Ratschläge für Musik & Oper

Musikfestival auf Usedom

Blick auf die Ostsee von Ahlbeck

(c) Michael Ritter

Usedom – Sommer, Sonne, Kaiserwetter

Man merkt nur an den Kranichen, die immer wieder in geringer Höhe in Fomation über die Dachterrasse des Strandhotels Ahlbeck fliegen, um Rast zu machen, dass sich der Sommer in seiner Schlussphase befindet. Sie kommen über die Ostsee, um bald Rast einzulegen. Die Vorpommersche Boddenlandschaft ist mit bis zu 50.000 Vögeln ihr beliebtester Rastplatz. Doch nicht nur die Kraniche sind eingeflogen. Im September und Oktober lockt viele Musikfreunde das Usedomer Musikfestival auf die Urlaubsinsel, das in diesem Jahr seine 26. Ausgabe feiert.

G.F. und S. von Preußen, S. Warczak, T. Hummel

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Das Haus Hohenzollern zu Gast auf Usedom

Das Weiße Schloß in Heringsdorf

(c) Michael Ritter

Der strahlende Sonnenschein lockt auch im September noch viele Besucher auf die Insel, die mit ihren Kaiserbädern einst als die Badewanne Berlins galt. Apropos Kaiser, auch zwei Babelsberger haben sich auf den Weg nach Usedom gemacht: Georg Friedrich Prinz von Preußen und seine Frau Sophie. Der 43-jährige wurde nach dem Tod seines Großvaters schon mit 18 Jahren Oberhaupt des Hauses Hohenzollern, einer der bedeutendsten Dynastien des deutschen Hochadels, die in den knapp 1.000 Jahren ihrer Geschichte zahlreiche Könige und Kaiser gestellt hat. Ich erzählte ihm von einem Treffen mit seinem Großvaters Louis Ferdinand nach einem Konzert. Ich hatte mich damals gefragt, wie ich ihn korrekt anspreche – Herr von Preußen? Herr Prinz? Königliche Hoheit? Kaiserliche Hoheit? Am stolzesten, verriet mir Georg Friedrich, sei sein Opa auf den Doktortitel gewesen, den er sich diesen selbst erarbeitet habe. „‘Kaiserliche Hoheit‘ wäre die korrekte Anrede. Er wurde ja noch zu Zeiten der Monarchie geboren“. Heute reiche „Königliche Hoheit“ aus, erklärt der sympathische Prinz mit einem Lächeln.

Sein Großvater war Enkel von Kaiser Wilhelm II. und Sohn des Kronprinzen Wilhelm und seiner Gemahlin Cecilie. Von der hatte seine Frau Sophie ein dünnes Bändchen aus dem Jahr 1923 mitgebracht. „Sommer an der See”, offenbar in der Weimarer Republik gerne gelesen, denn es war schon die 3. Auflage ihrer Erinnerungen an den letzten Feriensommer an der Ostsee, bevor der 1. Weltkrieg Schrecken weit über Europa hinaus verbreitete und zu auch der Monarchie in Deutschland den Garaus bereitete.

Cecilie blieb, anders als ihr Mann und der Kaiser, die nach Holland ins Exil gingen, im 1917 fertiggestellten und nach ihr benannten Schloss Cecilienhof in Potsdam. „Wollen Sie dort wieder einziehen?“ frage ich Georg Friedrich, nachdem im Sommer weitreichende Forderungen auf Rückübertragung bekannt geworden sind. „Nein“, wiegelt der Prinz ab, da sein im Wahlkampf in Brandenburg nur einiges aufgekocht, er sei mit seinem jetzigen Domizil im benachbarten Babelsberg sehr zufrieden.

Der als Unternehmensberater tätige Georg Friedrich ist Ehrenvorsitzender des Fördervereins Usedomer Musikfreunde, der das Usedomer Musikfestival veranstaltet. In diesem Jahr hat man erstmals seine Frau Sophie mit einer Lesung aus den für den heutigen Geschmack teilweise recht schwülstigen Passagen aus den Erinnerungen Cecilie von Preußens einbezogen, die unterbrochen wurden von Harfenklängen der Rostocker Harfenistin Sophia Warczak, die dafür Musik aus dem Umfeld des Hauses Hohenzollern ausgewählt hatte. Musik hatte dort oft einen hohen Stellenwert. Auch Cecilies Sohn Louis Ferdinand wurde wie sein einst berühmter Namenspatron Louis Ferdinand von Preußen, Zeitgenosse und Bewunderer Beethovens und Dusseks, Komponist und fand für seine Werke, wie das Glockenspiel für die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Anerkennung.

