Rebfläche für den Verdicchio dei Castelli di Jesi liegt derzeit bei rund 3.000 Hektar. Die des Verdicchio di Matelica, auf den wir später zurückkommen werden, ist mit gut 300 Hektar wesentlich kleiner. Noch immer gibt es in der rund 50 Jahre alten DOC industriell gefertigte Verdicchios in der einst typischen Amphorenflasche, doch inzwischen haben Winzer und Genossenschaften dazugelernt und die Weine, die wir auf der Reise verkosten, unterscheiden sich massiv von den fast öligen gelben Weinen, die ich vor Jahrzehnten bei Besuchen der Region in den Trattorien vorgesetzt bekam.

Damals merkte man, dass die Winzer im Chianti-Gebiet den Kollegen aus den Marken einen Schritt voraus waren. Inzwischen haben sie aufgeholt und das Konsortium achtet bei den DOC und DOCG-Weinen streng auf Qualität.

Garifoli

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DAS WEINGUT GAROFOLI

Rosso Conero bei Garifoli

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Unser erster Besuch führt uns nach Loreto ins Weingut der Familie Garofoli, deren Passito wir schon probiert haben. Seit 1871 produzieren die Garofolis Wein und ihr Name ist für viele Weinfreunde gleichbedeutend mit „großartiger Classico“, wie ihnen der italienische Weinführer Gambero Rosso bescheinigt. Gianfranco, einer der beiden Brüder, die das Weingut heute führen, ist der Präsident des Konsortiums Istituto Marchigiano di Tutela Vini, die alle DOCs und DOCGs der Marken vereint. Mit Beatrice, Gianluca und Caterina haben in einigen Bereichen bereits die fünfte Generation das Ruder übernommen.

Auf 42 Hektar bauen die Garofolis überwiegen Verdicchio und Montepulciano an, die sowohl als junge-frische Weine wie als alterungsfähige Riservas ausgebaut werden. Auch die Spumantes des Weinguts können sich sehen lassen. Verdicchio stellt den Hauptanteil der zu moderaten Preisen angebotenen Weine, aber auch Montepulciano, der auf den kalkhaltigen Böden als DOC Rosso Conero angebaut wird, ist gut vertreten.

Neben eigenen Reben verarbeitet Garofoli auch Traubengut von langjährigen Zulieferern. Vom einfachen “Serra del Conte” Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico DOC 2017 bis zum Podium Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore DOC 2015 mit Pfirsich-, Honigmelonen und Aprikosen-Aromen eine gute, auch in Deutschland erhältliche Wahl.

Wenn beim Leser beim Namen Loreto ein Glöckchen klingelt, dann geschieht das ganz zu Recht, den das 13.000,Einwohner-Städtchen beherbergt den nach dem Petersdom in Rom wichtigsten Wallfahrtsort Italiens und eines der wichtigsten kirchlichen Ziele für Pilger aus aller Welt: Die Basilika vom Heiligen Haus. Der Legende nach wurde das Haus in dem die Jungfrau Maria in Nazareth aufwuchs und die Verkündigung empfing nach den Kreuzzügen von Engeln hierher getragen. Auch für all diejenigen, die dies anzweifeln mögen, enthält die prächtige Renaissancebasilika, die man darüber errichtete Werke der bedeutendsten italienischen Künstler dieser Zeit.

Der Monte Conero

(c) Michael Ritter

Der Monte Conero

Blick auf den Monte Conero von Sirolo

(c) Michael Ritter

Auf der Rückfahrt zu unserem Hotel kehren wir zum Abendessen im bei Vogelfreunden beliebten Dorf Sirolo ein, das 125 Meter über dem Meer südlich des Monte Cònero liegt, auf den man von hier einen zauberhaften Blick hat. Der Bergpark ist reich an typisch mediterraner Flora mit Erdbeerbäumen, Steineichen, Kiefern, Ginster und Eiben. Friedrich II. muss den Ort geliebt haben, denn es ist der einzige Ort an der Adriaküste an dem Wanderfalken nisten.

Der zwischen zwei Klippen gelegene Strand delle Due Sorelle gilt als einer der schönsten Italiens. Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten kann man getrost das Ristorante delle Rose empfehlen, von dessen Terrasse man einen weiten Blick über das Mittelmeer bei guten Weinen der Region und die gute Küche von Inhaber Giorgio Tucchi genießen kann.

Cupramontana

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Im Gebiet der Castelli di Jesi

Blick von Jesi ins Umland

Der nächste Morgen bringt uns auf die Autobahn in Richtung Norden. Vorbei an Ancona und dem Flughafen geht es bis auf die Höhe des Seebads Senigallia von wo aus wir ins hügelige Hinterland nach Ostra Vetere fahren. Unser Ziel ist das Weingut der Familie Bucci. Deren lange Weinbautradition reicht zurück bis in das 17. Jahrhundert. Auf einem riesigen Landgut betreibt die Familie um Ampelia Bucci Landwirtschaft. Wein ist dabei auf 31 Hektar neben Zuckerrüben, Mais, Weizen und 150.000 Olivenbäumen fast nur ein Nebenerwerb, ein Hobby, doch es wird dort mit, wenn wundert es bei diesem Vornamen, mit Herzblut betrieben.

Der 72-jährige ist eigentlich Betriebswirt und lebt in Mailand. Seine Leidenschaft gilt dem Verdicchio, an dessen große Zukunft er fest glaubt und von dem er mehr als 20 verschiedene Klone in seiner eigenen Rebschule großzieht. Auch in der Villa Bucci, die mit ihren gewaltigen Solaranlagen auf den Dächern sich selbst versorgen kann hier bekommen wir die Langlebigkeit dieses Weins demonstriert. Seit er Anfang der 80er-Jahre die ersten Riserva abfüllt, hat sich sein Wein zu einer Art Kultwein entwickelt, der gut nachgefragt und gar nicht so einfach zu bekommen ist. Seit Anfang des Jahrtausends produziert Bucci organisch.

