Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

UNESCO Weltkultur und Romanik rund um Naumburg

Statue des Thietmar von Mersenburg

(c) Michael Ritter

Thietmar von Merseburg und seine Chronik

Mehr als 1,5 Millionen Besucher lockt die Straße der Romanik jedes Jahr nach Sachsen-Anhalt. Der von Bischof Thietmar von Merseburg begonnene Merseburger Dom gehört dabei zu den markantesten Bauten der hochmittelalterlich geprägten Kulturlandschaft an Saale und Unstrut.

Zu seinen Lebzeiten war Thietmar ein wichtiger Berichterstatter. In seiner Chronik erwähnte er erstmals das kleine „urbs libzi“, eine Siedlung im Osten der kleinen Domstadt, die sich in den folgenden Jahrhunderten zu einer der wichtigsten Metropolen im Osten Deutschlands entwickeln sollte: Leipzig.

Doch auch das schon im 10. Jahrhundert zur Königspfalz ernannte Merseburg behielt seine Bedeutung als religiöses Zentrum.

Das malerische Dom-Schloss-Ensemble war der Lieblingsort einiger deutscher Kaiser und Könige. Anteil daran hatte sicherlich auch der einflussreiche Bischof, zu dessen 1000. Todestag jetzt eine Ausstellung öffnete, die noch bis zum 4. November 2018 zu sehen ist und die einen der Höhepunkte im Jubiläumsjahr „25 Jahre Straße der Romanik“ in Sachsen-Anhalt darstellt.

Im Jahr 975 geboren, entstammte Thietmar einer einflussreichen sächsischen Adelsfamilie, die schon früh den Wert umfassender Bildung erkannte. In seinen letzten Lebensjahren begann der umfassend gebildete Geistliche mit der Niederschrift seiner Chronik, in der er die wichtigsten politische und geistliche Ereignisse seiner Zeit zusammenfasste und deren Akteure präsentierte.

Seite der Thietmar Chronik

Page of Thietmars Chronicle

Eine bildreiche Schilderung der Zeit

Bildreich versetzt er auch noch Jahrhunderte später die Leser zurück in seine Zeit. sowie bedeutende Personen. Für Historiker ist es ein Schatz von unermesslichem Wert. Das besondere an seinen Ausführungen ist die bildreiche Sprache. Durch sie fühlt sich der Leser in die Welt des Mittelalters zurückversetzt. Akribisch zeichnet er darin den Übergang von Slawen, Dänen, Polen, Böhmen und Ungarn zum Christentum auf und betonte dabei immer die Leistung der Ottonen von Otto I. bis und Heinrich II.. Während Otto I und Otto II schon vor seiner Geburt oder in seiner Kindheit starben, sah er dem 980 geborenen und schon dreijährig zum deutschen König gewählten Otto III sporadisch, während der Kontakt zum zwei Jahre älteren Heinrich II., der ihn 1009 zum Bischof von Merseburg ernannte, sehr viel enger war, der oft in Merseburg weilte. Ein Teil der Chronik des einflussreichen Herrschers, der im Bamberger Dom bestattet wurde und später vom Papst zusammen mit seiner Frau Kunigunde heiliggesprochen wurde, hat fast den Charakter einer Biografie.

Auch für die Nachwelt ist Thietmars spannende Chronik, die durch Löschwasser beim alliierten Bombenangriff auf Dresden schwer gelitten hat, eine der wichtigsten Quellen zur Erforschung des Hohen Mittelalters. Sie ist jetzt zusammen mit anderen mittelalterlichen Zeugnissen im Merseburger Dom und der gegenüberliegenden Willi-Sitte-Galerie zu sehen.

An manchen Stellen liest sich die Chronik wie ein Krimi. Zum Beispiel, wenn Thietmar dem Leser eine blutige Beschreibung der Geiselnahme seiner Onkel durch die Wikinger liefert, die einem davon, um die folgenden Lösegeldverhandlungen zu forcieren, in IS-Art den Kopf abschnitten. An anderer Stelle betrachtet er selbstkritisch seinen kleinen Wuchs und seine krankheitsbedingten Missbildungen. Gäste mit Audioguide werden so sehr eindrücklich durchs Mittelalter geleitet.