Das Weiße Schloß in Heringsdorf

(c) Michael Ritter

Mühsame Bahnanreise

Blick auf die Ostsee

(c) Michael Ritter

Ich war bereits am Vortag angereist. Wer heute auf die Insel kommt, nimmt entweder den Flieger – einige Privatjets bringen ihre Besitzer ziemlich stressfrei nach Heringsdorf, aber auch kleinere Linienmaschinen fliegen den Flughafen an – oder den PKW. Die Anreise mit der Bahn ist längst nicht mehr so angenehm und schnell wie in den Zeiten zwischen den Weltkriegen. Nur dreimal täglich bringen Schnellzüge Gäste von Berlin zum kleinen Umsteigebahnhof Züssow, von wo die Usedomer Bäderbahn Besucher über Zinnowitz nach Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck sowie ins polnische Swinemünde bringt. Die Strukturen der Bahn wirken verfallen. Fast wie ein Mahnmal ragen bei Karmin an der Peene die alten Fundamente einer Brücke empor, die vor der Sprengung durch die Wehrmacht zu Europas modernsten Eisenbahnbrücke zählte.

Die Rote Armee konnte man so nicht aufhalten, doch der Bahnverkehr auf die Insel verzögerte sich dadurch bis heute. Vier statt einst 2,5 Stunden braucht man von Berlin, sechs Stunden aus Hamburg. Zu lang. Schon der einstige Bahnchef Mehdorn empfand Bahnreisen über 4 Stunden als Tortur. Viele Usedomer und Berliner wünschen sich die schnelle Zugverbindung zurück, die einst Literaten wie Mann und Tucholsky nach Usedom brachte, doch Investitionen in die Infrastruktur haben in Deutschlands Osten offenbar keinen hohen Stellenwert.

Kristjan Järvi mit der Baltic Sea Philharmonic

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Eröffnungskonzert im Kraftwerk Peenemünde

Turbinenhaus Kraftwerk Peenemünde

(c) Michael Ritter

Am ersten Abend bin ich mit dem Festspiel-Intendanten Thomas Hummel verabredet – und komme durch eine Zugverspätung nicht rechtzeitig in Peenemünde an. Dort hat man das Turbinenhaus der einstigen V2-Raketenforschungsanstalt als regelmäßigen Ort des Eröffnungskonzerts der Festspiele ausgewählt. Schon kurz nachdem der dorthin führende Bummelzug den Umsteigebahnhof Zinnowitz verlassen hat, erreichen wir die Außenzonen der einst 25 Quadratkilometer großen ehemaligen Heeresversuchsanstalten. Von 1936 bis zum Kriegsende war es Europas größte militärische Forschungszentrum. Bis zu 12.000 Menschen arbeiteten dort gleichzeitig unter deren technischen Direktor Wernher von Braun an neuartigen Waffensystemen - „Geheimwaffen“ wie das als V2 bekannte Aggregat 4, die erste Großrakete der Welt. Auch die ersten Marschflugkörper entstanden in Peenemünde. Nur linientreue Ingenieure und kontrollierende Wehrmacht wohnte komfortabel. Zwangsarbeiter aus dem Kriegsgefangenen-Lager und dem KZ-Außenlager litten unter den harten Arbeitsbedingungen.

Die bigotten Amerikaner störten sich nach dem Krieg wenig an der fragwürdigen Gesinnung der Ingenieure und Techniker, die sie nahtlos und ohne sie je zur Verantwortung für ihre Gräueltaten zu ziehen in ihr eigenes Raketenprogramm einbanden. Vielen Amerikanern ist noch immer unbekannt, dass von Braun und andere ihrer Idole beim Wettlauf zum Mond glühende Nazis waren, die ohne Skrupel Terrorwaffen gegen die Bevölkerung bauten, die ab 1944 als „Vergeltungswaffen“ zum Einsatz kamen.

Eindrucksvoll ragt am Hafen der Bau des Kraftwerks mit seiner riesigen Turbinenhalle empor. Das monumentale Steinkohle- Kraftwerk erinnert mit seinem Bau mit Klinkerfassade an andere große Kraftwerksbauten. Durch die Nähe zum Hafen konnte Kohle schnell über eine Förderbahn ins Kraftwerk gebracht werden und Kühlwasser aus der Peene sorgte durch seine Rückleitung für einen eisfreien Hafen. Das damals modernste Kohlekraftwerke Deutschlands wurde auch von den Sowjets weiterhin genutzt und blieb so als Gesamtkomplex fast vollständig erhalten.