Sein Winemaker ist Gabriele Tanfani, der mit dem Weinen Jahr für Jahr nicht nur beim Gambero Rosso sondern auch bei den anderen Weinguides Spitzenplätze einfährt. und es wäre einen Jammer einen seiner Riservas zu öffnen, bevor der mindestens zehn Jahren gelegen hat, um seine unvergleichliche Reife zu erzielen.

Aber auch wer Angst hat ihn nicht mehr genießen zu können und nicht die Geduld mitbringt, ihn einfach liegen zu lassen, kann ich beruhigen. Auch jung schmeckt er mit seiner leicht salzigen Note, die das nahe Meer förmlich schmecken lässt, ausgesprochen lecker und trinkbereit.

So groß der Landbesitz der Buccis, so verstreut über die Castelli di Jesi sind auch die sieben Weinberge, aus denen der Wein kommt, der dann in großen alten Fässern aus slawonischer Eiche lagern. Für den Riserva verwendet Bucci die alten Reben seines Guts. Für eine Flasche seines Riserva di Verdicchio dei Castelli di Jesi DOC 2007 mit seiner unglaublichen Größe und Cremigkeit, den frischen Noten von Orange, Walnuss, Haselnuss, Mandel und Quitte zahlt man aber auch einen Preis von über 50 Euro. Mehrfach wurde er in den letzten Jahren schon zum besten Weißwein Italiens ausgezeichnet und auch der aktuelle Wein des Jahrgangs 2015 ist wieder ein Knüller.

Doch so tief muss man gar nicht in die Tasche greifen. Der erstklassige Verdicchio die Castelli di Jesi Classico Superiore, der fast die Hälfte der gesamten Produktion ausmacht, wird in Deutschland zu einem Preis von 16,50 Euro verkauft und hat letztlich ebenfalls die begehrten 3 Gläser des Gambero Rosso bekommen. Eine absolut gute Wahl.

Brunori

(c) Michael Ritter

Brunori

Erdbebenschäden in Staffolo

(c) Michael Ritter

Mit nur 7 Hektar Rebfläche deutlich kleiner als Villa Bucci ist unsere nächste Reisestation: die Fattoria Brunori in San Nicolò. Der Name Brunori gehört zu den edlen Nachnamen des Verdicchio und auch San Nicolò ist über die Marken hinaus als erstklassiger Weinberg mit vielen alten Reben bekannt. Mario Brunori hatte bei der Gründung des Weinguts in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf diese Rebsorte gesetzt, der zwischenzeitlich dort organisch an- und ausgebaut wird, wie auch erstaunlich viele andere Weingüter der Marken.

Den jungen Most lässt man dort noch einige Stunden auf den Trauben liegen, was den Wein mehr Komplexität und Langlebigkeit verleiht. In den glasausgekleideten Zementtanks reift der einfache Verdicchio Classico Le Gemme heran, für den Brunori neben Verdicchio auch Trebbiano verwendet. Reinsortig der erstklassige San Nicolò Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore und der elegante Riserva, der nur in besonderen Jahren hergestellt wird. Schöne Weine mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Rote Weine sind hier rar, aber mit dem Alborada produziert Brunori einen sehr schön vollmundigen und intensiv fruchtigen Lacrima di Morro d’Alba DOC, dessen 217 Hektar großes DOC-Gebiet im Norden unmittelbar an die Castelli di Jesi anschließt. Brunori keltert ihn reinsortig aus der wohl mit dem Aleatico verwandten autochthonen Rebsorte Lacrima, deren Name von der an eine Träne erinnernde Form der Rebe abgeleitet wird.

Früher diente der Lacrima in der Gegend gern als Verschnittpartner, um andere Weine aufzupeppen und zu aromatisieren, wurde aber nach und nach gegen widerstandsfähigere und ertragreiche Reben ausgetauscht. Gekeltert wird er im französischen Saignée-Verfahren, bei dem der Rotwein-Maische zur Erhöhung der Konzentration nach einiger Zeit ein Teil des Mostes ohne Pressung abgezogen wird. Die höhere Konzentration an Farbe und Tanninen macht die Herstellung nicht gerade leicht, bringt aber, wenn er wie hier gut gemacht ist. einen Wein mit herrlich vollem Kirsch- und Wildbeerenaroma hervor.

Inzwischen haben im Weingut Marios Sohn Giorgio und seine zu Sommeliers ausgebildeten Enkel Cristina und Carlo das Ruder übernommen, wobei Cristina für den Wein und Carlo für dessen Verkauf zuständig ist.



Cupramontana

(c) Michael Ritter

Cupramontana die Hauptstadt des Verdicchio

Verkostung im Etikettenmuseum Cupramontana

(c) Michael Ritter

Unser nächstes Ziel ist die Hauptstadt des Verdicchio: Cupramontana, das jedes Jahr zur Weinlese und der Sagra dell’Uva Tausende von Besuchern anlockt. Rund 150 Weinbauern sind dort Mitglieder der Winzergenossenschaft Colonnara und liefern dort seit 55 Jahren ihre Trauben ab. Rund 1 Million Flaschen produziert die Genossenschaft pro Jahr. Einige der Weinberge der Mitglieder liegen schon fast im Gebirge und erhöhen das Säurevermögen der erstklassigen Verdicchio-Schaumweine, die hier entstehen und die bis zu fünf Jahre auf der Hefe liegen. Flaggschiff ist eben dieser wunderbare Ubaldo Rosi Brut Metodo Classico Riserva Verdicchio DOC mit seinen schönen Kampfer- und Mandelaromen. Erstklassig auch der von speziellen Parzellen gewonnen stille Cuapro Verdicchio dei Castelli di Jesi Doc Classico Superiore mit seinem typischen Mandelduft, der organisch angebaut wird.

