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Schon allein gastronomische eine Reise wert

Fürs Hochzeitsfoto nach Qingdao

"Marry me"

(c) Michael Ritter

Für die Hochzeitsfotos nach Qingdao

Am Strand

(c) Michael Ritter

Ist es das blaue Meer, der wolkenlose Himmel, die historische Altstadt mit den Kirchen und sind es die grünen Parkanlagen, die den perfekten Hintergrund für Hochzeitsfotos liefern? Offensichtlich, denn die 8-Millionen-Stadt Qingdao wirbt damit."Neapel am Gelben Meer" nannten es die deutschen Kolonisten sehnsuchtsvoll. Schon 2010, schreibt China Daily, nahmen mehr als 100.000 Paare das Angebot an, um ihre Hochzeitsfotos in der boomenden Urlaubshochburg der chinesischen Provinz Shandong schießen zu lassen. Als eine von wenigen Städte in China bietet Qingdao eine traumhafte Strandlandschaft im Stadtzentrum, die sich über 25 Kilometer von der Tuandao-Insel im Westen bis auf der Damai-Insel im Osten erstreckt und die Stadt mit ihrer frischen Luft und den herrlichen Ausblicken als Erholungsort berühmt gemacht hat.

Brautpaar in Badaguan

Brautpaar in Badaguan

(c) Michael Ritter

Weg von der alten Farbsymbolik

Räucherstäbchen-Verkäuferin

(c) Michael Ritter

“Ganz in Weiß“ muss es auch für Chinesen nicht unbedingt sein, doch welche Farbe auch immer - ein schickes Hochzeitskleid ist heute in China für viele Heiratswillige ein Muss.

Das war nicht immer so. Traditionell ist auf chinesischen Hochzeiten die Braut ganz in Rot gekleidet, während das schlichte Weiß des Volkes für Unglück und Trauer stand, weshalb bis heute auf Beerdigungen meist weiße Kleidung getragen wird.

Doch anscheinend spielt diese alte Farbensymbolik für die frisch verheirateten Paare heute keine wichtige Rolle. Da wird mutig ein zartes Lila bei der Braut mit minzgrün beim Bräutigam kombiniert. Dafür ist auch die Politik im kommunistischen China mitverantwortlich, die bis Ende des letzten Jahrhunderts ihre Bürger zur sogenannten „nackten Hochzeit“ zwang. Schlicht, ohne großen Tamtam und mit heimlich ausgestellter Eheurkunde.

Doch obwohl auch heute noch die Partei Maos regiert, hat sich einiges geändert. Getreu dem Motto „Es spielt keine Rolle, ob die Katze schwarz oder weiß ist, solange sie Mäuse fängt ist sie eine gute Katze“ des marktorientierten Pragmatikers Deng Xiaping, der seinen Mitstreiter Mao als Führer des Milliardenreichs beerbte, ist inzwischen Reichtum keineswegs mehr verpönt und In den Jahren seither wird gerne eine Show veranstaltet und sich selbst inszeniert.

Auch Einzelfotos sind gewünscht

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Hochzeitsfotos "im westlichen Stil"

Bummel durch Badaguan

(c) Michael Ritter

In der ostchinesischen Hafenstadt setzen dabei viele Paare auf ein Hochzeitsfoto “im westlichen Stil”, das sie als Erinnerung an den großen Tag mit nach Hause nehmen und auf das sehr viel Wert gelegt wird. Mancher sieht es fast als wichtigsten Bestandteil der ganzen Hochzeit.

Meist ist es nicht nur ein Ort, an dem sich das Hochzeitspaar in einer Hochzeitsrobe ablichten lässt. Oft nehmen sie dafür sogar mehrere Tage in Kauf, denn auch das Wetter muss mitspielen und so wird oft das Kostüm gewechselt und das Paar in verschiedenen Roben abgelichtet. Auch in die Maske müssen die Brautleute meist mehrfach.

Besonders beliebt ist die Zeit zwischen Mai und Oktober. Dann wird das Badaguan-Villenviertel mit seinen alten Bauten und den üppigen Bäumen förmlich überannt von die Fotogruppen. Das Viertel erinnert mit seinen schmucken Villen in einem wilden Stilmix, für das auch deutsche Architekten verantwortlich waren, den großzügigen Gärten und den hohen Bäumen mehr an Nobelviertel europäischer Großstädte als an China. Ganz bewußt, denn man möchte sich ja präsentieren. Schon die Blätterpracht unterscheidet sich von Strasse zu Strasse. Mal ist es rot leuchtender amerikanischer Blutahorn, mal der heimische Ginkgo oder Pfirsich. Dabei werden die Hochzeitsfotos schon einige Zeit vor der eigentlichen Hochzeit geschossen und dienen auf der Hochzeit als Poster, Schlüsselanhänger, Fotoalben und auf sonstigen Accessoires. Manche Paare beschweren sich, dass sie dem Fotografen und seinem Team für die Aufnahmen ein durchschnittliches Monatsgehalt von rund 700 Euro zahlen müssen.