Heute arbeitet dort das Historisch-Technische Museum Peenemünde die Geschichte der Entstehung und Nutzung der auf dem Gelände entwickelten Waffen auf, dokumentiert, wer hier arbeitete, wie man lebte und weshalb diese aufwändigen Projekte durchgeführt wurden. Wer das Gelände erkunden möchte, kann sich mit der Peenemünde Denkmal-Landschaft App zu den Stationen und durch die Zeit führen lassen.

Simone Dinnerstein

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Das Usedomer Musikfestival

Kristjan Järvi

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Das Eröffnungskonzert des diesjährigen Usedomer Musikfestivals, das in diesem Jahr erstmals Deutschland als Länderschwerpunkt ausgewählt hat, heißt „Göttliche Geometrie”. Die Musiker des Baltic Sea Philharmonic suchen dabei die Symmetrie von Vergangenheit und Gegenwart mit Komponisten, die in ihrer Epoche Großes geleistet haben: Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel als musikalische Hauptfiguren des hanseatischen Nordens und Steve Reich und Philipp Glass als Klassiker des amerikanischen Minimalismus. Ein ziemlicher Kontrast.

Den Klavierpart im dritten Klavierkonzert von Philip Glass hat dabei die außergewöhnliche amerikanisch-jüdische Simone Dinnerstein übernommen, für die Glass das Konzert 2017 eigens geschrieben hat, um es zusammen mit Bachs Musik aufzuführen. „Glass hatte mich eingeladen“, erzählt sie nach dem Konzert „nachdem er CD-Aufnahmen von mir gehört hat. Er wollte ein Konzert für Klavier und Streichorchester schreiben, das mit der Musik Bachs zusammengespielt werden sollte.“ Der Amerikaner Arman Tigranyan hat dafür gekonnt Bachs Chaconne von der Solovioline auf das Streichorchester transkribiert. Dinnerstein gelingt es, die harmonischen Akkorde von Glass mit den barocken Klängen Bachs gekonnt zu verknüpfen. Die beiden Stücke gehen ineinander über und vermengen sich beinahe. Eine energiegeladene Begegnung, bei der sich auch dank des Dirigats von Kristjan Järvi Welten und Zeiten durchdringen. Seit seiner Uraufführung 2017 ist Simone Dinnerstein mit dem Werk international auf Tournee. „Ich bin die einzige Pianistin, die es bisher eingespielt hat,“ erzählt sie stolz. "Es war sehr befreiend, diese Musik zu spielen.“ Besonders beeindruckt hat die Musikerin die Atmosphäre der Spielstätte. „Ich habe vor einiger Zeit in Los Alamos gespielt“ (dem US-Pendant von Peenemünde) erzählt sie. Das jetzige Konzert auch in Peenemünde unter dem Aspekt des Grenzüberschreitenden und Verbindenden spielen zu können sei etwas ganz Besonderes.

Mitreißend war das offene Zusammenspiel des Baltic Sea Philharmonic unter Musikdirektor Kristjan Järvi. Wer als Frankfurter seinen zehn Jahre älteren Bruder Paavo kennt, der von 2006 bis 2013 das hr-Sinfonieorchester als Chefdirigent leitete, mag gar nicht glauben, dass die beiden Brüder sind. So seriös Paavo Järvi, so jugendlich ungezwungen sein Bruder Kristjan. Als Kind ist er mit der Familie aus Estland in die USA ausgewandert. Heute scheint der Pianist und Dirigent wieder die alte Heimat zu bevorzugen, was bei der Politik des momentanen US-Präsidenten nicht verwundert.

Das Orchester mit Musikern aus den zehn Ostseeländern braucht sich wegen der Einhaltung einer Frauenquote keine Sorgen zu machen. Faszinierend das variable Spiel und die Einteilung in gemischte Kleingruppen. Das Orchester spielt im Stehen. Kristjan Järvi geht mit ansteckender Leidenschaft sogar noch weiter. Da Opernsänger und viele Konzertsolisten ohne Noten auskommen, studierte er 2017 mit dem sich aus einem Pool von rund 300 jungen Orchestermusikern zusammensetzende Orchester erst Strawinskys „Feuervogel“ auswendig und ohne Noten ein. Eine Herausforderung die gelang und beim Publikum gut ankam. „Seitdem“, sagt Järvi, „spielen wir das gesamte Programm auswendig. Wir sind zusammen Teil eines einzigen großen Gehirns“. Die Flexibilität, die auch das unkomplizierte Auf und Ab der Musiker auf der Bühne ermöglicht, macht zusammen mit der Architektur der Halle, den Einklang von Klang und Licht zu einem wahrhaft außergewöhnlichen Erlebnis.