Ein Highlight ist das Untergeschoss des alten Klosters Cupramontana, dass man in ein Internationales Museum für Etiketten umgewandelt hat und das von Colonnara gerne für Weinverkostungen genutzt wird. Dabei zeigt sich erneut, das gute Alterungspotenzial des Verdicchio, als wir bei der Verkostung bis zu einem 1988er zurückgingen. Gut, die 30 Jahre sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen und man kann darüber diskutieren, ob damit nicht der Zenit bereits merklich überschritten wurde, aber dennoch begeisterte der Wein mit seiner festen Konsistenz und den reifen Zitrusaromen, die er noch verströmte.

Für den nächsten Tag steht ein Besuch in der kleineren der beiden Verdicchio DOCs auf dem Programm. Bevor wir uns allerdings auf den Weg gen Westen begeben, statten wir dem Weingut Colognola in Cingoli auf dem Programm.

Botero-Pferd beim Weingut Colognola

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Colognola, Botero und die Begeisterung für Pferde

Serena Darini und ihr Önologe

(c) Michael Ritter

Serena Darini, die agile Tochter des Waschmaschinenproduzenten und Inhabers von Colognola Tenuta Musone Walter Darini trifft uns am Pferd. Unübersehbar steht vor dem Eingang zum Weingut eine überdimensionale dralle Pferdeskulptur des Kolumbianers Francisco Botero. 2013 hat man die Skulptur des damals schon über 80-jährigen, der zu den bekanntesten Künstlern Lateinamerikas gehört, hier aufgestellt. Über den bezahlten Preis wollte Serena nichts erzählen, wiedersprach aber auch nicht beim Vergleich mit den Baukosten des Weinguts. Der Kolumbianer hat sich an der Küste der Toskana in Pietrasanta angesiedelt, das unweit der Marmorbrüche von Carrara liegt. Wie kaum ein anderer Künstler hat er sich mit der Kunstgeschichte und Tradition auseinandergesetzt – von Piero della Francesca bis Picasso. Das merkt man seinen Bildern und Skulpturen an. Sinnlich, üppig.

Serena hat ein Faible für Pferde, nicht nur aus Bronze. Die Begeisterung setzt sich auf dem Reitplatz fort. Das Weingut mit seinen 25 Hektar Rebfläche macht einen blitzsauberen Eindruck. Auch die Darinis haben das Hauptaugenmerk auf Verdicchio gelegt. Vor einigen Jahren hatten sie die abgewirtschaftete Cantina mitsamt Weinbergen übernommen, inzwischen wollen sie ausbauen. Mit einem exzellenten Önologen Team haben sie ihren Wein schnell in die Guides des italienischen Weins aufsteigen lassen.

Der Classico Superiore Via Condotto begeistert uns mit seinem schönen Aromen, der angenehmen Säure und dem erstklassigen Preis von knapp 8 Euro auf dem deutschen Markt. Komplexer der Labieno, ein Verdicchio Riserva, der zwei Jahre im großen Holzfass auf der Hefe liegt. Gabriele Villani, der schon vor der Übernahme des Weinguts durch die Darini hier war, produziert ihn nach einer traditionellen Methode, bei der er nach der Pressung ganze Trauben Verdicchio in den Tank gibt und damit im Laufe der Jahre eine spannende Aromenvielfalt erzielt.

Von Colognola machen wir uns dann gegen Mittag auf den Weg nach Westen in Richtung Matelica, wobei wir für die Mittagspause einen Stopp im malerischen Bergstädchen Staffolo einlegen. Alte Kirchen wie Santa Maria della Castellaretta und zahlreiche alte Paläste des 2.300-Einwohner-Städtchens zeugen vom einstigen Wohlstand und auch von den unruhigen Zeiten, die der Ort in der Hand verschiedener mächtiger Adelsfamilien erdulden musste. In einigen Strassenzügen sieht man noch die behelfsmässigen Stützen für Gebäude, die im vergangenen Jahr durch die Erdbeben beschädigt wurden, welche die Bergregion der Marken 2016 und 2017 wiederholt erschüttert hatten.

Grotte di Frasassi

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ÜBER DIE GROTTA DI FRASASSI NACH MATELICA

Grotte di Frasassi

(c) Michael Ritter

Es macht einen Unterschied, ob man sich für Weine von den Castelli dei Jesi entscheidet oder für Weine aus dem knapp eine Autostunde westlich gelegenen kleineren und kühleren Anbaugebiet Matelica, von deren umgebenden Berghängen man einen Blick auf die massigen Monti Sibellini werfen kann. Die Fahrt dorthin führt entlang des Esino auf einer autobahnähnlich ausgebauten Schnellstraße durch den Regionalpark Golla della Rossa.

Unbedingt einen Abstecher wert ist die beeindruckende Grotta di Frasassi, die eine der spektakulärsten Karsthöhlen Europas ist. Als ich in den 70er Jahren die ersten Male die Region besuchte, hatte man die Grotte gerade entdeckt. Inzwischen ist sie als eines der spektakulärsten Naturmonumente Italiens eine wichtige Touristenattraktion, das bereits Millionen von Besuchern angelockt hat.

Mit einem rund 30 km langen Labyrinth auf acht verschiedenen Ebenen sind sie eines der größten Höhlensysteme Europas. Stalaktiten und Stalagmiten in teils bizarren Formen nehmen dort gigantische Größe an. Ihr Alter führt rund 150 Millionen Jahre zurück in die Erdgeschichte. Meist begnügen die die Besucher mit dem rund 1,5 km langen Rundgang auf bequemen Gehwegen, die besonders im Sommer mit einer konstanten Innentemperatur von 14 °C gut zu begehen sind. In den Urlaubsmonaten finden mehrmals täglich auch deutschsprachige Führungen statt. Echte Höhenforscher können auf einer von mehreren speläologischen Führungen unterschiedlicher Schwierigkeit mit spezieller Ausrüstung auch weitere Teile der Höhle erkunden.