Brautpaare vor der Katholischen Kirche von Qingdao

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Die Kirchen als Fotokulisse

St. Michaels-Kathedrale Qingdao

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Die „grüne Perle“, wie man die 7-Millionen-Stadt übersetzen kann, punktet mir westlicher Geschichte. In China gilt Qingdao als die "deutsche Stadt". Von 1898 bis 1919 war sie Kolonie des Deutschen Reichs und ist auch heute noch für sein Tsingtao-Bier berühmt, das aus dieser Zeit stammt. Auch wenn nur wenige Chinesen dem christlichen Glauben anhängen, dient die katholische St.-Michaels-Kathedrale, die zwar noch von den Deutschen geplant aber erst 1934 errichtet wurde, gerne als eindrucksvoller Hintergrund und oft rangeln sich die Brautpaare, um den schönsten Blickwinkel auf die Kirche für ihr Foto zu erhaschen.

Dabei dient die Kirche, auch wenn dort immer noch die Heilige Messe zelebriert wird, fast ausschließlich als Kulisse und auch die Hochzeitsgesellschaft fehlt natürlich auf den Fotos. Die meisten chinesischen Hochzeiten werden von einem Hochzeitsplaner organisiert und geplant und fallen üblicherweise sehr groß aus.

"Tanzen möcht' ich, springen möcht' ich"

"Tanzen möcht' ich, springen möcht' ich"

(c) Michael Ritter

Kostenfaktor Hochzeitsbilder

Großauftritt der Brautpaare am Strand

(c) Michael Ritter

Dass dabei nicht gekleckert, sondern geklotzt wird, beweisen schon die hohen durchschnittlichen Kosten von Tausenden von Yuan. Für die Fotos begleitet jedes Brautpaar begleitet ein Fotografen mit - je nach Budget - kleinerem oder größeren Stab an Assistenten und Visagisten. Da es den Brautpaaren meist nur um die Fotos geht, sind passende Schuhe unnötig und unter den bodenlangen Kleid verstecken sich oft bequeme Sneaker. Für die Tour zu den verschiedenen Fotospots die richtige Wahl. Beim Bräutigam sieht die Sache anders aus. Nur wenige Brautpaare kaufen ein Brautkleid und Hochzeitsplaner und Fotografen bieten einen Rundum-Service mit Location, Leihkleid, passendem Frack oder Smoking, Visagisten und manchmal sogar Special Effect Spezialist.

Die Warteschlange vor der Kathedrale ist lang. Am Rand des Platzes haben die Gehilfen ihre Utensilien aufgebaut, um die Damen und Herren passen zu schminken und zu frisieren. Beim Bummel durch die Altstadt und das alte Villenviertel posiert fast an jeder Ecke ein heiratswilliges Paar, das sich vor dem üppigen Grün der Gärten ablichten lässt.

Das ehemalige "Prinz Heinrich Hotel" in Qingdao

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Qingdaos deutsche Vergangenheit

Qingdao

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Als Qingdao als Hauptstadt des „Deutschen Schutzgebiets Kiautschou“ Anfang des 20. Jahrhunderts unter deutscher Herrschaft stand, entstanden die meisten dieser Bauten. Auch eine Brauerei, ein Bahnhof, eine protestantische Kirche und die Residenz des Gouverneurs stammen noch aus dieser Epoche und wurden damals von dem Juristen Friedrich Behme, , der dort als Kaiserlicher Richter tätig war, auf Bildern festgehalten.

Eigentlich war der Vertrag, den das Kaiserreich mit China ausgehandelt hatte, recht komfortabel, denn er sicherte dem Deutschen Reich einen Pachtvertrag über 99 Jahre - bis 1997. Er gab Deutschland das Recht, in einer Zone von 50 Kilometern um die Bucht Truppen zu stationieren, Hoheitsrechte auszuüben und - neben weiteren wirtschaftlichen Sonderrechten - zwei eigene Eisenbahnlinien in die am Gelben Fluss liegende Provinzhauptstadt Jinan zu betreiben.

