Die schönsten Ausstellungen

Zu Cézanne in den Süden

Montagne Sainte Victoire

Paul Cézanne Montagne Sainte Victoire, 1890 1895 Scottish National Gallery, Edinburgh

Zwei noch bis zum 24. September 2017 laufende Cézanne-Ausstellungen in Basel und Paris geben Einblicke in sein Skizzenbuch und zeigen Porträts des großen Impressionisten. Einen guten Monat später folgen dann in der badischen Fächerstadt seine „Metamorphosen“, wie die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe die große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg betitelt, in der sie die produktive Spannung aufzeigen will, die Cézanne mit seinen innovativen Bildverfahren einst erzeugte.

Ein Besuch in Basel lohnt allein schon deshalb, weil das Kupferstichkabinett des dorteigen Kunstmuseums mit zwei Konvoluten, die es 1934 und 1935 mit der Unterstützung des kunstsinnigen, aus dem assimilierten jüdischen Großbürgertum Frankfurts stammenden Lederprduzenten Robert von Hirsch von einem Schweizer Kunsthändler erwarb, die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung von Zeichnungen Cézannes besitzt, die den Ausgangspunkt der umfangreichen Ausstellung "Der verborgene Cézanne" mit mehr als 200 Werken bilden, welche die Bedeutung der Zeichnung im Werk des Künstlers thematisiert, von Skizzen und Studien über Aquarelle bis hin zu den Gemälden. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist ein vollständig erhaltenes Skizzenbuch aus dem Art Institute of Chicago, das als Leihgabe gezeigt wird und dessen ausliegenden Faksimile-Ausgabe Besucher einlädt zu blättern und Entdeckungen machen.

Die Ausstellung in Paris widmet sich den Porträts. Rund 200 davon malte er in seiner Laufbahn, davon standen für 26 er selbst und für 29 seiner Ehefrau Hortense Fiquet Modell. Die Ausstellung zeigt Cézannes ästhetischen und thematischen Eigenheiten in diesem Genre, zum Beispiel im Dialog zwischen komplementären Werken oder bei den zahlreichen Versionen ein und desselben Themas.

Man kann kaum daran zweifeln, dass Paul Cézanne seine provenzalische Heimat geliebt hat. Während sein aus Paris stammender Schulfreund Émile Zolas nach der Jugendzeit in Aix-en-Provence zurück nach Paris zog und sich dort einen Freundeskreis aufbaute, der anfangs zum größten Teil aus Provenzalen bestand, wurde Cézanne, den er davon überzeugt hatte, ihm dorthin zu folgen, in der Hauptstadt, die ihm zeitlebens fremd blieb, nicht glücklich. Die Aufnahme in die École des Beaux-Arts blieb ihm verwehrt und die wenig renommierte Académie Suisse, die keinerlei Unterricht bot, doch wenig betuchten jungen Künstlern die Möglichkeit bot sich preisgünstig in der Kunst des Aktzeichnens zu üben, ist mehr oder weniger dadurch in Erinnerung der Kunstfreunde geblieben, weil sie die Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten bot und durch Cézannes Aufeinandertreffen mit Pissarro, Monet und Guillaumin wichtig für die Gründung der impressionistischen Bewegung war, die ganz im Gegensatz zum durch Ingres geprägten offiziellen Kunstlebens Frankreichs stand.

Wie seine neuen Freunde Pissarro, Manet und Monet fand auch Cézanne keine Aufnahme im Salon de Paris, der jährlichen Kunstausstellung, die einst der Sonnenkönig Ludwig XIV. ins Leben gerufen hatte. Zum Glück hatte der französische Kaiser Napoleon III. nachdem die rigide Zurückweisung der Jury 1863 in Paris für Aufsehen sorge, den parallel ausgerichteten Salon des Refusés („Salon der Zurückgewiesenen“) ins Leben gerufen, der vielen Kunsthistorikern als Geburtsstunde der Moderne gilt und auch die Werke der jungen Impressionisten präsentierte.