Das Orchester ging aus der Baltic Sea Youth Philharmonic hervor, dass 2008 talentierte Musiker aus Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Russland und Schweden versammelte und die Einheit in einer historisch geteilten Region verkörpern soll. Schnell wurden die wichtigsten Konzerthäusern und Festivals aufmerksam und Weltstars wie Julia Fischer, Jonas Kaufmann und Kurt Masur begleiteten das Ensemble, das 2015 von der Europäischen Kulturstiftung „Pro Europa“ für seine Leistungen mit dem Europäischen Kulturpreis geehrt wurde.

Vor drei Jahren benannte sich das Ensemble in „Baltic Sea Philharmonic“ um. Das neue großes Werk von Steve Reich, das auf Usedom seine deutsche Erstaufführung erlebte, gab das Orchester mit dem New York Philharmonic, dem Los Angeles Philharmonic, dem San Francisco Symphony, dem London Symphony Orchestra und dem Sydney Symphony Orchestra in Auftrag. Für den 82-jährigen Reich, der leider nicht in Usedom dabei sein konnte, ein willkommener Auftrag, da so sein neues Werk schnell von Spitzenorchester auf der ganzen Welt zu hören ist.

Schloss Stolpe

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Der Bildungsauftrag: das Ostsee-Musikforum

Daivid Geringas

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Nach dem Treffen mit den Hohenzollern fahre ich mit dem Panoramaaufzug hinab zur Promenade und bummele zu einem gut besuchten Café nahe der historischen Seebrücke, in dem mich die absolut vernünftigen Preise überraschen.

Danach geht es weiter ins idyllische Zentrum der Insel. Kann es an der Küste manchmal schon voll werden, so lockt das Inselinnere mit Wiesen, Seen und kleinen Wäldern. Das „Neuschwanstein Usedoms“ hatte jemand Schloss Stolpe genannt und hohe Erwartungen gesetzt. Tatsächlich erwartet uns mit seinen malerischen Türmchen das in der Renaissance begonnene, im Barock umgestaltete und im Historismus umfangreich um- und ausgebaute Schlösschen der Familie von Schwerin. Nach dem letzten Weltkrieg zerfiel es zunehmend, bis es die Gemeinde Stolpe nach der Wiedervereinigung erwarb und gründlich sanierte. Mit dem Ostsee-Musikforum kommt das Usedomer Musikfestival seinem Bildungsauftrag nach. Der Ort ist beliebt. Die hochkarätig besetzte Eröffnungsveranstaltung war rasch komplett ausverkauft.

Mit Klaviertrios und der Uraufführung der Sonate für Cello und Klavier des Esten Jüri Reinvere hatte man bei den Komponisten drei Ostseeländer vereint, die von den Interpreten im eleganten gräflichen Salon brillant präsentiert wurden. Bei den Musikern war der litauische Meistercellist David Geringas Primus inter pares. Der bei der Uraufführung seines Werks anwesende Reinvere hatte ihm die Musik förmlich in die Finger geschrieben. Am Klavier wurde er begleitet von Ian Fountain. Der 1989 mit 19 Jahren den angesehenen Tel Aviver Arthur Rubinstein Klavierwettbewerb als jüngster Preisträger gewann. Zusammen mit Erika Geldsetzer vom renommierten Fauré-Quartett, dass sie 1995 gleich zu Beginn ihres Studiums zusammen mit drei Studienkollegen gegründet hatte, spielten Geringas und Fountain zuvor ein Trio von Clara Schumann, deren Geburtstag sich nur wenige Tage zuvor zum 200ten Mal jährte und zum Abschluss Tschaikowskys tiefempfundene Huldigung auf seinen früh verstorbenen Förderer Nikolaj Rubinstein.

Viele Gäste des Konzerts kehrten im Anschluss in der benachbarten Remise des Schlosses ein, die vor einigen Jahren zusammen mit dem Schloss saniert wurde und heute zusammen mit Außenflächen, Dorfteich und Kirche wieder lebendiger Mittelpunkt der Gemeinde Stolpe ist. Um jeden Gast etwas Abwechslung zu bieten hat Chef Lars Lindemann neben der normalen Karte vor einiger Zeit die Pommern Tapas eingeführt, bei denen der Gast 3, 6 und 9 Tapas aus einem Angebot regionaler Miniaturen wählen kann.