König Heinrich II. im Merseburger Dom

(c) Michael Ritter

Merseburger Sonderausstellung zu Ehren Thietmars

Unter den insgesamt 125 Exponaten befinden sich eine Kaiserkrone, ein Elfenbeinring mit Jagddarstellung und ein wertvoller Weihwasserkübel aus dem Mailänder Dom, der als einer der 55 europäischen Leihgeber die Ausstellung erst möglich machte. In der heute zur Willi-Sitte-Galerie umgewandelten ehemaligen Domherrenkurie ist als Herzstück der Ausstellung das aus der Sächsischen Landesbibliothek ausgeliehene Original der zum Teil durch die Amerikaner zerstörten Chronik zu sehen. Dank Digitalisierung kann der Besucher auf einem Touchscreen-Monitor in der Chronik herumblättern.

In der Bischofskapelle des Merseburger Doms liegt das Grab Thietmars, dessen Familiengeschichte in der Südklausur aufbereitet wird. Er geht auch mit sich selbst sehr kritisch ins Gericht und schildert sich als jähzornig, heuchlerisch, neidisch und sarkastisch… ein normaler Mensch eben. Manchmal wünschte man sich, unsere Politiker und Theologen würden Thietmar in seiner Selbstkritik folgen.

Merseburg war dank seiner frühen Geschichte geradezu prädestiniert als Zentrum der Romanikforschung. Spannend sind auch die Merseburger Zaubersprüche, zwei in alten Handschriften überlieferte althochdeutsche Sprüche aus heidnisch-germanischer Zeit, welche die Bibliothek des Domkapitels aufbewahrt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sie erstmals von Jacob Grimm herausgegeben und kommentiert. Der erste gilt als Lösezauber von Fesseln eines Gefangenen, der zweite als Heilungszauber eines verletzten Pferdefußes.









Grabplatte für Rudolf von Schwaben

(c) Michael Ritter

Sehenswerter Merseburger Dom

Doch auch außerhalb der Sonderausstellung ist der Merseburger Dom einen Besuch wert. Zauberhaft die Reste der um 1260 entstandenen Glasfenster über dem Westportal in der Vorhalle, die wie die meisten anderen Glasfenster des Doms bestens restauriert wurden, der monumentale Lettner und die schöne romanische Hallenkrypta.

Eines der schönsten Stücke ist die an prominenter Stelle unter der Vierung angebrachte älteste mitteleuropäische Bronzegrabplatte des in der Zeit des Investitutstreits als Gegenkönig des Saliers Heinrichs IV. eingesetzte Schwabenherzog Rudolphs von Rheinfelden, der 1080 in einer Schlacht an der Weißen Elster gegen diesen fiel.

Es war ein politisches Statement, denn Heinrich IV. lag mit Papst und Kirche im Streit und hatte drei Jahre zuvor den Gang nach Canossa angetreten. Auch eine im Dom verwahrte mumifizierte Hand wird Rudolph zugeschrieben.

Ebenfalls in der Romanik entstand der schöne Sandstein-Taufstein in der Vorhalle. Orgelliebhaber sollten die Merseburger Orgeltage nutzen, denn die Merseburger Ladegastorgel gehört zu den klangschönsten romantischen Orgeln Mitteldeutschlands.

Der Naumburger Dom, UNESCO Weltkulturerbe

(c) Michael Ritter

Naumburger Dom - Neues UNESCO Weltkulturerbe

Rund 30 Kilometer südlich von Merseburg lockt Kulturfreunde im malerischen Weinbaugebiet Saale-Unstrut mit dem Naumburger Dom der neueste deutsche Zugang auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Anfang Juli hatte das Zittern der Antragsteller ein Ende und der Dom wurde im zweiten Anlauf aufgenommen. Da war die Freude groß bei der ehemaligen Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck, die gerade zur Dechantin der Vereinigten Domstifter und zur Vorsitzenden des Fördervereins Welterbe ernannte wurde.