Immer wieder kehrte der Meister des Prozesshaften und des steten Wandels gerne in die Heimat zurück und nachdem 1886 sein autoritärer Vater starb, der ihn immer gern als Nachfolger in seiner Bank gesehen hätte, erbte er zusammen mit seiner Mutter und seinen Schwestern dessen Vermögen, zu dem auch das Landgut Jas de Bouffan gehörte, und damit Cézannes finanzielle Lage wesentlich angenehmer gestaltete und ihm die Möglichkeit bot Bilder in seiner Heimat zu schaffen. Die Ausstellung in der badischen Kulturmetropole Karlsruhe dürfte sich zu einem der Ausstellungshöhepunkte dieses Spätherbst entwickeln, denn Cézanne hinterließ als Maler, Zeichner und Aquarellist ein ausgesprochen facettenreiches Oeuvre und entwickelte sich mit seiner Neigung zur Abstraktion der Bildelemente zum wichtigen Wegbereiter der Moderne, obwohl er eigentlich beabsichtigte die klassische Kunst nur zu erneuern.

In der Kunsthalle bekommt der Besucher einen neuen Eindruck von seinen lichten Landschaften, Badenden, Porträts und Stillleben. Cézanne sucht das Geheimnis, will das Wesen der Welt einfangen. Ein ziemlicher Bruch mit der bisherigen retrospektiven Sicht, die erstmals sein Werk als eine Einheit erfahrbar macht und auf eine klassisch chronologische oder nach Bildgattungen geordnete Werkbetrachtung verzichtet. Da stehen sich die Dramatik der frühen Figuren und die Erhabenheit seiner Stillleben gegenüber. Hat Cézanne im Spätwerk mit seinen Anfängen gebrochen? Kaum, denn die Ausstellung zeigt innere Zusammenhänge der Phasen und Entwicklungen auf, in denen auch die wichtige Rolle der Kopie in Cézannes Schaffen deutlich wird. Schon in seiner Anfangszeit in Paris kopierte er im Louvre die Werke der alten Meister und war damit deutlich traditionsbezogener als viele seiner Zeitgenossen. Mit seinen Kopien ging Cézanne ausgesprochen schöpferisch um, entnahm ihnen Figuren und Details, die in abgewandelter Form in seinen Gemälden weiter. Die Ausstellung macht auch Doppeldeutigkeiten im Werk des Franzosen sichtbar. Er verflüssigte feste Strukturen und materialisiert weich fließende Formen – besonders schön wird dies an der Darstellung einer Jacke auf einem Hocker sichtbar, die an die Montagne Sainte-Victoire erinnert.

Die Ausstellung versammelt rund 100 bedeutende Werke aus internationalen Sammlungen in einer so noch nie gesehenen Zusammenstellung, darunter Werke aus dem Dallas Museum of Art, J. Paul Getty Museum in Los Angeles, Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, dem Metropolitan Museum und dem Museum of Modern Art in New York, der National Gallery of Canada in Ottawa, dem Musée d’Orsay in Paris, dem Puschkin-Museum in Moskau sowie dem Museu de Arte in São Paulo.

Aschenurne in Form einer Kanope

Aschenurne in Form einer Kanope aus Chiusi, 6. Jh. v. Chr., Museo Archeologico Nazionale, Chiusi Museo Archeologico Nazionale, Florenz

Karlsruhe und sein Kulturangebot

Mit dem speziellen Angebot der Karlsruhe Tourismus GmbH können Interessierte ein abwechslungsreiches Kulturwochenende bereits ab 80 Euro pro Person erleben. Als Wegbereiter der Moderne sind es tendenziell abstrakte Bildelemente und nicht der flüchtige Augeneindruck, der die Kunst Cézannes‘ in Motivwahl und Ausführung von den impressionistischen Werken seiner Zeit unterscheidet. Begleitet wird die unter der Schirmherrschaft des französischen Botschaftlers in Deutschland, Philippe Etienne und des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, stehende Ausstellung von dem Projekt „Cézannes Handtuch“ in der Jungen Kunsthalle und zahlreichen Zusatzangeboten wie Vorträge und Konzerte

Neben Cézanne bietet die Staatliche Kunsthalle Karlsruhes den Besuchern in seiner Dauerausstellung im Haupthaus und der idyllisch am Rande des Botanischen Gartens gelegenen Orangerie rund 800 Werke vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart.