Vom Sammelplatz beim Parkplatz fahren regelmäßige Busse direkt zum Grotteneingang. Schon der "Abisso Ancona", der Zutritt zur Grotte seit seinen Entdeckern fasziniert mit seiner enormen Größe, die sie zu einer der größten Höhlen der Welt machen: 180 Meter lang, 120 Meter breit und imposante 200 Meter hoch. Durch eine Reihe von Erdbewegungen in den vergangenen Jahrtausenden bröckelten einige der Wände und bilden jetzt eine chaotische Anhäufung von Steinblöcken.

Cascata del Niagara" nannte man den riesigen strahlend weißen Strom aus reinem Kalkspat nahe dem Übergang zum wegen ihrer 200 Meter Länge als „Sala dei Duecento“ genannten Saal. Dort wächst aus dem Gewölbe ein Stalaktit mit einer Länge von 7,40 Metern herab, den man „Damoklesschwert“ nannte. Sein Gegenspieler ist ein auf einem Felsen stehender Stalagmit, der mit seinem Sockel fast 15 Meter misst. Nach einem Gang durch den „Grand Canyon“ und den Saal der Bärin endet der touristische Rundgang mit einem einer elliptischen Runde durch die „Sala dell’iInfinito", eine Gesamtheit von Meandern und Labyrinthen mit herabgesetzten Decken und voll mit vielgestaltigen Ablagerungen.

Nach Verlassen der Höhle sind es nur noch einige Minuten Fahrt nach Matelica. Der Apennin prägt hier in dem Nord-Süd ausgerichteten Tal das kontinentale Klima. Als im Oktober 2016 nach dem verheerenden Beben von Amatrice die Erde erneut bebte, blieb die Provinz nicht ohne Schäden. Bis zu 2.500 Meter steigen die Gipfel der nahen Sibillinischen Berge des nahen Apennin an.

Roberto Potentini Matelica

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VERDICCHIO DI MATELICA DOCG

Roberto Potentini ist einer der großen Macher in Sachen Wein. Der Önologe ist nicht nur in der 1971 gegründeten Genossenschaft Belisario als Direktor tätig, sondern er sitzt auch im Stadtrat und berät andere Winzer des kleinen Weinbaugebiets. „Unsere Weinberge liegen auf 420 bis 900 Metern Höhe“, sagt er und lädt uns dort auf ein Glas seines sehr schön frisch-spritzigen Sekt Cuvée Nadir ein, der auf Basis von Verdicchio im Charmat-Verfahren hergestellt wurde. Von dem Aussichtspunkt oberhalb der Weinberge kann man die 300 Hektar, die fast das gesamte Anbaugebiet des Verdicchio di Matelica DOCG ausmachen, überblicken.

Im Gegensatz zu den anderen Tälern der Marken, die von dem Bergen zur Adria von West nach Ost verlaufen, wirkt sich der mediterrane Einfluss im nord-südlich-orientierten oberen Esinotals nicht aus. Man merkt es dem Wein an und er ist unterschiedlich zu dem der Castelli di Jesi, wo nicht einmal die Spitzen der Bergdörfer über 400 Meter Höhe hinausragen. Dem Wein gibt es eine frischere und präsentere Säure. Der 58-jährige Potentini hat an der Universität über den Verdicchio di Matelica DOC graduiert. Die Trauben seiner Verdicchios zeigen viel Zucker, hohe Säure und einen niedrigen PH-Wert.

Optimal für langsame Alterung des Weins, der hier meist etwas dichter ist, als in Jesi.

Eines der von Roberto Potentini beratenen Weingüter ist die Cantina La Monacesca von Aldo Cifola, der zusammen mit seinem Vater Miro, der das Weingut gründete, zu den Pionieren der Qualitätsweine aus Matelica gehört. Hatte Miro Cifola anfangs noch Schwierigkeiten, weil seine eleganten Weine so gar nicht dem alten Stil entsprachen, haben sie damit, wie auch Potentini, Ikonen geschaffen, die eine Vertikalverkostung zu einer Offenbarung werden lassen . Aus den Reben ihrer 33 Hektar Wein zaubern sie rund 150.000 Flaschen von erstaunlicher Qualität. Ausgezeichnet ein 1997er in Stahl ausgebauter Verdicchio, der hervorragend das Alterungspotenzial des Weins zeigt. Sind die Weine anfangs noch fruchtig-frisch, bekommen sie im Laufe der Jahre eine einzigartige Eleganz und der Autor hofft, dass auch die Weine, die er jetzt mit nach Hause nimmt ihm als Greis noch schmecken. Der Spitzenwein ist derzeit der komplexe 2015er Riserva Mirum mit feiner Birnen-, Mandel- und Anisnote, aber auch der einfache Verdicchio Di Matelica 2015, der preislich gut die Hälfte kostet, ist eine sehr gute Wahl.

Das Teatro Piermarini

(c) Michael Ritter

DAS TEATRO PIERMARINI

Teeatro Piermarini

(c) Michael Ritter

Nach dem Besuch am Hang geht es hinunter ins Zentrum der alten Stadt. Nach einem kurzen Bummel über den Corso Vittorio Emanuele der 10.000 Einwohner-Stadt stehen wir vor dem Tor des 1805 von Giuseppe Piermarini erbauten Theaters. Zusammen mit seiner für die Kultur und den Tourismus zuständigen Kollegin im Stadtrat hat Potentini dafür gesorgt, dass eine kleine Enoteca und Bar das historische Theater neu beleben. Der eindrucksvolle Theatersaal ist ein Spätwerk des Architekten Piermarini, der mit seinem bekanntesten Theater, der Mailänder Scala, jedem Opernfreund ein Begriff ist. In einem winzigen Örtchen hätte man so etwas nicht vermutet. Was hätte ein schönerer Abschluss eines gelungenen Kurzbesuchs im Reich des Verdicchio von Matelica sein können, als eine Verkostung der Weine von Matelica in dieser einzigartigen Umgebung.