Ein Besuch im Dom ist ein Ausflug in die Welt von Uta. So hieß die schöne Markgräfin, deren Stifterfigur im Westchor seit Jahrhunderten nicht nur die Männer begeistert. Zusammen mit ihrem Gatten Ekkehard II. war sie Mitte des 11. Jahrhunderts Markgräfin von Meißen. Ihre Figur wurde allerdings erst 200 Jahre später vom so genannten Naumburger Meister geschaffen. Als Walt Disney 1937 mit Schneewittchen und die sieben Zwerge seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm drehte, soll die schöne Aristokratin als Vorbild für die eitle und böse Königin gedient haben. Auch andere Zeitgenossen hatten einen Faible für sie: „Wenn Sie mich fragten, mit welcher Frau in der Geschichte der Kunst ich gerne essen gehen und einen Abend verbringen würde, wäre da zuerst Uta von Naumburg“, sagte beispielsweise Umberto Eco.

Wohl schon einige Jahre davor entstand mit der Steinskulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen die wohl älteste bildliche Darstellung der nur vier Jahre nach ihrem Tod heiliggesprochenen Landgräfin, der Opernfreunde – leicht abgewandelt - in Wagners Tannhäuser wiederbegegnen. Sie war ein Kind dieser Zeit und dürfte in Naumburg auch den Domneubau ab 1213 verfolgt haben. Es war damals eine Zeit im Umbruch. In Italien lebte damals Franz von Assisis nach dem Vorbild Christi in Armut.

Mit seiner Wegbegleiterin Klara gründete er für die Frauen den Orden der Klarissinnen. Europaweit breitete sich diese Armutsbewegung aus, teils - wie bei den Waldensern - gegen den erbitterten Widerstand Roms. Bei der jungen Elisabeth, die den Ränken und dem Prunk auf der Wartburg schon früh kritisch gegenüber stand, fiel dies auf fruchtbaren Boden, standen aber im krassen Widerspruch zu ihren Pflichten als Landgräfin. Trotzdem intensivierte sie ihren Einsatz für Arme und Kranke mit Unterstützung ihres Mannes und ihres Beichtvaters Konrad von Marburg. Auch in den Glasfenstern des Doms wird der jung verstorbenen Heiligen gedacht.

Die Fenster der Elisabethkapelle skizzierte der Leipziger Maler Neo Rauch und stiftete sie dem Dom. Er hält darin in seiner eigenen Bildsprache zentrale Aspekte des Wirkens der Heiligen fest, als sie ihren Mann beim Aufbruch zum Kreuzzug verabschiedet, den Armen Kleider spendet und die Kranken pflegt. In rubinroten Glas wurden dabei die Konturen, Schraffuren und Schattierungen im Säurebad mit dem Pinsel abgenommen, bis das gewünschte Weiß in der Darstellung erreicht war. Später wurden die Scheiben zugeschnitten und in Blei gefasst.

Schon als ich den damals 28-jährigen Neo Rauch kurz vor der Wende erstmals traf, war er einer der vielversprechendsten Künstler der DDR. In den folgenden Jahrzehnten stieg er mit Hilfe seines Galeristen Gerd Harry Lybke auch international zu einem der bedeutendsten Künstler seiner Generation und bekanntester Vertreter der „Neuen Leipziger Schule“ auf. Zusammen mit dem rührigen Lybke gründete er in seiner Heimatstadt Aschersleben eine Grafikstiftung, die sein gesamtes grafisches Werk pflegt und bewahrt. Raus gegenständlichen Figuren sind geprägt durch matt gebrochene Farbigkeit, die sich an den Surrealismus anlehnt





Blick auf Freyburg

(c) Michael Ritter

Naumburg als Quartier für einen Besuch des Burgenl

Naumburg und die malerischen Weinorte in der Umgebung bieten sich auch als Standquartier für einen Besuch in der Weinbauregion an. Unweit des Doms hat kürzlich hinter einer alten Fassade der neugebaute Gasthof Zufriedenheit eröffnet, der mit seinen Zimmern und den angebotenen Speisen und Weine seinem Namen alle Ehre macht, jedoch mit Zimmerpreisen um 155 Euro auch das teuerste Haus am Ort ist. Günstiger und trotz der verkehrsreichen Ringstraße ebenfalls angenehm und empfehlenswert ist der renovierte Neubau der Alten Schmiede. Wer mit dem Auto anreist, sollte einen der wenigen Parkplätze dazu buchen, denn die nahen öffentlichen Parkplätze am Ring sind mit gut überwachten Parkuhren ausgerüstet.