Doch schon früh bildete sich Widderstand gegen die durch militärische Übermacht erzwungenen Verträge und die Region wurde zum Schauplatz des Boxeraufstandes von 1900, in dem die Chinesen versuchten, die Kolonialherren aus dem Land zu vertreiben. Doch die Gegner waren zu stark, so mündeten die Attacken der Boxerbewegung gegen Ausländer und chinesische Christen in einem Krieg gegen acht mächtige Gegner: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und die USA, die alle ihre Präsenz ausbauten. Die Niederlage Chinas besiegelte 1901 das „Boxerprotokoll“.

Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem resultierenden Versailler Vertrag endete die deutsche Kolonialgeschichte. Das Pachtgebiet Kiautschou wurde unter japanisches Mandat gestellt und die Unzufriedenheit Chinas mit diesem Vertrag löste die Bewegung des 4. Mai aus, eine Keimzelle des Sozialismus in China. Flammend rot mahnt das Denkmal an der Meerespromenade an den Sturm, der sich 1919 gegen die japanischen Besatzer erhob.

Gegen Abend ist die Promenade beim Olympiahafen, von dem aus 2008 die Segelwettbewerbe starteten beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Obwohl Qingdao in Deutschland bekannt ist, hat es sich noch nicht zum primären Reiseziel von Chinareisenden entwickelt. Entsprechend neugierig werden deshalb Europäer beäugt und landen wohl auf mehr Bildern der stets mit Smartphone und Handystick bewaffneten Einwohner der Stadt.



Die lange Schleppe sollte nicht naß werden

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Der "schönste Tag im Leben"

Wettlauf ins Glück

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Zurück zu den Fotoobjekten. In dem ganzen Wirbel fallen die frisch gebackenen Ehemänner kaum auf. Fast alles dreht um die Braut. Neben dem alten Villenviertel spielen sich auch am belebten Strand Nr. 2 ähnliche Szenen ab, wenn im milden Licht der Abendsonne die bleibenden Erinnerungsfotos an den – so Gott oder Buddha will – „schönsten Tag im Leben“ entstehen.

Um heiraten zu dürfen, muss das Paar erst eine Heiratserlaubnis einholen, ohne die eine standesamtliche Trauung unmöglich ist. Als offizielles Datum zählt nicht der Tag der behördlichen Registrierung, sondern der Tag, den das Horoskop festlegt. Erst die lang geplante und aufwändige Hochzeitsfeier mit Familie, Freunden und Bekannten, die fast ein ganzes Jahresgehalt des Paars verschlingt, macht für viele Chinesen die wahre Hochzeit aus.

Beliebtes Fotomotiv - das Paar und das Meer

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Chinesische Hochzeitsbräuche

Das haushohe Denkmal der 4. Mai-Bewegung

(c) Michael Ritter

Für lau bekommt man die schöne Feier aber auch als Gast nicht, denn man verpflichtet sich zu einem Gegengeschenk. Wenn es keine teuren Wunschgeschenke sind, verpackt man Geldscheine in rote Tütchen. Doch nicht irgendein beliebiger Betrag, die Summer sollte schon glückverheißend sein. 888 Yuan (rund 115 Euro) sind so ein guter Betrag, denn die 8 steht für Reichwerden. Auch 600 Yuan (rund 80 Euro) geht, denn das steht für Ausgeglichenheit und harmonische Ehe So kann das Brautpaar von den Geschenken (zum Teil) die Feier finanzieren. Die meisten Paare wohnen zu Beginn ihres Ehelebens noch bei den Eltern, da sie noch keine eigene Wohnung besitzen.

Die schwierige finanzielle Situation hat in China das Alter der Heiratswilligen auf 30plus angehoben.

Meist sind die chinesischen Hochzeiten laut und lustig, denn je mehr Schabernack man mit dem Hochzeitspaar treibt, umso glücklicher wird die Ehe. Hoffen wir, dass das stimmt. Der Mann ist dann für die Beschaffung der Haushaltsausstattung zuständig, die Frau für den Hausrat, wobei meist die Eltern sie finanziell unterstützen.

Für Qingdao lohnt sich diese Hochzeitsindustrie auf jeden Fall, denn neben den Einnahmen der Fotografen profitiert die Stadt auch von dem Einnahmen durch Gastronomen und Hotels.

(c) Michael Ritter/praegnant.info

Beliebter Spielplatz - die Felsen am Strand

(c) Michael Ritter

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