Darunter großartige Weine wie der Cambrugiano, der 1988 als erster Riserva-Verdicchio auf den Markt kam und seitdem mit kurzer Maischegärung oder Cryo-Mazeration hergestellt wird.

Dabei werden die Trauben nach dem Abbeeren gemahlen und bleiben bis zu 24 Stunden bei niedrigen Temperaturen auf den Schalen, ohne dass der Most dabei gärt. Die so entzogenen Farbpigmente und Phenole reichern den Wein später geschmacklich an. Seine Reifung erlebt der Wein im Stahltank und - zum Teil - im Leichenfass. Ein sehr gelungener Wein. Insgesamt zeigte aber auch die anderen Weine, die Potentini in einer kleinen Verkostung unterschiedlicher Weingüter, Qualitätsstufen und Jahrgänge präsentiert, ein erfreulich hohes Niveau. Etliche der älteren Weine zeigten dabei noch eine unerwartete Frische und Lebendigkeit, die im besonderen Mikroklima von Matelica leichter zu erzielen ist als in der tiefer liegenden Region rund um die Castelli di Jesi. 2009 verlieh man dem Verdicchio di Matelica Riserva DOCG-Status.

Sirolo und der Monte Conero

(c) Pixabay CC0

ROSSO CONERO

Köstliche Meersfrüchte bei den Due Sorelle

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Unser Hotel Gens Camuria der Brüder Gatti in Camerano ist ebenfalls ein Weingut. Das Hotel ist beliebt bei deutschen Gästen, denn einer der beiden Brüder spricht perfekt deutsch. Viele davon legen sich auf dem Rückweg nach Deutschland gern ein paar Tetrapacks Wein in den Kofferraum. Das Anfang des Jahrtausends in einem alten Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert errichtete Hotel ist gut angebunden und nur eine Autobahn-Ausfahrt vom Flughafen Ancona entfernt. Leider ist die gute Verkehrsanbindung kaum zu überhören, denn das hübsche Hotel liegt zwischen der stark befahrenen Straße auf der einen Seite und Autobahn und Schnellbahntrasse auf der anderen Seite. Das Frühstück kommt direkt vom Bauernhof der Familie.

Bei den Weinen handelt es sich hier um Rosso Conero, der zeitgleich mit dem Verdicchio 1967 DOC-Status erhielt und hier auf insgesamt 600 Hektar wächst.

Gewonnen wird der Rosso Cònero zum größten Teil aus Montepulciano, der typischen roten Rebsorte im Osten des Apennins, die zwischen den Marken im Norden und Apulien im Süden angebaut wird. Um ihn vom Vino Nobile di Montepulciano besser unterscheiden zu können, der aus Sangiovese gewonnen wird, trägt der daraus gewonnen Wein in den Abruzzen die Bezeichnung Montepulciano d’Abruzzo. Als Partner wählen einige Winzer zu bis zu 15 % Sangiovese, bei den Gattis bekommt man reinen Montepulciano.

Marilena Cocci Grifoni

(c) Michael Ritter

Cocci Grifoni

Marilena Cocci Grifoni

(c) Michael Ritter

Am Morgen des dritten Tags machen wir uns auf in Richtung Süden. Mit Cocci Griffoni steht ein Weingut am Anfang unseres Tagesprogramms, dessen Bekanntschaft ich zufällig bei der diesjährigen ProWein in Düsseldorf gemacht hatte. Durch Zugverspätungen traf ich am Samstag erst spät am Nachmittag in Düsseldorf ein und irrte auf der noch nicht eröffneten Messe ein wenig auf der Suche nach der 3 Gläser-Verkostung des Gambero Rosso umher. Leicht verkühlt von den noch winterlichen Temperaturen, durch die ich in Düsseldorf stampfen musste nahm ich schließlich die U-Bahn zurück ins Zentrum, von wo aus ich noch einige Kilometer nach Süden fahren musste, nachdem mein Airbnb-Zimmer in der Vorwoche kurzerhand vom Vermieter storniert wurde. Meine Nachbarn in der Sitzbank litten mit mir, sprachen Italienisch und so kamen wir über kurz oder lang ins Gespräch. Italienische Winzer aus den Marken. Ich erzählte ihnen, dass ich vor einiger Zeit einmal den Verdicchio rund um Jesi verkostet hätte, aber in Sachen Wein noch nicht in den Süden der Marken vorgedrungen sei. Wir vereinbarten einen Termin auf der Messe und Marilena Cocci Griffoni stellte mir dort ihre Weine mit den neuen Etiketten mit der Flora und Fauna der Region und auf einem Tablet die Landschaft vor, in der sie wuchsen.

Ich war auf der Messe schon angetan von der Qualität des Weins und besonders des Pecorino, den ich bis dahin noch nicht allzu oft verkostet hatte und nutzte deshalb an einem der folgenden Abende die Möglichkeit bei einer Verkostung der Weine der nur wenige Kilometer südlich gelegenen Abruzzen, einige derer Pecorinos zu probieren. Doch als wir uns dann endlich über enge kurvige Straßen im Hinterland des beliebten Badeorts San Benedetto del Tronto den Grat erreichen, auf denen das Weingut liegt, sind wir fasziniert von der wundervollen Lage und dem weiten Blick bis zu den Monti Sibillini im Westen und Gran Sasso im Süden.

Das Weingut gehört mit inzwischen 50 Hektar Rebfläche zu den bekanntesten Weingütern der Region und das zauberhafte Ascoli Piceno ist auch nur wenige Kilometer über kurvige Straßen entfernt. „Aus unserer Kindheit haben wir Erinnerungen an weiße Schotterstraßen, die zum alten Haus führten. Und darum herum Wiesen und Felder, Obst- und Gemüsegärten. Wir wussten, dass in der Nähe unser Weinberg lag, wo unsere Eltern zusammen mit unserer Großmutter Trebbiano und Montepulciano anbauten. Hieraus wurde Wein für die Familie gekeltert und in kleinen Fässern im Erdgeschoss aufbewahrt. Wir Mädchen schliefen im ersten Stock, unser Zimmer befand sich in der heutigen “Montepulciano”-Wohnung und war nach Süden ausgerichtet: sonnenüberflutet und heiß im Sommer, aber kalt im Winter. Wir befanden uns damals mitten in der Erdölkrise, in den schwierigen 70er Jahren.