Ein wenig außerhalb liegt direkt an der Saale und dem sie begleitenden Radweg das Hotel Zur Henne in einem hübschen alten renovierten Industriebau. Fast im Weinberg wohnt man im Hotel zum Rebstock im Ortsteil Roßbach. Auch hier sind es nur wenige Meter zum Saale-Radweg. Zwar bietet der Rebstock keine Küche an, doch wird man im Ort nicht verhungern. Winzerin Sandra Frölich vom Weingut Frölich-Hake bietet mit ihrem Gutsausschank neben den vorzüglichen Weinen auch kleine, weinbegleitende Speisen an. Näheres zum Wein und Genuss im Burgenland-Kreis.

Japanischer Garten in Zeitz

(c) Michael Ritter

Besuch im Länderdreieck bei Zeitz

Während sich an Saale und Unstrut teils ein Weinberg an den anderen reiht, sehen wir auf der Fahrt nach Südosten in Richtung Zeitz keine einzige Rebe. Die Stadt an der Weißen Elster hat es nicht einfach, denn viele junge Menschen verlassen die Stadt. An manchen Stellen erinnert es bei der Durchfahrt an Naumburg kurz nach der Wende: alte Kriegsschäden, mit Brettern verrammelte Häuser mit bröckelnden Fassaden, in deren verrotteten Winkeln sich kleine Bäume angesiedelt haben. Fast eine Location für einen Endzeitfilm. Über die Hälfte der Bewohner sind seit der Wende abgewandert oder gestorben.

Zeitz war der Wahlkreis von André Poggenburg, der nach Vorwürfen wegen rassistischer Hetze beim politischen Aschermittwoch seiner Partei in Dresden zwar die Fraktions- und Landesführung der AfD Sachsen-Anhalts abgeben musste, aber von der Dresdener Staatsanwaltschaft geschützt wurde, die meint "auch überspitzte polemische Formulierungen (seien) in der politischen Auseinandersetzung hinzunehmen". Poggenburg fuhr in Zeitz 31,6 Prozent der Erststimmen für seine Partei ein. Mehr als die CDU und fast so viel wie SPD, Grüne und Linke zusammen.

Dabei hat Zeitz auch schöne Ecken zu bieten. Rund um den Schlosskomplex der Moritzburg hatte man 2004 die Landesgartenschau ausgerichtet und dabei den zwölf Hektar großen Schlosspark saniert und in seiner ursprünglichen Form gestaltet.

Für Spaziergänge durch die Themengärten mit großen Frühlings- und Sommerblumenbeeten, den Rossner-Park oder den verspielten Lustgarten hat man damit ein abwechslungsreiches Erholungsgebiet geschaffen. Darunter ein zauberhafter Japanischer Garten, der Raum für Ruhe und Entspannung bietet. Für Konzerte und Feste entstand eine Open-Air-Bühne am Johannisteich und ein Tiergehege macht den Park auch für junge Besucher attraktiv.

Auch in Sachen Kultur tut sich etwas und man merkt das Vorbild von Städten wie Naumburg, wenn am 25. August 2018 das völlig überarbeitete Deutsche Kinderwagenmuseum wiedereröffnet. In Vitrinen und mit interaktiven Medien will man damit an den Kinderwagenhersteller Ernst Albert Naether erinnern, der zwischen 1846 und dem Zweiten Weltkrieg die Deutschen und danach zusammengeschlossen bis 1990 als VEB Zewika die Bürger des Ostblocks mit Kinderwagen versorgten. Der Name steht als Abkürzung für Zeitzer Kinderwagen. Rund 600 Kinder-, Sport- und Puppenwagen gibt es dann zu sehen – die größte Kinderwagensammlung Europas. Früher brauchte man übrigens auch für den Kinderwagen ein Nummernschild und zwei Kinderwagen durften nicht nebeneinander fahren. In der historischen Altstadt lohnt auch die Erkundung des unterirdischen Keller- und Gangsystems, dem unterirdischen Zeitz.

