Die schönsten Eckchen Deutschlands

Warum in die Ferne schweifen...

Gries, Köln - Satirisches Handgepäck

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Der Kölner lebt zwar in der Großstadt, aber eigentlich kommt er vom Dorf. Das Dorf heißt Veedel. Sülz ist das beste Beispiel dafür, dass der Kölner ohne die anderen Kölner prima klarkommt, denn dort koexistiert friedlich alteingesessener Kölscher Assi-Adel mit zugezogenen Unternehmensberatern und Fernseh-Redakteuren. Statt des IKEA-Katalogs findet man hier einmal im Jahr den neuen von Manufaktum im Briefkasten. Die Kinderwagen sind allesamt Nebenprodukte der Raumfahrt mit eingebautem GPS-Navi. Hier gibt es nicht nur tolle Kitas mit superengagierten Erzieherinnen, sondern auch einen Waldkindergarten (Waldorf kann jeder, aber Wald? Sülz rules!). Und auch an den besten Freund des Menschen ist gedacht: Es gibt sogar eine Huta - eine Hundetagesstätte, in der hochbegabte Mittelschichthunde in Fremdsprachenbellkursen Chinesisch für Pekinesen lernen können.

Ja ja, die Kölner sehen ihn Köln gerne als die schönste Stadt der Welt. Köln hat halt seine eigene Philosophie: Kölsch, das gesprochen, gesungen, gefeiert und getrunken wird. Es gibt wohl kaum eine andere (deutsche) Stadt, die von ihren Einwohnern so oft besungen und von Auswärtigen so oft belacht wird. Gut, es gibt auch andere Kabarettisten, wie den Südtiroler Konrad Beikircher, der 20-jährig von Bruneck nach Bonn emigrierte, während der 50-jährige Kabarettist und Vagabund Robert Griess im gleichen Alter mit der Straßenbahn nach Köln hätte emigrieren können. Seit 30 Jahren ist er Wahlkölner. Jetzt legt er beim Michael Müller Verlag eine satirische Abrechnung mit der rheinischen Metropole vor, die sich liest wie eine Einführung in die kölsche Seele: ein Crash-Kurs für Alteingesessene und Besucher über die drei großen "K" der Stadt: Kölsch, Klüngel und Karneval.

Bei seinem Zug durch die Gemeinde geht es einmal um den rheinischen Globus und zurück: Vom Sonnenkollektoren-Bezirk Beverly Sülz durch die althippe Südstadt bis zum Plattenbau-Ghetto Chorweiler, von den Lebenskünstlern in Ehrenfeld zu den Überlebenskünstlern in Kalk, vom Nippeser Original bis zum Mülheimer Immi. Der einzige Maßstab in der Provinzstadt, die sich für eine Weltmetropole hält, ist Köln, denn Köln hat die Kathedrale des Größenwahns, den Dom. Und da geht es genauso zu wie im Karneval: Gläubige (Jecke), die ihren Gott anrufen (Alaaf), ihre Sünden zelebrieren (suffe, poppe, danze) und Buße tun (am Aschermittwoch ist alles vorbei). Der Kölner fühlt sich in seinem Veddel am wohlsten und verlässt es nur, wenn er muss.

Robert Griess schreibt neben Kabarett-Beiträgen für Radio und TV auch ab und an Drehbücher. 2012 erschien sein Roman-Debüt »Stappers Revolte«. Mit seinem aktuellen Programm »Ich glaub', es hackt« ist er auf allen großen Kleinkunstbühnen unterwegs. Er gilt als einer der komischsten und kompromisslosesten Kabarettisten seiner Generation. Laut Kölner Stadt-Anzeiger hat er die »schnellste und frechste Klappe von Köln«. Der Bonner General Anzeiger findet ihn „zynisch, inkorrekt, schwarzhumorig, eloquent, schräg, intellektuell, kurz: brillant!“. Damit dürften Besucher des Kölner Karnevals, Kölnfans und Neuentdecker das richtige Buch in der Hand haben, um abseits von romanischen Kirchen, Museen für moderne Kunst, Mittelalterliches, Kathedraltüren und -fenstern, die rheinische Seele der Stadt zu erkunden.

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