Heute ist aus dem alten Haus, das unsere Urgroßeltern 1933 errichteten, das Gästehaus geworden. Nach der Sanierung wurde es mit einer Solaranlage ausgestattet. Zwei Ferienwohnungen, ein beheizter Swimmingpool und in Richtung des Weinbergs “Vigna Messieri” der Garten“.

Marilena bietet den herrlichen Blick auf die umgebende Landschaft auch Weinfreunden an, die dort einen Stopp machen wollen. Mehrere Angebote, unter anderem eine Verkostung von drei Crus, biete sie dabei zusammen mit Appetithäppchen auf der Panoramaterrasse und einem Rundgang durch den historischen Familienweinberg „Vigna Messieri“ und die Kellerei an. Kosten 29 Euro, die sie auch für ein Mittagessen mit Verkostung verlangt. Es werden sich sicherlich Abnehmer dafür finden.


Die organisch betriebenen aber noch nicht zertifizierten Weinberge der Tenuta grenzen auf fast allen Seiten an Wald und Badlands oder Calanchi, wie man die an die erodierten Lehmhänge hier nennt. Die Rebhänge mit ihrem starken Gefälle liegen teils direkt neben den bis zu 100 m tief abfallenden bizarren klippenartigen Lehmhängen. Um die Erosion zu verhindern, hat man die Rebzeilen spiralförmig von oben ausgerichtet. Dieses Girapoggio genannte Verfahren hatte ich schon mancherorts vor allem in Übersee gesehen. Es macht größere Abstände notwendig, bringt dadurch geringere Erträge, doch behindert es auf den Lehmhängen die weitere Erosion.

Am nächsten am Weingut liegt der von Marilena als „historisch“ bezeichnete Weinberg „Messieri“, der mit Rosso Piceno bestockt ist und von einer Aussichtsstelle einen Blick auf die weiter entfernten Weinberge für den weißen Pecorino und Passerina erlaubt.

Cocci Grifoni legen ein Hauptaugenmerk auf autochthone Reben. Wie schon eingangs berichtet, hatte es mir besonders der Pecorino angetan. Die autochthone Weißweinsorte hat hier ihren Ursprung und breitete sich später auch auf andere Regionen Mittelitaliens wie die Abruzzen und Teile des Latiums und Umbrien aus, bevor sie vor rund 100 Jahren in Vergessenheit geriet. Groß ist das Anbaugebiet der frühreifenden und wuchsfreudigen Sorte auch heute nicht, doch die Verfünffachung der Rebfläche zwischen der Jahrtausendwende und 2010 auf über 1.100 Hektar spricht eine deutliche Sprache

Die frühreifende, wuchsfreudige Sorte erbringt nur schwankende Erträge. Die aus ihr gekelterten Weine sind fruchtig und verfügen über eine feine Säure. Ihre Wiederentdeckung im Jahre 1982 verdankt der Pecorino Marlenas Vater Guido, der sie auf seiner Suche nach alten, vergessenen Rebsorten Italiens in einem nicht mehr bewirtschafteten uralten Weinberg an der Grenze zu Umbrien und Latium auf fast 1.000 m Höhe entdeckte.

Trotz ihrer dünnen Schale ist sie robust und widerstandsfähig gegen Wetter und Schädlinge. Kleinbeerig produziert sie nur wenige Trauben, die vor Sonne geschützt werden müssen. Zusatzarbeit für die Winzer, die sie deshalb einst aus dem Anbau nahmen. Guido Cocci Grifoni vermehrte die Mutterreben und konnte schon 1990 eine nennenswerte Lese einfahren und ausbauen. Das Ergebnis war qualitativ derart interessant, dass sie wieder Aufnahme im Katalog der genehmigten DOC-Rebsorten fand, dem sie schon ein Jahrhundert früher angehörte.

Der ausschließlich wurzelecht angebaute Pecorino wird in seiner Heimat wegen seiner strukturellen Komplexität auch „der in weiß gekleidete Rote“ genannt, da er geschmacklich an Rotwein erinnert. Nur hier rund um Offida erreicht er DOCG-Status. Strohgelb zeigt er grüne Reflexe. Würzig duftet er nach Akazie und Jasmin und schmeckt nach reifer gelber Frucht. Dicht und komplex im Mund hat er ähnlich dem Verdicchio oft eine salzig-mineralische Note.

Sehr gut gefallen hatte mir schon in Düsseldorf der aus dem historischen Weinberg Colle Vecchio stammende und sehr langlebige Guido Cocci Grifoni DOCG Pecorino aus dem Jahr 2013, der nach der Lese erst einmal eineinhalb Jahre auf der Hefe im Stahltank lag, bevor er abgefüllt wurde und mit dem Marilena an ihren Vater erinnern möchte und der seit 1989 produzierte Offida DOCG Pecorino, wo die Rebsorte quasi ihre Wiederauferstehung gefeiert hat. Großartig die balsamischen Noten nach Kräuter, Eukalyptus kombiniert mit reifer gelber Frucht. Am Gaumen intensiv und mit langem Abgang vereint er Frische mit unglaublicher Dichte und Komplexität. Ältere Jahrgänge zeigen schön das Entwicklungspotenzial dieses Weins über die Jahre. Auch der vom Weinberg Vigna Messieri stammende Rosso Piceno Superiore DOC aus Montepulciano und Sangiovese ist ein tollerausdrucksstarker Wein mit beeindruckender Komplexität.