Das Ostsee-Musikforum auf Schloss Stolpe ist inzwischen schon zur Tradition geworden. David Geringas ist dort eine Woche lang künstlerischer Mentor der Meisterkurse für hochbegabte Studenten. Es stellt mit dem Abschlusskonzert ein außergewöhnliches Podium für eine konzentrierte Arbeit mit renommierten Künstlern und Programmen, die sich eng am Programm des Usedomer Musikfestivals anlehnen. David Geringas zählt zur Musiker-Elite der Gegenwart und beeindruckt durch sein ungewöhnlich breites Repertoire vom frühesten Barock bis zur zeitgenössischen Musik. Flexibilität und Neugier verbindet sich dabei mit intellektueller Strenge, stilistischer Vielseitigkeit, melodischem Sentiment und Klangsinnlichkeit, die den Rostropovich Schüler und Sieger des Tschaikowsky-Wettbewerbs viele Preise und Anerkennung einbrachten und einbringen. Neben seiner Arbeit als Cellist ist er auch als Dirigent tätig und ist seit Jahren regelmäßiger Gast beim Usedomer Musikfestival, wo er sein Können zeigt und an den Nachwuchs weitergibt.

Kirche in Liepe

(c) Michael Ritter

Musikalische Inselrundfahrt

Johannes Gebhardt an der Orgel

(c) Geert Maciejewski/Usedomer Musikfestspiele

Eine erstklassige Chance die Insel kennenzulernen, die von Einheimischen wie Gästen gerne genutzt wird, ist die musikalische Inselrundfahrt. Die Insel Usedom bezaubert neben Meeresstrand und schönen Villen auch mit Seen, Wäldern, Schlössern und zahlreiche Kirchen, deren reizvolle Orgeln auf dieser Reise zum Klingen gebracht wurden. Der Leipziger Organist Johannes Gebhardt begleitete den stimmungsvollen Ausflug mit kleinen Konzerten in Ahlbeck, dem polnischen Swinemünde, Liepe und auf Schloss Stolpe, nur unterbrochen von der Mittagspause im schönen Wasserschloss Mellenthin.

Den zwischen 1575 und 1580 errichteten Bau im Zentrum der Insel hat 2001 der aus Nordrhein-Westfalen stammende Jan Fidora übernommen, der neben einem hübschen Hotel auch ein gut besuchtes Café und Restaurant betreibt. Vor einiger Zeit kam eine eigene Brauerei (Fidora hat das Handwerk gelernt) und eine Kaffeerösterei hinzu. Spezialität: Cannabis-Bier. So beschwingt konnten die Gäste die musikalischen, architektonischen und landschaftlichen Reize der Insel noch besser genießen und in wenigen Stunden kennenlernen – oder alte Bekanntschaften vertiefen.

In diesem Jahr stellt das Usedomer Musikfestival erstmals Deutschland und seine Musik in den Mittelpunkt. Bis zum 12. Oktober sind auf der Insel rund 40 Konzerte geplant.

Erwartet werden Künstler wie der Bariton Matthias Goerne und Musicalstar Ute Lemper, die ihre New Yorker Broadway-Show auf den Spuren von Marlene Dietrich nach Heringsdorf bringt. Neben dem auf Usedom gegründeten Orchester Baltic Sea Philharmonic kommen renommierte Ensembles wie der Rias Kammerchor und das NDR Elbphilharmonie Orchester. Spielorte sind auf dem deutschen und dem polnischen Teil der Insel sind neben dem Kraftwerk Peenemünde vor allem Schlösser, Kirchen und Hotels, der Kaiserbädersaal in Heringsdorf und der Lokschuppen der Usedomer Bäderbahn. Für etliche der bis zum 12. Oktober stattfindenden hochkarätig besetzten Konzerte und Veranstaltungen sind noch Restkarten erhältlich.

Wer es in diesem Jahr nicht schafft, kann einen Besuch im Jahr 2020 planen. Zwar hat uns Thomas Hummel noch nicht seinen Länderschwerpunkt für das kommende Jahr verraten, aber den Zeitpunkt vom 18. September bis 10.Oktober 2020. Erneut werden die Festspiele am 18.9. mit einem Konzert des Baltic Sea Philharmonic unter der Leitung von Kristjan Järvi eröffnet und gehen am 10.10. mit einem Konzert des NDR Radiosinfonieorchester unter Robert Trevino zu Ende.

© Michael Ritter

Ostseestarnd

(c) Michael Ritter

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