Eine ganz andere Form von Kunst erleben die Karlsruher Gäste im Zentrum für Medien und Kunst, dem ZKM, das als eine der besten erlebbaren Digital-Institutionen der Welt gilt und dem Besuchern auf 15.000 Quadratmetern fertige Werke und eine durch inspirierende Video-, Musik- und Lichtinstallationen begleitete Reise durch den Schaffensprozess in einer computergestützten und interaktiven Umgebung bietet.

Die Etrusker in Karlsruhe

Doch damit nicht genug. Das Badische Landesmuseum zeigt am Mitte Dezember für ein halbes Jahr „Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien“. Das Volk, dass sich selbst Raśna nannte und das schon der griechische Historiker Dionysios von Halikarnassos als „uraltes, von allen anderen sich unterscheidendes Volk“ bewunderte, bestimmte als eine der frühen italienischen Hochkulturen das Schicksal des westlichen Mittelmeerraums im ersten vorchristlichen Jahrtausend.

Viel ist nicht bekannt, da Schrift und Sprache der Etrusker nur bruchstückhaft entschlüsselt wurden, doch werfen aktuelle Forschungen ein neues Licht auf ihr blühendes Städtewesen und die vielfältige von Wohlstand und Lebensfreude geprägte Alltagskultur.

Die Ausstellung zeigt spektakuläre Kunstwerke und erstmals in Deutschland zu sehende neue Funden von eigenwilliger Ausdrucksstärke, prachtvolle Heiligtümer und monumentale Gräber mit farbenfrohen Wandmalereien und kostbaren Grabbeigaben, die eine intensive Begegnung und transkulturellen Austausch mit Phöniziern, Griechen, Kelten oder Römern zeigen. Die Ausstellung wird begleitet von atmosphärischen Inszenierungen, originalgetreuen Rekonstruktionen und interaktiven digitalen Features, die ein facettenreiches Gesamtpanorama etruskischer Lebenswelten zeichnen.

Für noch mehr Kunst und Kultur sorgen die Ensembles des renommierten Badischen Staatstheaters mit einem vielfältiges Programm von Oper, Konzerten, Ballett und Schauspiel. Zudem lockt die große Kleinkunstvielfalt mit einer florierenden Kunst- und Kulturszene kulturinteressierte Besucher nach Karlsruhe. So entdecken Besucher Kreativparks in einer ehemaligen Brauerei, auf dem Gelände eines alten Schlachthofes oder in dem Gebäude der alten amerikanischen Kaserne, erleben die Stadt auf Führungen der besonderen Art mit dem Künstlerpaar Ana und Ada, beim Art Walk, auf den architekturgeschichtlichen Spuren von Friedrich Weinbrenner oder mit dem Waschweib Mimi.

Mit der Pauschale „Karlsruher Cézanne-Wochenende“ bietet die Karlsruher Tourismus GmbH ein Erlebnispaket für ein kulturreiches Wochenende mit wahlweise ein, zwei oder drei Hotelübernachtungen mit Frühstück ab 80 Euro pro Person im Doppelzimmer, wobei neben freiem Eintritt in die Cézanne-Ausstellung mit Audioguide die Infomappe „Karlsruhe & Cézanne“ Anregungen gibt und ein kleines Überraschungsgeschenk wartet. Mit der enthaltenen Karlsruhe Card können die Besucher nicht nur kostenfrei Bus und Bahn nutzen, sondern erhalten auch freien Eintritt in weitere Museen, Ermäßigungen bei Stadtrundgängen und Eintritten zu anderen Highlights der Stadt. Infos gibt es bei der Karlsruhe Tourismus GmbH unter +49 (0) 721 3720-5383 oder www.karlsruhe-tourismus.de.

(c) Michael Ritter

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