Torre Civica von Toritoli

(c) Michael Ritter

Ein Rundgang durch Petritoli

Theateer von Petritoli

(c) Michael Ritter

Fast schon mit einem Bedauern verlassen wir an diesem sonnigen Frühsommertag die Tenuta und Marilena Cocci Grifoni und machen uns auf den Weg ins einige Kilometer nördlich gelegene mittelalterliche Petritoli, von dem die meisten von uns noch nie zuvor gehört hatten. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Wir betreten den im 10. Jahrhundert von Mönchen des Klosters Farfa geründeten Ort durch ein monumentales Tor und sind beeindruckt von den Gässchen, den alten Kirchen, Klöstern und Häusern und dem 40 Meter hohen Torre Civica rund um die malerischen Plätze. Seit 2012 ist der kleine Ort beliebtes Ziel für Paare aus Deutschland, Holland und Frankreich, die sich in dem pittoresken Ort trauen lassen und so der sonst schwachen örtlichen Wirtschaft Auftrieb verleihen. Überhaupt scheinen die Holländer dem kleinen Ort mehr Aufmerksamkeit zu widmen als die Italiener, denn wer bei Wikipedia vorbeschaut erfährt in der deutschen Version wenig, im Italienischen etwas mehr und in der niederländischen Version sehr viel über die kleine Stadt und ihre Attraktionen. Ausgesprochen ungewöhnlich.

Wieder zurück durch das monumentale Stadttor kehren wir ein im Ristorante Re Squarchiò direkt bei dem Platz der Tre Archi und pflegt eine traditionelle Cucina Marchegiana. Hier, ein paar Kilometer entfernt von der Küste machen sich die Fische und Meeresfrüchte rar und stattdessen landen Salami, Käse, kräftige Nudelgerichte mit Fleisch und Öl aus der Region auf dem Tisch. Auch eines der spannendsten Gerichte des Piceno kommt auf den Tisch: Olive Ascolane, die man nicht nur in Ascoli Piceno gerne als Street Food angeboten bekommt. Dazu werden die großen in Salzlake eingelegten Oliven der speziell für diesen Leckerbissen genutzten Sorte Ascolana Tenera werden entkernt, mit unterschiedlichen Fleischfüllungen versehen , dann in Mehl, Ei und Semmelbrösel gerollt und anschließend goldgelb frittiert.

Olivenbaum in den Marken

(c) Michael Ritter

Olive Ascolane

(c) Michael Ritter

Erstklassiges Olivenöl und Nudeln

Nudeln trocknen bei Campofilone

(c) Michael Ritter

Erstklassig auch das Olivenöl, bei dem man auf eine Vielzahl der anderen Olivensorten wie Sargano, Carboncella, Moraiolo, Leccino, Frantoio, Piantone di Moiano und besonders Piantone di Falerone zurückgreiftund handgelesen daraus zum Beispiel im Frantoio Agostini von Marco und Elia Agostini nach traditioneller Machart verschiedenes von Slowfood und verschiedenen internationalen Wettbewerben prämierte reinsortige Olivenöle oder schmackhafte Cuvées herstellt.

Sehr gut gefallen haben uns auch die aufgetragenen Nudeln, die aus dem wenige Kilometer entfernten Campofilone stammten. Die gleichnamige Manufaktur, die wir anschließend zusammen mit ihrem Geschäftsführer Enzo Rossi besichtigen, stellt Eiernudeln auch heute noch mit derselben Umsicht und Liebe her, wie in längst vergangenen Zeiten. Die erlesene Qualität gründet auf die einfachen und natürlichen Zutaten: Hartweizengrieß und frischeste Eier, ohne Zusatz von Wasser.

Langsam wird der hauchdünne Teig gerührt, trocknet dann 48 Stunden in einem langsamen und stufenweisen Verfahren, das von leicht über Zimmertemperatur erhöht wird. Für 1 kg Pasta werden 20 Stück frische Eier von freilaufenden Hühnern verwendet. Als kürzlich der Fibriol-Skandal vor Rückständen in Eiern warnte, konnte La Campofilone stolz auf seine unbelasteten Eier setzen. Slow Food zeichnete das Unternehmen in seinem Führer "Il Buon Pease" als einen der besten handwerklich arbeitenden Kleinproduzenten Italiens aus. Zwar kosten sie in Deutschland mit 5 bis 6,60 Euro pro 250 Gramm-Packung ein Mehrfaches von Industrieware alle Barilla oder Buitoni, doch die sind sie wert. Ein Tipp: kommen sie vorbei. In der Fabrik kosten sie deutlich weniger.

Luca Renzi und die Amphoren

(c) Michael Ritter

Amphorenweine im Castrum Morisci

Weinberge von Castrums Morisci

(c) Michael Ritter

Auf halber Strecke zwischen Petritoli und der Küste machen wir eine Abstecher vom Weingut Castrum Morisci, wo uns Mitinhaber Luca Renzi schon erwartet. Es herrscht Betrieb im Weingut, denn an diesem Samstag feiern die Weingüter der Marken in 76 Weingütern die Cantine Aperte. Auch Marilena hatte sich dabei schon auf einen großen Zulauf vorbereitet. Malerisch liegt das organisch arbeitende Weingut an einem Berghang und wenn man ein wenig um die Ecke des darunter liegenden Val d’Aso schaut, kann man das nahe Mittelmeer erahnen.

Wir sind im Anbaugebiet des Falerio die Colli Ascolani, der hier in zwei Weintypen angeboten wird, als Falerio, einer Cuvée aus Trebbiao, Passerina und Pecorino und Falerio Pecorino, der mindestens zu 85 Prozent aus Pecorino bestehen muss.

