Medizinische Empfehlungen

Zu Gast bei Viva Mayr am Wörthersee

Die luxuriöse Wohlfühlklinik am Wörthersee

Maria Wörth und Viva Mair aus der Luft

(c) Gemeinde Maria Wörth

von Nilgün Burgucu

Das exklusive Maria Wörth liegt malerisch auf einer Halbinsel am Südufer des Wörthersees. Eine Woche darf ich dort bei Viva Mayr mit nachhaltigem Wohlfühlen verbringen. Freunde hatten mich vorgewarnt. „Die Frauen der Kreml-Führer gehen da ein und aus.“ Eine Promidichte wie in Saint Tropez!“. Verständlich, denn viele schreckt sicher schon der Blick auf die Preisliste.

Kuriert wird dort nach den Lehren F.X. Mayrs. Der wollte vor 100 Jahren die Darmprobleme lösen, den Gast entschlacken und so seine Regeneration fördern. „Milch-Semmel-Kur“ nannten das viele, doch Mayr ging es mehr um die vollständige Verdauung naturbelassener Kost. Semmel halfen da beim Kauen und zur Speichelbildung.

Hocheffiziente Organisation

Viva Mayr am Wörthersee

(c) Viva Mayr

Sepp, mein Taxifahrer, kennt mein Ziel gut, holt oft Gäste zum Flughafen ab. In der schmucklosen Hotelklinik geht es Schlag auf Schlag. Das geräumige Zimmer hat hübsche Details, wie den Ohrensessel mit Fußschemel. Da kann man auch eine mehrwöchige Kur aushalten. Die Karaffe mit Kristallen soll ich mit Wasser übergießen und reichlich davon trinken – nur nicht zu den Mahlzeiten. Auf dem Balkon zum See höre ich meine Zimmernachbarin lauthals telefonieren.

Sie ist schon ein Vierteljahr hier. Als wir uns begegnen kommen Erinnerungen an Samstagabendshows auf, als ihre Karriere als Sängerin auf dem Höhepunkt war.

Viva Mayr ist straff organisiert. Kaum habe ich ausgepackt, wartet schon Ärztin Nadja mit dem Eingangs-Check. Dabei geht’s primär ums mein Bauchgefühl. Ergebnis ist mein Anwendungsplan, der aussieht wie der Stundenplan einer Ganztages-Schule.

Bittersalz und Basenpulver

Yoga auf dem Seesteg

(c) Viva Mayr

Nur wenige Gäste bretzeln sich zu den Mahlzeiten auf. Viele kommen aus Bademantel und Schlappen gar nicht heraus. Die meisten Gäste schätzen Diskretion. Wer sich die sündteure Fastenkur leisten kann, will unter sich bleiben. Im Restaurant lassen raumhohe Fenster den Blick über den See schweifen. Auf dem Weg vom Abendessen nehme ich meine tägliche Portion Bittersalz mit, das hier mit Basenpulver eine wichtige Rolle spielt, um den Darm zu reinigen und zu entlasten. Das Ergebnis ist Durchfall – und der ist hier gewollt.

Der Tag beginnt mit Yoga oder Gymnastik. Gegen den Durst steht überall Wasser oder Tee bereit, den viel Trinken ist wichtig. Dreieinhalb Liter pro Tag, um den Körper durchzuspülen. Wasser oder Tee, mit oder ohne Bittersalz und viermal täglich Basenpulver - ohne Zucker.

Und immer wieder kauen

Emanuela Fischer kocht frisch und gut

(c) Viva Mayr

Auch wenn der Blick atemberaubend ist, reagiert mancher Gast verwirrt auf die servierte Basensuppe, eine klare Brühe mit Spurenelementen, Vitaminen und Mineralien, aber ohne Kalorien. Andere bekommen trockene Dinkelfladen. „Jeden Bissen 30 bis 50 mal kauen“ sagt Harald Stossier, der zusammen mit seiner Frau Christine die Klinik aufgebaut hat und leitet. Mit der Zeit gewöhne ich mich ans ausgiebige Kauen ohne Flüssigkeit. Es hilft und vertreibt den Hunger. Das Abendessen ist die kärgste Mahlzeit.

Dabei kann Küchenchefin Emanuela Fischer gut kochen. Avocado-Mousse mit Kaviar, Scampi, Stremellachs oder Schafkäse stehen beim Frühstück zur Wahl. Lecker, aber winzige Portionen. Nachschlag ist erlaubt, aber nur vom selben Gericht.

Damit die Ernährungsanpassungen nach der Kur nicht verpuffen, bringt sie den Gästen in der Kochschule bei, das Essen nachhaltig gesund zuzubereiten mit viel Lein- und Hanföl. „Die Diät soll schmecken“, sagt Harald Stossier.

Entschlackung für Körper und Geist

Dr. Harald Stossier bei der Untersuchung

(c) Viva Mayr

Doch erst einmal steht Entschlackung auf dem Programm. Spezialanwendungen wie Lymphdrainage oder Entgiftung-Massage sollen dabei helfen. „Heilung durch Schonung und Natur“ lehrt die VivaMayrs Moderne F.X. Mayr Medizin. Dabei bedeutet falsche Ernährung nicht unbedingt zu viel Fett. Einige Gäste, die ihre Basensuppe in sich hineinlöffeln, sehen sehr fit aus. Manchmal ist es Junk-Food oder der abendliche Salat. „Da bilden sich Gase, es gärt und verursacht ein Völlegefühl,“ informiert der Klinikchef. Dann entstaut er den Darm und verordnet erst mal Dinkelfladen und Basensuppe.

Der Tag vergeht zwischen Bewegungsübungen mit dem Personal Trainer, Sauna, Hallenbad und den Anwendungen. Bei den Massagen werden „Problemstellen“ sanft oder kräftig nivelliert, eine Hochfrequenzwippe trainiert die unterschiedlichsten Muskeln und ein Elektrolyse-Fußbad soll Giftstoffe rasch und effektiv über die Haut ausgescheiden. Es kribbelt und das Wasser verfärbt sich bräunlich.

Ratschläge für die häusliche Nacharbeit

Schlemmen auf der Terrasse

(c) Viva Mayr

Nach einer Woche heißt es Abschied nehmen vom Wörthersee. Christine Stossier gibt mir noch Ratschläge mit auf den Weg. Wer möchte, kann sich im kleinen Shop mit den hauseigenen Vitamin- und Mineralstoff-Präparaten eindecken. Fast drei Kilo habe ich verloren.

Vielleicht liegt’s daran, dass ich auf mein Croissant oder das Glas Wein verzichte, die sonst auf dem Wohlfühl-Programm stehen. Viele Gäste schwärmen daheim von der erfolgreichen Kur, mit der sich prima renommieren lässt und kommen trotz kulinarischer Entbehrungen gern zurück.

(c) Connaisseur & Gourmet 2017