Arche Nebra

(c) Michael Ritter

Die Himmelsscheibe von Nebra

Einen Sprung in die Vergangenheit machen wir am kommenden Tag beim Besuch der Himmelsscheibe von Nebra, der vor 3.600 Jahren entstandenen weltweit ältesten bekannten Darstellung des Kosmos. Die runde Bronzescheibe in Größe einer LP zeigt Sonne, Mond und insgesamt 32 goldene Sterne. In sieben davon erkennen Astronomen die Plejaden. Später zugefügte en Horizontbögen und eine „Sonnenbarke“ runden den Fund ab, der 1999 bei einer Raubgrabung bei Nebra ans Tageslicht kam und 2002 nach einem krimireifen Scheinankauf in der Schweiz aufgedeckt wurde.

Während das Original im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ruht, hat man 2007 mit der Arche Nebra ein spannendes Besucherzentrum in der Nähe des Fundorts eröffnet, in dem multimedial und zum Anfassen Geschichte greifbar gemacht wird. Nicht verpassen sollte man dabei die alle halbe Stunden angebotene Planetariumsshow, die eine virtuelle Reise in die Bronzezeit ermöglicht. Im hübschen Waldschlösschen Wangen unterhalb der Arche kann man gut essen und in den renovierten 3-Sterne-Hotel auch gut übernachten.

Schloss Goseck

(c) Michael Ritter

Goseck - Himmelsbeobachtung und lebendige Mittelal

Der Sänger Robert Weinkauf auf Schloss Goseck

(c) Michael Ritter

Hoch über dem Saaleradweg liegt Schloss Goseck. So zauberhaft es von unten ausschaut, das kleine Stück bergauf ist schweißtreibend und viele Radler freuen sich, dann in der Schlossschenke ein kühles Getränk und eventuell ein Essen vorgesetzt zu bekommen.

In der Nähe liegt das 7.000 Jahre alte Sonnenobservatorium, das vor 15 Jahren originalgetreu rekonstruiert wurde und das älteste Observatorium Europas ist. Die runde Kreisgrabenanlage mit 75 Meter Durchmesser umgeben zwei Meter hohe Holz-Palisaden mit drei Toren. Über spezielle Visiere konnten die Menschen damals im Inneren des Observatoriums genau die Wintersonnenwende am 21. Dezember und die Sommersonnenwende am 21. Juni bestimmen.

Schon im 9. Jahrhundert wurde die Gozzeburg erwähnt, die um das Jahr 1000 den Pfalzgrafen von Sachsen gehörte und für die Sicherung der Grenze zu den Slawen zuständig war. Diese ersten Jahre finden sich auch in der Chronik Thietmars wieder, der die Abfolge der Pfalzgraben festhielt. Die einflussreichen Söhne des ersten Pfalzgrafen gründeten nach dem Tod ihres Vaters im Jahre 1041 auf dem Gelände der Burg ein Benediktinerkloster, das zur Reformation säkularisiert wurde.

Nach verschiedenen Adeligen ist das Schloss seit 1997 Eigentum einer Stiftung du Sitz des „Europäische Musik- und Kulturzentrum Schloss Goseck“.

Dessen stellvertretender Vorsitzender Robert Weinkauf führt uns durch die beeindruckende Anlage. Für den ausgebildeten Musiker ist die Stelle auf dem Schloss ein Segen, denn sie ermöglicht ihm seinem Faible für mittelalterliche Musik zu folgen. Anders als die Barockmusik ist die Musik des Mittelalters (noch) nicht sehr populär. Weinkauf möchte dies mit der Konzertreihe Gosecker Schlosskonzerte ändern, bei der überwiegend Konzerte mit „Alter Musik“ auf historischen Instrumenten von international bekannten Künstlern und seinem montalbâne Ensemble präsentiert werden. Hier kann er sie an einem besonderen Ort zu Gehör bringen, wie er uns mit einigen Einlagen in der Kirche und der alten Krypta eindrucksvoll belegt. Von der 1053 geweihten Klosterkirche stehen heute nur noch das Querhaus mit Vierung und Chor und die Krypta . Das Langhaus aus dem 13. Jahrhundert hatte man im 17. Jahrhundert dem Neubau des Schlosses geopfert. Seit 1997 wurde die Kirche saniert und zeigt sich seit 2014 in vorzüglichem Zustand, der in Videosimulationen erkundet werden kann.