Luca und David Pettinari haben das Weingut mit einem Faible für die Tradition ihrer Heimat aufgebaut. Der Name des Weinguts ist der alte römische Name des Örtchens, das sich aus einem Lager heraus entwickelte. Die beiden Schwager habe dafür ein altes Landhaus inmitten der sieben Hektar alter Weinberge in eine Kellerei umgebaut, davor stehen Stühle, Tische und Bänke und zahlreiche junge Leute nutzen das sonnige Wetter für einen Besuch und verkosten die ungewöhnlichen Weine des Weinguts. Wenn das Weingut jede Woche so viele Gäste willkommen heißen könnte, wären die 25.000 Flaschen, die man jedes Jahr produziert, wohl schnell ausverkauft. Die Weine sind mit Zahlen benannt und werden entweder in Edelstahl oder in sechs teuren 500 Liter großen Terrakotta-Amphoren ausgebaut.

Bei so viel Faible für die Antike wundert fast die Moderne, die über Braille- und QR-Code die Flaschen mit Zusatznutzen ausstattet. Der Falerio Pecorino 003 gefällt uns mit seinen schönen Fruchtaromen sehr gut.

Luca zeigt uns im Keller, wie er in den Amphoren den Most mit einem speziellen Rührer für ein halbes Jahr stets im Kontakt mit den Beeren hält. Ungewöhnlich auch die Flaschen und der Verschluss. Die Amphorenweine werden in einer Burgunderflasche mit Kronkorken auf den Markt gebracht, die in Stahl ausgebauten Weine in einer Bordeauxflasche mit normalem Korkverschluss,

Spannend auch der in der nach Rebsorten separat in Amphoren vinifizierte und gereifte Padreterno, ein Marche IGT aus Vermentino und Malvasia mit seinen wundervollen Fruchtaromen. Eine der Tradition verbundene Besonderheit des Weinguts ist sein Focagno, ein Vino Cotto, also ein über mehrere Stunden langsam gekochter fast sirupartiger und geschmacklich an Pflaumenmus und Bitterschokolade erinnernder Wein, für den der Most im großen Kupferkessel so lange erhitzt wird, bis er zwei Drittel seines ehemaligen Gewichts eingebüßt hat und dann vier Jahre lang im kleinen Holzfass lagert. In der Region ist der Vino Cotto seit Generationen für den Hausgebrauch beliebt, da der Verkauf mit EU-Normen im Widerstreit steht, doch die Regierung der Marken hat dafür eine Ausnahmeregelung gefunden. Das Fass wird wie im Solera-System jedes Jahr mit dem neuen Wein aufgefüllt.

Weinberge von Terra Fageto

(c) Michael Ritter

Terra Fageto - Weingut mit Meerblick auf der Steil

Michele Di Ruscio (rechts) von Terra Fageto

(c) Michael Ritter

Es sind nur wenige Kilometer vom Weingut zur Adriaküste, die wir bei Pedaso erreichen. Dort hat die Familie Di Ruscio ihr Weingut Terra Fageto. Ein Großteil der Produktion findet heute in der modernen Kellerei im Industriegebiet statt, doch Michele und sein Vater nehmen uns lieber direkt zu ihren Weinbergen und dem alten Betrieb, wohlwissend, dass wir von dessen Lage begeistert sein würden. Aufgebaut hat es sein Großvater Dante auf der Steilküste, die weite Blicke über die Adriaküste erlaubt. Sein Vater Claudio hatte es dann von Dante übernommen und das kleine Weingut in die moderne Zeit überführt. Inzwischen haben der zum Sammeln von Erfahrungen einige Zeit nach Kalifornien geflogene Michele und sein Bruder Angelo das 40 Hektar große Weingut Stück für Stück übernommen und es auf organischen Ausbau, und stärkere Internationalisierung getrimmt.

Michele ist ein Fan der Passerina –Traube, der anderen spannenden autochthonen weißen Rebsorte neben dem Pecorino. Früh gelesen hat sie ein kräftiges Säuregerüst und ist auch beliebt bei der Herstellung von Spumante. Auch hier sind wir noch im Anbaugebiet Falerio dei Colli Ascolani. Die Zwitterblüte befruchtet sich selbst, was den Anbau ertragsloser männlicher Pflanzen unnötig macht. Erstmals war mit die Rebsorte vor vielen Jahren bei einem Besuch der Colline Teramane in den Abruzzen aufgefallen, wo ich im Weingut Faraone eine Vertikalverkostung des Trebbiano d’Abruzzo absolvierte und mich sehr über die spannenden Ergebnisse älterer Jahrgänge gewundert hatte, die ich so gar nicht mit dem mir aus der Toskana vertrauten Trebbiano verbinden konnte.

Inzwischen habe ich die Unterschiede erkannt und konnte mich meinem Namensvetter bei seiner Vorliebe anschließen. Es war gegen Ende des vergangenen Jahrtausends, dass man den Passerina bei Terra Fageto für sich entdeckt hat. Für eine bessere Qualität wird der Ertrag der ertragsstarken Rebe reduziert. Der so entstandene in Edelstahl ausgebaute blasse 2017er Letizia Passerina ist frisch und harmonisch am Gaumen. Die jungen Di Ruscios haben dem Wein eine eigene Flasche mit breiter Schulter und dem geprägten Familienwappen verpasst. Nach den Erfahrungen aus den Abruzzen bin ich zuversichtlich, dass der Wein ebenfalls ein ausgezeichnetes Alterungspotenzial hat. Auch der Fenesia, ein Offida Pecorino DOCG, der ein ausgezeichneter Begleiter zu Meeresfrüchten ist, bringt dieses Alterungsvermögen mit sich, obwohl er schon jetzt wundervolle florale Aromen zeigt.

Mit einem Besuch im malerischen nur einige Kilometer nördlich gelegenen Torre di Palme endet unser Besuch der Marken. Der Ort liegt rund 100 Meter über dem Meer und ein Abendessen auf der großen Terrasse des nur am Wochenende geöffneten Ristorante Le Torre mit seinen köstlichen Fischgerichten ist der perfekte Abschluss.











Pecorino von Terra Fageto

(c) Michael Ritter

(c) Connaisseur & Gourmet 2017