Die schönsten Ausstellungen

Baselitz zum Achtzigsten

GEORG BASELITZ, SCHLAFZIMMER, 1975

Georg Baselitz, 2018, Foto: Jochen Littkemann, Berlin

Welche Stadt käme besser für eine Ausstellung zum 80. Geburtstag für den am 23. Januar 1938 geborenen Georg Baselitz infrage als die Stadt, die er im Namen trägt. Na ja, eigentlich findet sie ja im Vorort Riehen statt, ganz nah an der deutschen Grenze, denn dort steht mit der Fondation Beyeler eines der ganz großen Museen der Welt, das neben Werken, die sein Gründer, der Galerist Ernst Beyeler in einem langen Leben selbst zusammengetragen hat, auch immer wieder große und bedeutende Ausstellungen zu Gast hat. Georg Baselitz zählt heute zweifelsohne zu den deutschen Künstlern, die in solch renommierten Museen als Künstler von Weltrang gefeiert werden und auf dem globalen Kunstmarkt einen Spitzenrang einnehmen. Zum 80. Geburtstag widmet ihm die Fondation Beyeler jetzt eine große Retrospektive, die über sechs Jahrzehnte seines Schaffens präsentiert. Darunter zahlreiche seiner Schlüsselwerke, bisher nicht ausgestellte, sowie neue Arbeiten aus dem Besitz des Künstlers. Es wird die einzige Station der umfassenden Werkschau in Europa sein, die danach weiter in die USA ins Hirshhorn Museum nach Washington D.C. wandert.

Nachdem Baselitz 1957 von Ost- nach Westberlin ging, verfasste er 1961 zusammen mit dem Künstlerkollegen Eugen Schönebeck das „Pandämonische Manifest“, 1969 entstand sein erstes Bild, das „die Welt als Kopfstand zeigte“ (Werner Spieß). Die häufig kontrovers diskutierten Gemälde und Skulpturen machen deutlich, dass der Künstler bis heute eine Sonderstellung in der zeitgenössischen Kunst einnimmt. Damals wie heute fordert er die Konventionen seiner Zeit aufs Neue heraus.

Baselitz ist einer der wenigen zeitgenössischen Künstler, die tief in der Geschichte der europäischen und amerikanischen Malerei verwurzelt sind. Er gilt als Erfinder einer figurativen Bildsprache, die aus einem reichen Repertoire an ikonografischen und stilistischen Elementen schöpft. In seinen Bildfindungen erlangen diese jedoch widersprüchliche und ambivalente Bedeutung. So funktioniert Baselitz’ Bilderkosmos wie ein Spiegelkabinett, in dem eigene, erinnerte und imaginierte Bilder mit kunsthistorischen Vor-Bildern zu neuen Bildkompositionen verschmelzen.

In den spannungsvollen, aus allen Schaffensperioden stammenden Werken in der Ausstellung offenbart sich der ganze inhaltliche und stilistische Reichtum von Baselitz’ Œuvre. Exemplarische Schlüsselwerke der 1960er-Jahre wie die Helden- und die Fraktur-Bilder werden in der Fondation Beyeler ebenso vertreten sein wie die auf dem Kopf gemalten Motive, mit denen Baselitz in den 1970er- und 1980er-Jahren berühmt wurde. Unter den grossformatigen Holzskulpturen wird auch die erste von Baselitz aus Holz gehauene und bemalte Arbeit vertreten sein, die 1980 auf der Biennale von Venedig einen kulturpolitischen Skandal auslöste. Gemälde aus der Remix-Serie sowie in jüngster Zeit entstandene Arbeiten vervollständigen den Blick auf einen der eigensinnigsten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Retrospektive, in der rund 80 Gemälde und zehn Skulpturen aus den Jahren 1959 bis 2017 zu sehen sein werden, führt Leihgaben aus renommierten europäischen und amerikanischen Institutionen und Privatsammlungen zusammen und entstand in Kooperation mit dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D. C., wo sie anschliessend in veränderter Form gezeigt wird. Parallel zur Ausstellung in der Fondation Beyeler präsentiert das Kunstmuseum Basel Baselitz Werke auf Papier.

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GEORG BASELITZ, DRESDNER FRAUEN KARLA, 1990

Georg Baselitz, 2018; Foto: Jochen Littkemann, Berlin

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