Neuenburg

(c) Michael Ritter

Zu Gast aus der Neuenburg

Kapitell der Doppelkapelle von Neuenburg

(c) Michael Ritter

Mächtiger als Goseck ist das bereits erwähnte Schloss Neuenburg oberhalb von Freyburg, dessen Gebiet um 1100 durch die Heirat mit der Witwe des ermordeten Pfalzgrafen Friedrich III. von Goseck an Graf Ludwig dem Springer kam und auf dem er wenig später die machtvolle Anlage errichtete, die vom herrschaftlichen Anspruch ihrer Besitzer zeugt. Mit ihrem Aufsteige als Ludowinger wurden sie zu einem der mächtigsten Fürstengeschlechter im Hohen Mittelalter, die im Investiturstreit klare Position gegen die salischen Kaiser ergriffen. Wie viele andere Bauten verwahrloste auch die Neuenburg in DDR-Zeiten und ging erst 1997 in Eigentum der Stiftung Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen-Anhalt über, die sich jetzt um deren Erhaltung kümmert.

Kunsthistorisch ist besonders die um 1170 entstandene Doppelkapelle von Interesse, die seit der Wende restauriert wird.

Eine langwierige und teure Aufgabe, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Nach einem eingeschossigen Saalbau wurde später ein dreischiffiges, zweijochiges Obergeschoss mit einer kleinen Fußbodenöffnung für den nötigen Hör- und Blickkontakt zur Kapelle im Untergeschoss aufgesetzt, über den das Landgrafenpaar am Gottesdienst in der unteren Leutekapelle beiwohnen konnte. Später wurde diese zur Zeit der Heiligen Elisabeth, die 1224/25 auf der Neuenburg weilte mit einem Kreuzgratgewölbe und einem Bündelpfeiler eleganter ausgestattet, sicherlich nicht im Sinn der wohltätigen Herrscherin.

Passend zur Weinstadt Freyburg hat man im Schlosshof ein Weinmuseum angelegt. Unterhalb der Burg liegt der Herzogliche Weinberg mit einem der typischen Weinbergshäuser im Zentrum, der schon 1774 als barocker Weingarten angelegt wurde. www.herzoglicher-weinberg.de

Krypta Kloster Memleben

(c) Michael Ritter

Memleben Sterbeort der Ottonen

Idyllisch im Weinbaugebiet liegt am Unstrut-Radweg Kloster und Kaiserpfalz Memleben. Es war der Aufenthalts- und Sterbeort König Heinrichs I. und auch Kaiser Otto der Große starb am Ort des alten Bendiktinerklosters. Auch heute noch als Ruine ist es ein atemberaubendes, architektonisches Zeugnis mittelalterlicher Klosterbaukunst. Dank der Grabungen konnte der Grundriss der monumentalen Kirche aus dem 10. Jahrhundert rekonstruiert werden. Man hat sie durch eine Pflasterung sichtbar gemacht. Heute steht noch die Ruine der zweiten Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem malerischen Klostergarten. Die sehr gut erhaltene spätromanische Krypta übt auf die Besucher eine eigenartige spirituelle Anziehungskraft aus. Durch ihre Partnerschaft mit Anselm Grün singen dort im Rahmen des „Belebten Klosters“ gelegentlich Benediktiner ihre Psalmen und laden die Besucher zur Teilnahme an den Stundengebeten ein.

Bis zum 15. Oktober ist die Ausstellung Wissen und Macht über den Heiligen Benedikt und die Ottonen zu sehen. Neben Benedikt ist darin auch der Mönch Heimerad sowie Kaiser Otto II. mit Gattin Theophanu vertreten. Die Ausstellung erzählt von der Ankunft des Benediktinerordens im Unstruttal und von den Impulsen für die Region.

Spielerisch kann man sich sein Wissen über die Ottonen erarbeiten und wenn man hinterher Memleben verlässt und wieder in Richtung Heimat rollt, dann ist für viele Besucher eines sicher: Der letzte Besuch auf der Straße der Romanik war dies nicht, denn auch im Norden locken mit Magdeburg, Havelberg und Jerichow weitere lohnende Stationen, die wir uns für unseren nächsten Besuch Sachsen-Anhalts vorgenommen haben.







Grundriss Klosterkirche Memleben aus dem 10. Jh.

(c) Michael Ritter

(c) Connaisseur & Gourmet 2017